Baden-Württemberg mit Solardachpflicht 22. Jul 2021 Von Stephan W. Eder

Globaler Solarboom trotz Covid-19 ungebrochen

Die weltweit neu installierten Photovoltaikanlagen werden im kommenden Jahr die 200-GW-Marke überschreiten, so der europäische Solardachverband Solarpower Europe gestern auf dem Onlinekongress „The Smarter E Industry Days“. Die gesamte installierte Leistung soll spätestens 2022 1 TW überschreiten. Auch die deutsche Landespolitik springt auf den Solarzug auf.

Solarmodule (3 MW) über einer Himbeerfarm: Der globale Solarboom ist nicht zu stoppen, 2022 soll die gesamte installierte Nennleistung mehr als 1000 GW erreichen.
Foto: BayWa r.e.

Was man mit einem Solardachprogramm alles erreichen kann, hat im letzten Jahr Vietnam gezeigt. Der Staat in Südostasien hat im letzten Jahr (2020) Platz drei bei den Neuinstallationen weltweit erreicht, so der jüngste Bericht „Global Market Outlooks for Solar Power 2021-2025“ des europäischen Solardachverbands Solarpower Europe.

11,6 GW Zubau waren fast eine Verdoppelung gegenüber 2019; die „größte Überraschung 2020“, so nannte das CEO Walburga Hemetsberger, denn der Zuwachs ging fast ausschließlich auf Kosten eines Solardachprogramms. Im globalen Ranking liegt China dem Bericht zufolge unangefochten auf Platz eins mit 48,2 GW, gut 60 % mehr als noch 2019, Platz zwei geht an die USA mit 19,2 GW. Deutschland nimmt mit einem Zubau von 4,9 GW Rang sechs ein.

Deutsche Landespolitik ringt um Solardachpflicht

Deutschland könnte also mehr tun. Den Ausbau der Solarstromtechnik als Schlüssel für die Energiewende bekräftigten gestern und heute die Landesregierungen in Baden-Württemberg und Bayern. Die frisch aufgestellte grün-schwarze Regierungskoalition in Stuttgart brachte heute Morgen als TOP 4 eine Novelle des Klimaschutzgesetzes in den Landtag ein: Wer ab 1. Mai 2022 im Südwesten neu baut, für den gibt es eine Solardachpflicht. Ein gutes halbes Jahr später, ab dem 1. Januar 2023, gilt das auch bei grundlegenden Dachsanierungen.

Bereits gestern hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder allerdings bei seiner Regierungserklärung einräumen müssen, dass es im blau-weißen Bundesland keine Solardachpflicht geben werde. Der Koalitionspartner, die Freien Wähler, war dagegen. Also weicht Söder aus und will stattdessen viermal so viele Photovoltaikinstallationen auf staatlichen Dächern – 1300 statt 340. Und mehr Solar soll es auch geben auf Flächen wie Parkplätzen, an den Autobahnen oder an Lärmschutzwänden. Statt einer Solardachpflicht will Söder die privaten Solardachbauer mit mehr Geld unterstützen. Und da es im Freistaat nicht reicht, will er eine bundesweite Solardachpflicht.

Weltweite Solarkapazität wächst 2020 um 18 %

Dem Bericht zufolge, den Solarpower Europe gestern im Rahmen des Onlinekongresses „The Smarter E Industry Days“ vorstellte, konnten weder die Covid-19-Pandemie noch Preissteigerungen den Solarboom stoppen. Von 2019 auf 2020 legten die Neuinstallationen um 18 % auf 138,2 GW zu. Im Laufe des kommenden Jahres 2022 soll die 200-GW-Grenze gerissen werden. Zur Einordnung: Ein traditionelles Großkraftwerk liegt in der Größenordnung von 1 GW elektrischer Leistung.

Und das ist der Zubau: „Wir erwarten 2022 im Rahmen unseres mittleren Prognoseszenarios 936 GW an weltweit insgesamt installierter Solarkapazität“, so Hemetsberger. Sie erwarte sogar, dass 2022 die 1-TW-Marke gerissen werde. 1 TW entspricht 1000 GW. 2025 könnte der Wert dann bei 1,8 TW liegen, entwickelten sich die Märkte besser als erwartet, könnten es auch 2,1 TW sein. Hemetsberger wies darauf hin, dass die Solartechnik seit Jahren auch die höheren Erwartungshorizonte bei Marktprognosen für das eigene Wachstum regelmäßig überschreite.

Solarboom trotzt Covid-19

Hemetsberger betonte, die Photovoltaik habe 2020 einen neuen Installationsrekord aufgestellt und dies „trotz der schweren Folgen von Covid-19“. Marktforscher hatten mehrheitlich eher einen Rückgang prognostiziert. Die Dachverbandschefin attestierte ihrer Branche „historische Kostenwettbewerbsfähigkeit“ und „Vielseitigkeit“. Trotz des erneuten Installationsrekord mahnte sie, man habe im Engagement gegen den Klimawandel „kostbare Zeit“ verloren.

Matthias Taft, CEO der BayWa r.e. AG, kommentierte, man müsse in Zukunft unbedingt mehr Lösungen für die Industrie anbieten. „Wir müssen Industrie mehr einbinden, wir brauchen Lösungen für sie. Man brauche Großanlagen, „denn wir müssen einige schwer zu elektrifizierende Sektoren elektrifizieren“, stimmte Hariram Subramanian, CTO Fusion Solar Solutions bei Huawei Technologies, ihm zu. In Deutschland, betonte Taft, gelte es die politischen Entscheidungsträger einzubinden – und zwar auf allen Ebenen, „bis hinunter zum Bürgermeister“.

China wichtigster Exportmarkt für deutsche Photovoltaik-Produktionstechnik

Vom globalen Solarboom profitieren auch die in diesem Segment aktiven deutschen Maschinenbauer und Technologiezulieferer. Im ersten Quartal 2021 waren dessen Umsätze laut VDMA im Bereich Photovoltaik-Produktionsmittel auf gleicher Höhe mit dem Vorquartal geblieben. Ab Juli rechnet der Verband mit mehr Auftragseingängen und höheren Umsätzen.

„Wir erwarten, dass sowohl im In- als auch im Ausland wieder mehr Projekte realisiert werden. Hierzu trägt die Entwicklung zu größeren Waferformaten bei“, so Jutta Trube, Leiterin VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel. Treiber seien vor allem Produzenten in China und Malaysia.

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