PRODUKTION 05. Jul 2019, 12:46 Uhr Stefan Asche

Deutsche Drucker begehrt

Wenn es um Maschinen geht, die Metallteile mittels Lasersintertechnologie erzeugen, sind deutsche Firmen führend. Zwei von ihnen stehen jetzt zum Verkauf.

Bei SLM Solutions in Lübeck entstehen derzeit Metalldrucker, die weltweit zu den besten ihrer Art gehören. Der designierte Mehrheitseigner General Electric will den Standort erhalten.
Foto: SLM

Das Lübecker Unternehmen SLM Solutions zählt zu den Pionieren beim Druck von Metallteilen. Es war maßgeblich an der Entwicklung des „Selective Laser Melting“-Verfahrens (SLM) beteiligt. Bei dieser Technologie wird Metallpulver schichtweise mit der Energie des fokussierten Lichtstrahls verschmolzen. Dadurch werden komplexe Geometrien ermöglicht, die mit konventioneller Technik nicht gefertigt werden können. Viele Produktionsexperten prophezeien der SLM-Technologie eine große Zukunft. In immer mehr Branchen finden die gedruckten Teile Eingang in die Serienfertigung. Nun will der US-Konzern General Electric (GE) mindestens 75 % von SLM Solutions übernehmen. Aktuell beläuft sich das Angebot auf 683 Mio. €.

Schweigen ist Gold

[caption id="attachment_5961" align="aligncenter" width="331"] Stefan Asche, Redakteur: Industriepolitik sollte liberal sein.
Foto: Zillmann[/caption]

Als der chinesische Hausgeräte-Hersteller Midea im Mai seine Arme nach dem Augsburger Roboterspezialisten Kuka ausstreckte, wurde Sigmar Gabriel umgehend aktiv. Zunächst bat er Siemens, ein alternatives Kaufangebot zu unterbreiten. Als die Münchener abwinkten, ließ der Bundeswirtschaftsminister bei allen inländischen Automobilbauern anklopfen. Sein Ziel: Kuka soll deutsch bleiben. Denn Roboter zählen zu den Protagonisten in der alles beherrschenden Industrie 4.0. Sie werden rund um die Uhr mit sensiblen Daten gefüttert. Durch ihre Adern fließen Informationen zu Konstruktionen und Produktionsmengen. Gabriel trieb die Sorge um, dass diese Geheimnisse künftig auf chinesischen Bildschirmen analysiert werden könnten.

Am Ende blieb der Minister erfolglos. Die Industrie hat seine protagonistische Initiative schlicht boykottiert. So sprach sich Kuka-Chef Till Reuter ebenso für den Deal aus wie BDI-Präsident Ulrich Grillo. Doch Gabriel muss sich nicht grämen. Denn die deutsche Wirtschaft ist nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil unmittelbare Eingriffe seitens der Politik höchst selten sind – anders als etwa in Frankreich. Und im konkreten Fall tun sich für Kuka nicht nur Risiken auf, es eröffnen sich auch zahlreiche Chancen: Der chinesische Markt wächst. Und in den dortigen Fabriken wird längst nicht mehr nur abgekupfert. Midea kann also ein Türöffner sein.

Das Schweigen im Wirtschaftsministerium zu den Bewegungen auf dem Markt für Metalldrucker ist also überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil. Gabriel hat offenbar dazu gelernt.

Es könnte natürlich auch sein, dass die Potenziale der Additiven Fertigung in Berlin noch gar nicht erkannt wurden. Fakt ist: Der 3-D-Druck wird ähnlich revolutionäre Auswirkungen haben, wie es den Robotern derzeit nachgesagt wird. Stefan Asche

Der Deal dürfte über die Bühne gehen. Denn das Angebot beinhaltet einen Aufschlag von fast 40 % auf den Börsenwert vor der Offerte. SLM-Finanzvorstand Uwe Bögershausen spricht dementsprechend von einem „sehr attraktiven Angebot“. SLM-Gründer und Aufsichtsratschef Hans-Joachim Ihde will seine Aktien jedenfalls verkaufen. Auch der Investor Deutsche Private Equity (DPE) hat signalisiert, die Gelegenheit zum Ausstieg nutzen zu wollen. Die Aktienpakete der beiden Altaktionäre ergeben in Summe 31,5 % aller Anteile.

