Peking will Abhängigkeit verringern 09. Dez 2019 Von dpa/André Weikard

Handelsstreit: Chinas Behörden verbannen ausländische IT

Im Zuge ihres Handelskrieges verfolgen die USA eine „Entkoppelung“ von China. Auch Peking will seine Abhängigkeit von US-Technologie verringern – und laut einem Zeitungsbericht am liebsten alles austauschen.


Foto: panthermedia.net/shmeljov

Chinas Behörden sollen nach einem Zeitungsbericht innerhalb von drei Jahren auf ausländische Computertechnologie oder Software verzichten. Wie die „Financial Times“ berichtete, sieht eine Anweisung des Generalbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei an Regierungsbehörden und Institute vor, im kommenden Jahr schon 30 % durch heimische Produkte zu ersetzen. Bis 2021 sollen noch einmal 50 % und bis 2022 dann der Rest ausgetauscht werden. Die bereits vor Monaten erlassene vertrauliche Direktive habe wegen des Zeitplans den Namen „3–5–2“ erhalten, schrieb die Zeitung, die sich in dem Bericht auf das Wertpapierhaus China Securities, zwei chinesische Cybersecurityfirmen und die internationalen Denkfabrik Eurasia berief. Es sei die erste Anweisung mit klaren Zeitvorgaben, von ausländischer auf einheimische Technologie zu wechseln.

Reaktion auf US-Boykott gegen Huawei

Das Vorgehen spiegelt amerikanische Bemühungen wider, auf den Einsatz chinesischer Ausrüstung wie zum Beispiel des Telekommunikationsriesen Huawei zu verzichten. Die USA unterstellen dem Konzern mögliche Spionage und drängen auch ihre Verbündeten, beispielsweise beim Ausbau des Telekom-Netzes auf den superschnellen 5G-Standard, auf Netzwerkausrüstung von Huawei zu verzichten. Die beiden größten Volkswirtschaften liefern sich seit mehr als einem Jahr einen erbitterten Handelskrieg. Dabei betreiben die USA auch eine „Entkopplung“ von China, das seinerseits seine Abhängigkeit von US-Technologie reduzieren will. Die Bemühungen wecken Besorgnisse unter anderem in Deutschland und Europa, da es damit in den Lieferketten zunehmend unterschiedliche Standards geben könnte.

Millionen Geräte betroffen

Als Ergebnis der Anweisung des Zentralkomitees müssten in China viele Millionen Geräte ausgetauscht werden, wofür erhebliche Investitionen notwendig wären. Die „3–5–2“-Direktive ist laut „Financial Times“ Teil einer breiteren Kampagne, wonach Regierungsbehörden und Betreiber kritischer Infrastruktur „sichere und kontrollierbare“ Technologie benutzen sollen, wie es auch das Gesetz für Cybersicherheit vorsieht. Ob das „3–5–2“-Vorhaben überhaupt praktikabel und technologisch machbar ist, wird stark angezweifelt. Experten halten es für schwierig, alle Software durch heimische Versionen zu ersetzen, weil Betriebssysteme von Microsoft oder Apple in China weit verbreitet sind und auch heimische, chinesische Software darauf läuft. Zudem werden selbst chinesische Computer wie von Lenovo mit Chips amerikanischer Hersteller oder Festplatten aus Südkorea gebaut.

Alternativen zu Android und Windows

Wegen der US-Blockade gegen Huawei treibt der chinesische Konzern allerdings bereits ein eigenes Betriebssystem für seine Smartphones voran. Es soll Android von Google ersetzen, wenn die US-Regierung die Lieferung an Huawei in Zukunft tatsächlich verbieten sollte. Auch hat Chinas Universität für Verteidigungstechnologie ein Kylin genanntes Betriebssystem für Computer basierend auf Linux entwickelt. Es könnte Windows ersetzen, doch laufen darauf deutlich weniger Programme.

Tags: IT

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