Ukraine-Krieg 14. Mrz 2022 Von Stephan W. Eder

Energiewirtschaft im Schleudergang

Mit dem Ukraine-Krieg nimmt der Zwang zur Transformation der Energieversorgung in Deutschland zu. Dabei jagt eine – teilweise auf den ersten Blick widersprüchliche – Meldung die nächste. Eine Einordnung.

Zwei Demonstrierende in Köln am 28. Februar 2022, auf dem zur Friedensdemonstration umfunktionierten Rosenmontagszug.
Foto: Stephan W. Eder

Wer blickt da noch durch? Und wie solls gehen? Viele Menschen in Deutschland – angefangen beim Ex-Bundespräsidenten Joachim Gauck – sind offenbar bereit lieber den Pulli rauszuholen, als zu viel russisches Gas zu verbrauchen. Wir kehren mal zusammen:

Erdgasembargo: Eiertanz um Nord Stream 1

Der russische Vizeregierungschef Alexander Nowak drohte mit einem Stopp der Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1. Das betrifft nur Deutschland – im Gegensatz zur Pipeline durch die Ukraine (s. unten), die für die osteuropäischen Länder ein wichtiger Zugang zu russischem Erdgas ist. Im Gegenzug gibt es politische Überlegungen in Deutschland, ganz konkret Nord Stream 1 zu boykottieren – weil eben die östlichen Nachbarländern nicht in Mitleidenschaft gezogen würden. Wir werden sehen, wie schnell das zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird.

Energieembargo: Geht? Geht nicht?

Geht nicht, sagte im heutigen „Morgenmagazin“ Michael Roth, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag. Deutschland sei „massiv abhängig“ von Gas. Roth denkt da nicht nur ans frierende Wahlvolk, er denkt an die heimische Wirtschaft. Man könne das nicht kompensieren. Die direkte Wirkung der hohen Energiepreise im ohnehin schon als Energiehochpreisland bekannten Deutschland ist da nur der Anfang.

Putins ökonomische Rasierklinge hat zwei scharfe Seiten

Zwar steigen die Energiepreise global, aber deutsche Waren finden sich ohnehin weniger im Billigsegment; gefragt ist „Made in Germany“, das darf mehr kosten. Fragt sich aber: Wie viel mehr? Kritisch ist, wie lange die deutsche Industrie diesen exorbitanten Energieaufschlag an die globale Kundschaft weitergeben kann, ohne dass die abspringt. Denn nicht überall ist die Energie gleich teuer.

Die Wissenschaftsvereinigung Leopoldina geht der Frage des Embargos in einer „Ad-hoc-Stellungnahme“ nach: „Wie sich russisches Erdgas in der deutschen und europäischen Energieversorgung ersetzen lässt“. Geht, sagt die Leopoldina: „Das Papier kommt zu dem Schluss, dass auch ein kurzfristiger Lieferstopp von russischem Gas für die deutsche Volkswirtschaft handhabbar wäre“, heißt es in einer Mitteilung.

Deutschland ginge auch ohne Russland die Energie nicht aus

„Handhabbar“ – wer da einen Widerspruch zur bisherigen Regierungslinie und auch zu Michael Roths Ausführungen sieht, muss dort vorsätzlich bewusst aufhören zu lesen. Es lohnt sich die lediglich neun (!) Seiten mal durchzusehen. Der Wissenschaftsvertretung ist schon klar, was das heißt. Und technisch-wissenschaftliche Optionen, die die Leopoldina aufzeigt, müssen noch lange keine wirtschaftlich-politisch umsetzbare Optionen sein. Es bleibt eine spannende Diskussion, denn es geht nicht nur um die 1 °C oder 2 °C weniger im geheizten Wohnzimmer oder Büro, es geht vielmehr um drohende Pleiten von Unternehmen und damit um Arbeitsplätze.

Gazprom liefert weiter Erdgas durch die Ukraine

Über die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Tass kommuniziert Gazprom, dass man weiterhin vertragsgetreu Erdgas liefere – durch die Ukraine. Die Deutsche Presseagentur nennt die Zahlen: Am Samstag, 12. März 2022, seien es 109,5 Mio. m3, am Sonntag (13. März 2022) 109,6 Mio. m3 gewesen und am heutigen Montag würden es wiederum 109,5 Mio. m3 werden. Laut Vertrag liefere Gazprom jährlich 40 Mrd. m3.

Das entspricht der offiziellen Linie: Präsident Wladimir Putin hatte höchstselbst angekündigt, Russland werde seinen Lieferverpflichtungen nachkommen. Klare Meinung vieler politischer und energiewirtschaftlicher Expertinnen und Experten dazu: Russland braucht das Geld. Und solange der militärische Erfolg darunter nicht leidet, will Putin offenbar beides tun: Krieg führen und liefern. Obwohl die beschlossenen Sanktionen schon heute bewirken, dass Russland seine ja durchaus vorhandenen Devisen gar nicht loswerden kann.

Wichtige Deadline: Mitte Mai will die EU ein Papier vorlegen, wie sie die EU-Ökonomie und die russischen Rohstofflieferungen entflechten kann.

Energiewirtschaft: Ölpreise beruhigen sich

Am Dienstag letzter Woche notierte das Barrel (bbl) Rohöl der Nordsee-Leitsorte Brent zum Handelsschluss bei über 128 $. Im Laufe der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 wurden mal über 140 $/bbl erreicht. Die Ölpreise von letzter Woche können als „Einpreisen“ der Sanktionen verstanden werden. Der Frühhandel in Singapur zu Beginn dieser Woche zeigt eine Beruhigung. Die Kurse bleiben unter 110 $/bbl auch im inzwischen in Europa eröffneten Handel.

Interessant zu vermerken: Während der Rohölpreis in Deutschland die Höchststände der Jahre 2008/2009 nicht erreicht, pulverisieren die Kraftstoffpreise locker die 2,00-€-Grenze und erreichen damals nicht gesehene Höchststände. Das hängt übrigens nicht an einer höheren Umsatzsteuer, die lag damals schon bei 19 %, vielmehr ist die Einpreisung eines Kriegsrisikos etwas anderes als die eines Bankencrashs.

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