Windjammer auf dem Weg in die Heimat 04. Sep 2020 Von Jens D. Billerbeck

Flying-P-Liner Peking nimmt endgültig Kurs auf Hamburg

Am kommenden Montag tritt die Viermastbark Peking den zweiten Teil ihrer langen Reise von New York nach Hamburg an. Nach drei Jahren Werftaufenthalt in Wewelsfleth wird sie frisch restauriert die knapp 35 Seemeilen zu ihrem vorläufigen Anlegeplatz in der Hansestadt geschleppt.

Die Peking erstrahlt nach Abschluss der Restaurierung an der Ausrüstungspier der Peters Werft in neuem (alten) Glanz.
Foto: Stiftung Hamburg Maritim

Es sollte ein Volksfest werden. Genau wie vor gut drei Jahren, als die Peking ihren ersten und längsten Weg in die alte Heimat zunächst in Brunsbüttel beendete. Doch Corona lässt nur Schaulustige entlang des Elbufers zu, die den Weg des Windjammers von der Störmündung elbaufwärts nach Hamburg verfolgen können. Aufgrund des dichten Verkehrs auf dem Strom sind nur wenige Begleitfahrten zugelassen, denn ein 115 m langer geschleppter Lastensegler ist auch alleine für die anderen Verkehrsteilnehmer auf dem Strom eine Herausforderung. Wenn auch eine schöne.

Wer sich an den Zustand des Schiffes erinnert, wie es am 30 Juli 2017 im Bauch eines Dockschiffes in Brunsbüttel ankam, wird seinen Augen kaum trauen: Die Arbeiter der Peters Werft und zahlreicher Fachunternehmen haben ganze Arbeit geleistet und aus der erbarmungswürdigen – aber dennoch eindrucksvollen – Rostlaube wieder einen schönen Windjammer gemacht. Die charakteristischen Farben Schwarz-Weiß-Rot erscheinen am Rumpf frisch wie bei der Jungfernfahrt 1911, die gelb lackierten Masten recken sich gen Himmel und die 18 Rahen sind dank der Arbeit erfahrener Schiffstakler im Prinzip voll funktionsfähig.

Flaggschiff des Deutschen Hafenmuseums

Doch Segeln wird die Peking nicht mehr, schwimmen soll sie aber noch viele Jahre: Als Flaggschiff des zu errichtenden Deutschen Hafenmuseums wird sie in den kommenden Monaten an einem Interimsliegeplatz am Bremer Kai für den dann zu erwartenden Besucheranstrom gerüstet. Erfolgreiches Ziel eines langen und wechselvollen Schiffslebens. Darüber berichtete VDI nachrichten anlässlich der Ankunft in Brunsbüttel vor drei Jahren (Ausgabe 35/2017) ausführlich. In den letzten drei Jahren ist eine ganze Reihe von Ereignissen hinzugekommen.

Regelmäßig berichtete Joachim Kaiser von der Stiftung Hamburg Maritim auf deren Youtube-Kanal von großen und kleinen Erlebnissen während des langen Weges vom Beinahe-Schrotthaufen zur neugeborenen Peking. Die Details würden Bände füllen.

Eine wichtige Erkenntnis kam schon relativ früh: Eigentlich hatten alle Verantwortlichen damit gerechnet, dass das Unterwasserschiff der Peking nach 106 Jahren im Wasser ein Opfer des Rostes geworden sei. Außerdem waren in der Zeit, da die Peking unter dem Namen Arethusa in England als Schulschiff diente, 260 t Beton als Ballast in den Rumpf gepumpt worden. Die Befürchtung der Fachleute war groß, die da nicht wieder zerstörungsfrei herauszubekommen. Und so reifte zunächst der Plan, das gesamte Unterwasserschiff neu zu bauen und nur die über der Wasserlinie liegenden Teile des Schiffes historisch zu belassen.

Unterwasserschiff konnte gerettet werden

Doch der Beton ließ sich dann nach Ankunft in der Werft leichter entfernen als vermutet, und die darunter zutage geförderten Bleche des Unterwasserschiffes zeigten sich in einem erfreulich guten Zustand. Hingegen war der Aufwand zur Erneuerung des stählernen Decks größer als zunächst erwartet. Von den vier Ladeluken des Frachtseglers hatte nur eine die Umbauten zum Schulschiff überlebt. Die drei anderen wurden nach originalen Zeichnungen wieder hergestellt. Probleme machten bei all diesen Arbeiten schadstoffhaltige Schutzanstriche aus den diversen Epochen des Schiffslebens, die aufwendig abgetragen und entsorgt werden mussten.

