Energiewende 13. Okt 2022 Von Stephan W. Eder

DNV: Trotz Energiekrise bleibt die Energiewende auf Kurs

Die akute Energiekrise verstärkt kurzfristig das unterschiedliche Tempo der Energiewende, so das Hauptergebnis des „Energy Transition Outlook“ der Klassifikationsgesellschaft DNV.

Die Energiepreiskrise angesichts des Krieges in der Ukraine verändert den Weg der Dekarbonisierung bis zur Mitte des Jahrhunderts nicht dramatisch, so eines der Hauptergebnisse des „Energy Transition Outlook“ des norwegischen DNV-Konzerns. 2050 ist die Deadline für die Weltklimavereinbarungen von Paris.
Foto: panthermedia.net/Olivier Le Moal

Was macht die Gaskrise mit der Energiewende? Das Thema wird in Deutschland derzeit heiß diskutiert, vor allem, weil Kohle vorübergehend wieder Gas bei der Stromerzeugung ersetzen soll und damit temporär die Treibhausgasemissionen in Deutschland steigen dürften. Einen übergeordneten, globalen Blick auf die Folgen des Ukrainekriegs und der Sanktionen gegen Russland für die Energiewende (Englisch: „Energy Transition“) bietet der „Energy Transition Outlook“, der heute vom DNV-Konzern, einer internationalen Klassifikationsgesellschaft mit Sitz in Norwegen, vorgestellt wurde.

Chef der IEA sieht Chance für Comeback der Atomenergie

Fazit: Diese Krise verändert auf lange Sicht noch einmal den Tempounterschied bei der Energiewende zwischen Europa und den anderen Regionen der Welt. Auch wenn die Debatten um Kohle- und Atomstrom in Deutschland derzeit heiß geführt werden – die Energiewende in Europa ist den Ergebnissen des DNV-Berichts zufolge nicht in Gefahr, im Gegenteil.

Der „erhöhte Fokus auf die Energiesicherheit und steigende Preise verstärken den Unterschied zwischen Europa und dem Rest der Welt bei der Dekarbonisierung“, heißt es in einer Mitteilung des Sicherheits- und Risikomanagementkonzerns. Trotz Ersatz des russischen Erdgases durch LNG (Liquefied Natural Gas) oder durch andere Lieferanten werde der Gasverbrauch des Kontinents – im Vergleich zur letztjährigen Prognose – im Jahr 2050 nur noch 10 % des europäischen Energiebedarfs decken, gegenüber 25 % heute.

Inflationsdruck laut DNV nur „kurzfristige Herausforderung“ für Wachstum erneuerbarer Energien

Während in Europa die Dekarbonisierung der Haupttreiber der Energiewende ist, diagnostiziert DNV, dass in Ländern mit niedrigerem Einkommen die Kosten die Hauptantriebskraft der Energiepolitik sind – obwohl auch diese Ländern das Weltklimaabkommen von Paris unterschrieben haben. Dennoch sei dort „ein anderer Trend“ zu beobachten. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise machen die Umstellung von Kohle auf Gas rückgängig und dämpfen die Investitionen in die Dekarbonisierung. So wird beispielsweise der Anteil von Gas im Energiemix des indischen Subkontinents in den nächsten fünf Jahren von 11 % auf 7 % sinken, während der Anteil von Kohle steigen wird.

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Dem globalen Inflationsdruck bescheinigt der mittlerweile sechste „Energy Transition Outlook“, er stelle eine „kurzfristige Herausforderung“ für das Wachstum erneuerbarer Energien dar. So würde sich der Zeitpunkt, an dem weltweit Elektrofahrzeuge die Hälfte aller Neuwagen stellten, auf 2033 verzögern – also um ein Jahr. „Die Turbulenzen auf dem Energiemarkt verändern den Weg der Dekarbonisierung bis zur Mitte des Jahrhunderts nicht dramatisch“, sagte DNV-CEO Remi Eriksen. „Der stärkste Motor der globalen Energiewende sind die schnell sinkenden Kosten für Solar- und Windenergie, die die derzeitigen kurzfristigen Schocks für das Energiesystem aufwiegen werden.“

Klimaziel von Paris wird Stand heute verfehlt

DNV ist nah dran am Klima, denn der norwegische Konzern, seit Jahrzehnten als Zertifizierer im maritimen Sektor bekannt, zählt viele Kunden in der Energiewirtschaft: Von den Öl- und Gasförderern bis hin zu der Offshore-Windkraftbranche. Dem Bericht zufolge bleiben die Treibhausgas-Emissionen nahe an den Rekordwerten und brächten die Welt auf einen Kurs, sich bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,2 °C zu erwärmen. Das 1,5-Grad-Klimaziel von Paris wird also demnach nicht erreicht. Auch wenn im Zieljahr 2050 51 % des globalen Energiemix auf nicht fossilen Energieträgern beruhen soll – 2020 waren es 20 %. Das Kohlenstoffbudget für das 1,5-Grad-Ziel würde laut DNV bereits 2029 erreicht.

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Für die Kernenergie prognostiziert DNV angesichts der Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit einen bescheidenen Anstieg, der weltweit um 13 % vom heutigen Niveau bis 2050 wachsen wird. Da aber insgesamt die Stromerzeugung global wächst, beträgt der Anteil der Kernkraft dann nur noch 5 % statt 10 %, wie es heute der Fall ist. Und „der kurzfristige Anstieg des Kohleverbrauchs wird nicht verhindern, dass die Kohle mit ihrem Höhepunkt im Jahr 2014 rasch aus dem Energiemix ausscheidet. Der Ölverbrauch nähert sich seit einigen Jahren einem Plateau und wird ab 2030 stark zurückgehen“, heißt es bei DNV weiter.

DNV: Erdgaspreise pendeln sich nach 2024 auf dem Niveau von 2021 ein

Und Erdgas: Der Spitzenverbrauch (Peak) werde weltweit gesehen wohl 2036 erreicht, so der DNV-Bericht. Und 2048 werde Erdgas dann Öl als größten einzelnen Energieträger ablösen. Gerade einmal 12 % des Gases werden 2050 „carbon free“, also klimaneutral, sein. Davon entfalle rund ein Viertel auf Wasserstoff als Quelle, die anderen Beiträge entstammten der Nutzung von Biomethan und CCS (Carbon Capture & Storage) bei der Stromerzeugung und in der Industrie. Die heute recht hohen Preise sieht DNV bis 2024 anhalten, danach würde der Markt nach und nach auf das Preisniveau von 2021 zurückkehren.

Da das 1,5-Grad-Ziel der Projektion von DNV zufolge verfehlt wird, mahnt dessen CEO Eriksen: „Die Technologie ist vorhanden, um bis 2050 Net Zero-Emissionen zu erreichen, aber dafür müssen wir die Möglichkeiten der politischen Werkzeuge ausschöpfen.“

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