Autogipfel setzt auf Zukunftstechnologien 09. Sep 2020 Von dpa/Regine Bönsch

Deutsche Führungsrolle beim autonomen Fahren

Noch gab es keine konkreten Beschlüsse, doch die Taktik von Politik und Automobilindustrie scheint klar: Vor allem Zukunftstechnologien sollen die deutsche Schlüsselindustrie wieder nach vorne bringen.


Foto: panthermedia.net/Andriy Popov

Schnelleres Internet im Auto, eine deutsche Vorreiterrolle beim autonomen Fahren und kundenfreundlicheres Laden von E-Fahrzeugen – das sind die Kernziele, die der jüngste „Autogipfel“ für die angeschlagene Branche formuliert hat. Weitere direkte Absatzhilfen in Form von Kaufzuschüssen auch für neue Verbrennerautos dürfte es nicht geben. Stattdessen setzen Politik und Branche auf indirekte Unterstützung und Maßnahmen, die den schwierigen Wandel in der deutschen Schlüsselindustrie voranbringen sollen. Konkrete Beschlüsse gab es bei den Beratungen am Dienstagabend kaum, es wurden Prüfaufträge formuliert und etliche Fragen auf die nächsten Gespräche im November geschoben.

Fahrerlose Kraftfahrzeuge im Regelbetrieb

VW-Konzernchef Herbert Diess hält die Beschlüsse vom 8. September für einen wichtigen Beitrag, um Deutschland bei Zukunftstechnologien besser in Position zu bringen. Die diskutierten Ziele zum autonomen Fahren seien ein nötiger Schritt, betonte der Manager heute. „Es ist wichtig, dass wir den Anschluss an die relativ offene Regulierung in den USA und China nicht verlieren.“

Bei dem Spitzengespräch von Branchenvertretern, Bundesregierung und Ministerpräsidenten am Dienstagabend war unter anderem der Plan formuliert worden, dass die Bundesrepublik in den kommenden Jahren eine „Führungsrolle beim autonomen Fahren“ einnehmen soll – ein gesondertes Gesetz wird vorbereitet. Das Bundesverkehrsministerium habe dazu einen „guten Vorschlag“ gemacht, wie der Grad der Automatisierung von Assistenzsystemen erhöht werden könne, so Diess.

Viele Punkte sind noch wenig konkret, es wurden vor allem Prüfaufträge bis zur nächsten Sitzung im November formuliert. Die Richtung scheint aber bereits klar: Deutschland soll laut dem Ergebnispapier der Runde „das erste Land weltweit sein, das fahrerlose Kraftfahrzeuge im Regelbetrieb sowie im gesamten nationalen Geltungsbereich erlaubt“. Bis 2022 sollen Autos mit autonomen Fahrfunktionen im Normalbetrieb unterwegs sein.

EU soll Datenhoheit zurückgewinnen

VW kooperiert bei Techniken zum autonomen Fahren mit Ford. Bisher wird nur in den USA getestet. „Das werden wir jetzt überdenken, wenn sich die Bedingungen in Deutschland ändern“, sagte Diess.

Zudem soll ein „Datenraum Mobilität“ geschaffen werden. Hier geht es um Vereinbarungen zum schnellen und sicheren Austausch der riesigen Informationsmengen, die die Vernetzung im Verkehr mit sich bringt. Auch hierzu habe es einen „guten Vorschlag“ der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften für eine Plattform gegeben, die Daten aus Auto-, Nah-, Bahn- und Flugverkehr koppeln könnte, so Diess. „Es wäre ein erster Schritt für die EU, die Datenhoheit zurückzugewinnen.“

Ergänzende Absatzhilfen für die deutsche Autoindustrie vereinbarte der „Autogipfel“ nicht. Insgesamt gelte für die Ergebnisse dennoch: „Das war gestern ein gutes Arbeitstreffen mit der Kanzlerin!“

Einheitliches Bezahlen an E-Zapfsäulen

Beim Aufbau eines Ladenetzes für Elektroautos sollen Wirtschafts- und Verkehrsminister „zeitnah“ mit der Energiewirtschaft zu einem zweiten Spitzengespräch zusammenkommen. Dabei sollen konkrete Vereinbarungen über ein einheitliches Bezahlsystem und eine kundenfreundliche Nutzung von Ladesäulen erreicht werden. Verbände wie der ADAC beklagen, dass an öffentlichen Ladesäulen bisher sehr unterschiedliche Preismodelle zum Einsatz kommen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sieht die Ergebnisse des Gipfels skeptisch. „Die ganz unmittelbar anstehenden Herausforderungen sind weiter offen“, sagte der SPD-Politiker. Vor allem Zulieferer meldeten anhaltende Absatzeinbrüche infolge der Corona-Krise. Es seien zwar zentrale Punkte besprochen worden. Die Probleme blieben aber vielerorts akut. Betriebe müssten nicht nur die Transformation zu Digitalisierung und Elektrifizierung bewältigen, sondern auch mit stark zurückgehenden Verkaufszahlen kämpfen.

Förderprogramm schnell ausrollen

Grund genug für Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu fordern, dass Zukunftstechnologien und Weiterqualifizierung massiv und gut aufeinander abgestimmt werden müssten. Deshalb sei es wichtig, dass Bund und Land das im Juni vereinbarte 2-Mrd.-€-Förderprogramm schnell gemeinsam ausrollen. Damit sollen etwa Investitionen in neue Technologien gefördert werden. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet derzeit an der Umsetzung. Baden-Württemberg setzt parallel noch ein eigenes Zukunftsprogramm auf.

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