Blick zurück: Am 31. Juli 2017 lag die Peking im Bauch des Dockschiffes in Brunsbüttel. Der originale Bugspriet musste später durch einen Nachbau ersetzt werden, weil er bei einem Orkan in New York seine Spitze eingebüßt hatte.
Foto: Jens D. Billerbeck

Blick auf den Bug der restaurierten Peking mit dem erneuerten Bugspriet und den vier Originalmasten von 1911.
Foto: Stiftung Hamburg Maritim

Beim Sandstrahlen der Rumpfbleche entdeckten die Arbeiter die Körnermarkierungen des originalen Namensschriftzuges.
Foto: Stiftung Hamburg Maritim

Reisefertig präsentiert sich die Peking am Ausrüstungskai der Peters Werft.
Foto: Stiftung Hamburg Maritim

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Nicht zu retten war der originale Bugspriet, der bei einem Orkan in New York seine vordere Spitze eingebüßt hatte. Ein Nachbau trat an seine Stelle, das Original ist künftig im Hafenmuseum zu besichtigen. Auch die Rahen sind weitestgehend Nachbauten. 16 davon waren schon Anfang der 1970er-Jahre in New York durch wenig vorbildgetreue Teile ersetzt worden und wurden vor der Abreise noch vor Ort verschrottet. Die beiden originalen Rahen des Fockmastes reisten sicher auf dem Deck der Passat verstaut nach Deutschland und dienten als Vorbild für die jetzt installierten Nachbauten.

Schweißen statt Nieten

Waren die Rahen von 1911 noch genietet, wurde jetzt geschweißt. Das gilt auch für die notwendigen Ausbesserungen am Rumpf, wobei Kaiser und seine Kollegen großen Wert darauf legten, die originalen Nietverläufe zumindest erkennbar zu halten. Auch die wechselvolle Geschichte des Schiffes bleibt erlebbar: Zwar wurden die zahlreichen Bullaugen, die das innere der Peking in ihrer Zeit als Schulschiff erhellten, wieder geschlossen, sie bleiben aber in Umrissen sichtbar.

Dass ein Schiff wie die Peking mit weniger als 40 Mann Besatzung gesegelt werden konnte, verdankt sie einer Erfindung des Schotten John Charles Barron Jarvis, den sogenannten Brasswinden. Die Brassen sind Taue, die am Ende der Rahen befestigt sind. Damit können diese in ihrer Stellung der jeweiligen Windrichtung angepasst werden. Mit Jarvis‘ Brasswinden reichten wenige Männer, um mehrere Rahen eines Mastes gleichzeitig zu bewegen. Besucher des künftigen Museums werden diese grünen mechanischen Wunderwerke als aufwendige Nachbauten besichtigen können. Und vielleicht auch in Aktion erleben. Auf der Werft sorgte es jedenfalls nach Fertigstellung der Takellage für großes Aufsehen, als alle Rahen der Peking von einer Endstellung in die andere gefahren wurden.

Schleppfahrt mit Pause

Die morgige Schleppfahrt nach Hamburg beginnt gegen 6:30 Uhr mit der Passage des Störsperrwerks. Gegen 6:50 Uhr soll die Peking die Elbe erreichen. Vorbei an Glückstadt, Krautsand, Bützfleth und Stader Sand wird gegen 10 Uhr Twielenfleth erreicht. Dort gibt es eine gezeitenbedingte Pause bis 15:30. Die weiteren Stationen: Grünendeich 16:00 Uhr, Wedel 16:30 Uhr, Blankenese 17:00 Uhr, Cranz 17:05 Uhr, Nienstedten 17:15 Uhr, Finkenwerder 17:20 Uhr, Oevelgönne 17:30 Uhr, Landungsbrücken 17:45 Uhr, Überseebrücke 17:55 Uhr, Elbphilharmonie 18:00 Uhr und dann die Ankunft im Hafenmuseum Hamburg gegen 19:00 Uhr. Wobei die Zeiten natürlich variieren können, denn ein Großsegler im Schlepp ist kein ICE – und selbst die sollen ja manchmal nicht pünktlich sein.

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