PRODUKTDESIGN 05. Jul 2019 Fabian Kurmann

„Design wird überall wichtiger“

Die Bereitschaft für gestaltete Produkte – vom Klimagerät bis zur Hochleistungsturbine – zu bezahlen, wächst laut Takato Abe, dem Leiter des Industrial Design Center von Mitsubishi Electric. Europa ist dabei führend.

Der Mensch muss beim Produktdesign an erster Stelle stehen, sagt Takato Abe, Chef-Industriedesigner bei Mitsubishi Electric.
Foto: Mitsubishi Electric

VDI nachrichten: Herr Abe, wie entwirft man heute ein gutes Produkt?

Abe: Der kürzeste Weg zu einem guten Produkt ist die Menschen zu beobachten und herauszufinden, was sie in der Zukunft glücklich machen wird.

Was macht Menschen aktuell glücklich?

Im Moment ist es das Gefühl, niemand zurücklassen zu wollen. Auch die Nachhaltigkeit wird wichtiger. Junge Menschen denken darüber nach und der Markt folgt diesem Denken. Früher hätte niemand einen Papierstrohhalm genutzt, weil ein Plastikstrohhalm besser handhabbar ist, heute schon. Das ist eine Kraft, die den Markt bewegt.

Wo bekommen Sie als Industriedesigner die technologischen Entwicklungen zu spüren?

Zum Beispiel durch die Verbesserung des 3-D-Drucks. Damit werden noch individuellere Produkte und kleinere Serien mit vielleicht 1000 Stück möglich. Damit sich heute eine Spritzgussform lohnt, muss man ca. 1 Mio. Teile verkaufen. Auf der anderen Seite ändern Menschen ihr Denken, Verhalten oder ihre Gefühlen gar nicht so schnell, auch wenn sich die Technologie verändert. Ingenieure denken häufig an die Technologie, aber wir beobachten das Leben. Ein Designer greift kleinste Anzeichen auf, die später zu großen Veränderungen führen können. Wir fragen uns in erster Linie, was der Mensch sich wünscht. In Zukunft realisieren wir diese Wünsche einfach mit der Technologie, die dann zur Verfügung steht.

Es erwartet uns also eine glückliche Zukunft?

Es wird natürlich schwieriger, Menschen immer glücklicher zu machen. Wenn wir fragen, wie wir das Leben von Menschen verbessern könnten, hören wir oft: Es ist gut so, wie es ist. Früher war es einfacher. Die Leute beschwerten sich über etwas und man hat eine Lösung dafür entwickelt. Heute sind den Menschen etwas die Alltagsprobleme ausgegangen. Wir müssen uns jetzt erst darum kümmern die Probleme zu finden und dann die Lösungen dafür zu entwickeln.

Worauf achten Sie denn beim Nachwuchs?

Wenn ich heute einen Industriedesigner einstelle, muss er nachhaltig denken. Heute geht es in dem Job nicht mehr nur um Profitmaximierung, sondern auch um soziale Verantwortung. Es wird mehr zusammengearbeitet. Ingenieure holen Designer gleich zu Beginn an den Entwicklungstisch. Als Industriedesigner zu arbeiten, macht heute mehr Spaß als vor 20 Jahren. Design ist in vielen Lebensbereichen wichtiger geworden.

Nennen Sie doch bitte ein Beispiel dafür.

Wenn ein Designer vor zehn Jahren ein Produkt entworfen hat, konnte vielleicht ein Drittel der Designideen in den Markt gebracht werden, weil die Menschen nicht mehr Geld für ein Klimagerät mit schönem Design ausgeben wollten. Wir mussten gute Designideen verwerfen. Aber heute – vielleicht wegen der sozialen Medien und des Internets – sehen die Menschen immer mehr hochwertige Produkte auf Bildern. Sie gewöhnen sich an gutes Design und wollen es auch für zu Hause oder die Firma. Wir designen alles Mögliche – von der Sicherung über Haus- und Klimageräte sowie Aufzüge bis hin zu Hochleistungsturbinen. 2018 haben wir den Red Dot Design Award für ein IoT-Gateway bekommen. Die Menschen wissen Industriedesign immer mehr zu schätzen.

Werden alle Märkte designbewusster?

Der europäische Markt schätzt gutes Design deutlich mehr als z. B. der in Japan. Unser Vertrieb in Italien, Frankreich und Deutschland hat uns früh gebeten Designklimageräte herzustellen. Der japanische Markt hat diese Wertschätzung erst später entwickelt.

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