Cloud-Computing 30. Okt 2018, 12:18 Uhr Jens D. Billerbeck

IBM kauft Linux-Experten Red Hat für 34 Mrd. $

IBM kauft Red Hat für 34 Mrd. $. Das ist nicht nur der größte Deal der Firmengeschichte, er soll das IT-Urgestein auch an die Spitze des Marktes für Hybrid-Cloud-Lösungen bringen.

James M. Whitehurst (li.), CEO von Red Hat und Ginni Rometty, CEO von IBM.
Foto: IBM

Alles unter einen Hut: Am Wochenende kündigte IBM an, den Linux-Spezialisten Red Hat übernehmen zu wollen. IBM bietet pro Aktie 190 $, deutlich mehr als der Schlusskurs Red Hats am Freitag vergangener Woche. Damit hat der Deal ein Gesamtvolumen von 34 Mrd. $ und wird die größte Übernahme in der mehr als 100-jährigen Geschichte der IBM sein.

„Die Übernahme von Red Hat ändert den Cloud-Markt total“, sagte IBM-Chefin Ginni Rometty am Sonntag. „IBM wird der Nummer-eins-Anbieter weltweit für Hybrid-Cloud-Lösungen.“ Hybrid, weil Software hier sowohl in Cloud-Rechenzentren als auch in firmeneigenen Servern betrieben wird.

Red-Hat-Chef Jim Whitehurst schrieb in einem Blogbeitrag an die Mitarbeiter: „Unterstützt von IBM, können wir alles das dramatisch beschleunigen und ausbauen, was wir bisher getan haben.“ Als Whitehurst 2008 bei der Linux-Firma anheuerte, war gerade die 500-Mio.-$-Schwelle beim Umsatz geknackt worden. Damit war Red Hat das erste Unternehmen der Open-Source-Bewegung, das diese Marke erreichte. Heute, so Whitehurst, habe man mit 12 500 Mitarbeitern ein Produktportfolio, das von Hybrid-Cloud-Infrastruktur über Cloud-native Apps bis hin zu Management- und Automatisierungssoftware reiche.

Open-Source-Pionier IBM

IBM ist schon früh auf den Open-Source-Zug aufgesprungen. Bereits Ende der 1990er-Jahre setzte Big Blue verstärkt auf Linux als quelloffenes Betriebssystem und erregte damit seinerzeit viel Aufsehen. Die 1 Mrd. $, die in die Entwicklung von Open-Source-Lösungen gesteckt wurden, erschienen vielen Beobachtern seinerzeit als riskantes Investment. Doch nur wenig später konnte bereits die erste Umsatz­milliarde mit Linux und Open ­Source vermeldet werden.

Seitdem ist Linux eine feste Größe im Portfolio des IT-Urgesteins. Auch mit Red Hat verbindet IBM eine bereits 20 Jahre andauernde Partnerschaft. Daraus, so IBM, seien etliche Lösungen hervorgegangen, die einen wichtigen Anteil am derzeit 19 Mrd. $ schweren Hybrid-Cloud-Geschäft von IBM haben.

Radikaler Umbau

Der angekündigte Megadeal ist vorerst der letzte Schritt des radikalen Umbaus, den Rometty der IBM seit ihrem Antritt als Chefin 2012 verordnete. In den folgenden Jahren ließ sie konsequent wenig profitable, alte Geschäftsbereiche schrumpfen und setzte dafür stärker auf Themen wie künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Der Umbau sorgte sechs Jahre lang für sinkende Umsätze. Doch zuletzt schien Romettys Sanierungskurs Früchte zu tragen, als IBM drei Quartale in Folge Umsatzwachstum verzeichnete. Doch im letzten Quartal gab es wieder sinkende Erlöse, das setzte auch die Aktie unter Druck.

Mit dem Kauf von Red Hat will IBM einen neuen Befreiungsschlag wagen. Der etablierte Firmenname soll auch unter dem IBM-Dach erhalten bleiben, alle Mitarbeiter werden übernommen und Chef Whitehurst bleibt an Bord. Wenn Aktionäre und Kartellbehörden zustimmen, soll der Kauf in der zweiten Hälfte 2019 abgeschlossen werden.

In der Geschichte der US-IT-Industrie waren nur zwei Deals größer: 2016 fusionierten für 67 Mrd. $ der Computerhersteller Dell und der Speicherspezialist EMC. Im Jahr 2000 schluckte das Netzwerkunternehmen JDS für 41 Mrd. $ den Bauelementespezialisten SDL.

 

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