„General Electric stellt Mittel bereit, die über den Kapitalmarkt kaum zu beschaffen wären.“ Uwe Bögershausen, Finanzvorstand bei SLM Solutions.
Foto: SLM Solutions

Doch nicht nur SLM Solutions weckt das Interesse ausländischer Investoren. Derzeit steht nach Insiderberichten auch der fränkische 3-D-Druckerhersteller Concept Laser zum Verkauf. Er könnte mehr als 500 Mio. € einbringen. Interessiert seien unter anderem Oerlikon aus der Schweiz und Finanzinvestoren wie KKR. Das Unternehmen selbst hüllt sich in Schweigen. „Zu Gerüchten unklarer Herkunft um Concept Laser geben wir als Unbeteiligte, aus Gründen der Seriosität und Verantwortung, generell keine Kommentare ab.“ Ein klares Dementi klingt anders.

Bei SLM sieht man es derweil gelassen, künftig Teil eines US-Unternehmens zu sein. „Es wird nichts verlagert“, unterstreicht CFO Bögershausen. „Der Hauptsitz des Unternehmens bleibt in Lübeck. Gleiches gilt für die Forschung und Entwicklung.“ Die Amerikaner hätten sogar angekündigt, die ohnehin geplante Produktionserweiterung am Standort abermals zu vergrößern. „GE stellt Mittel bereit, die wir nicht haben und die über den Kapitalmarkt nur schwer zu beschaffen wären.“

Tatsächlich stellt sich sogar die Frage, ob ein Widerstand gegen die US-Offerte sinnvoll wäre. Denn GE hat nicht nur SLM im Einkaufswagen. Der Mischkonzern will auch das schwedische Unternehmen Arcam erwerben. Dafür legen die Amerikaner weitere 614 Mio. € auf den Tisch. Branchenkenner fürchten nun, dass der Markt für andere 3-D-Druckmaschinenbauer eng wird. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte ein Insider: „GE hat jetzt die meisten Wettbewerber aufgekauft. Wie soll man langfristig gegen GE überleben?“

GE will den Umsatz im Bereich Additive Fertigung bis 2020 auf 1 Mrd. $ erhöhen. „Die Technologie ist ein Schlüsselelement in der Entwicklung von GE zu einem digitalen Industrieunternehmen“, erklärte der Chef der Flugzeugsparte GE Aviation, David Joyce.

Laut Reuters erwartet der Konzern, mit der jungen Technik die Produktionskosten in den nächsten zehn Jahren um bis zu 5 Mrd. $ senken zu können. Die entstehenden Teile sind meist leichter als Guss- oder Stanzteile. GE arbeitet etwa daran, den Turboprop-Motor der neuen Cessna zu wesentlichen Teilen auf diese Weise zu produzieren.

Laut Bögershausen ist das Interesse der Amerikaner ein „Ritterschlag“ für SLM. Das deutsche Unternehmen könne nur davon profitieren, wenn es Teil einer großen, internationalen Familie werde. Internen Wettbewerb befürchtet der Lübecker nicht. „Arcam ist kein Konkurrent für uns, die Technologien ergänzen sich. Ich bin sicher, dass wir uns gegenseitig befruchten könnten.“ Während SLM das „selektive Laserschmelzen“ entwickelt hat, ist Arcam auf das Elektronenstrahlschmelzen konzentriert. Die Schweden waren vor SLM an die Börse gegangen, haben aber 2015 etwas weniger Umsatz erwirtschaftet.

Die Lübecker haben im vergangenen Jahr mit 310 Mitarbeitern rund 66 Mio. € Umsatz generiert und erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Bis 2020 hatte SLM 500 Mio. € Umsatz anvisiert. Das Unternehmen hatte es 2014 nur mit Mühe an die Börse geschafft, mit einer Bewertung von 324 Mio. €.

Concept Laser hat 2015 einen Umsatz von rund 68 Mio. € gemacht. Das Unternehmen beschäftigt 170 Mitarbeiter.

Der dritte große Anbieter von Maschinen aus dem Bereich der Lasersintertechnologie ist Eos aus dem Oberbayerischen Krailling. Das Unternehmen kam 2015 auf einen Umsatz von 260 Mio. € und beschäftigt etwa 750 Mitarbeiter.

Die drei Unternehmen sind nicht nur in Deutschland führend. Sie bilden weltweit die Speerspitze in ihrer Branche.

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