Schwarzmarkt FKW: Gefahr für Klima und Gesundheit 02. Mrz 2020 Von Bettina Reckter

Illegale Kältemittel durch die Hintertür in die EU

FKW werden als Kältemittel in Klima- und Kühlanlagen eingesetzt. Wegen ihres Potenzials zur Erderwärmung unterliegen sie strengen Regelungen. Nun aber gelangt immer mehr Material auf den Schwarzmarkt – mit katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt.

Reparatur einer industriellen Klimaanlage.
Foto: panthermedia.net/lisafx

Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) haben einen extrem niedrigen Siedepunkt und werden deshalb als Kältemittel eingesetzt. Allerdings sind sie klimaschädlich, weshalb sie in der europäischen F-Gase-Verordnung streng geregelt werden. Diese ist kein Verbot, sie regelt vielmehr einen verantwortungsvollen Umgang mit den gefährlichen Chemikalien mit dem Ziel einer schrittweisen Reduktion bis 2030 um 79 % der FKW im Vergleich zu 2015. Doch nun kommen Substanzen in Umlauf, die die Klimaschutzbemühungen der EU zunichtemachen.

Lkw verschwinden einfach auf den Transitstrecken

„Das Material wird hauptsächlich in China produziert und dann entweder direkt nach Europa verschifft oder es gelangt durch die Hintertür beispielsweise über die Türkei in die EU“, sagt Tim Vink von Honeywell, stellvertretender Vorsitzender des Europäischen Technischen Ausschusses für Fluorkohlenwasserstoffe (EFCTC), im Gespräch mit VDI nachrichten. „Es kann aber auch sein, dass jemand einfach mehr importiert, als ihm von den zuständigen Behörden genehmigt wurde.“ Außerdem ist es möglich, dass ein Lkw auf Transitstrecken etwa in die Ukraine oder andere Nicht-EU-Staaten unterwegs einfach von der Bildfläche verschwindet und dann seine Ladung plötzlich irgendwo in der EU auftaucht – natürlich nicht genehmigt.

Damit wird auch die europäische Gesetzgebung unterlaufen. Denn die die F-Gase-Verordnung der EU schränkt die Menge an FKW-haltigen Kältemitteln ein, die insgesamt auf den Markt gelangen darf. Bis 2030 sollen die klimaschädlichen Substanzen schrittweise reduziert werden. Wenn jetzt also mehr FKW auf den Markt kommt, dann können die Klimaziele nicht eingehalten werden.

Deutsche Hersteller und Händler registrierten die Machenschaften

Hersteller und Händler in Deutschland, etwa die Westfalen AG in Münster, TEGA in Würzburg oder Arthur Friedrichs Kältemittel GmbH in Seevetal bei Hamburg, hatten bereits beklagt, dass ihre Verkaufsmengen signifikant sinken. Sie meldeten das umgehend bei der EU-Kommission. Die eingeschaltete Ermittlungsstelle, das europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) , fand daraufhin dubiose Angebote, die im Internet kursierten.

Der EFCTC hat daraufhin ein privates Untersuchungsbüro beauftragt Material zu kaufen. Dieses fand in chemischen Analysen heraus, dass das Kältemittel aus chinesischer Produktion stammte. „Auffallend dabei war auch, dass die Gase auch in Einwegbehältern auf den Markt kamen“, erklärt Vink. Das ist in Europa längst verboten. Ein Zeichen also, dass sich da jemand nicht an die Regeln hielt. Zudem ist solches Material auch schon konfisziert worden – vor zwei Wochen in Italien waren es immerhin 20 t. „Wenn man bedenkt, dass die größte Kühlanlage im Supermarkt maximal 100 kg bis 200 kg benötigt und eine Pkw-Klimaanlage nur 700 g, dann ist das schon sehr viel“, meint Vink.

Etwa 20 % bis 30 % des europäischen Kältemittelmarkts betroffen

Die Mengen, um die es jetzt geht, können nur geschätzt werden. „Anhand der Exportstatistiken der Chinesen haben wir hochgerechnet, dass es zwischen 20 % und 30 % des europäischen Kältemittelmarktes sein könnten“, sagt der EFCTC-Experte. Konservativere Schätzungen der Environmental Investigation Agency, einer gemeinnützigen Umweltorganisation, gehen immerhin noch von 10 % bis 20 % aus.

Es könnte sein, dass die illegalen Gase sogar klimaschädlicher als die üblicherweise verwendeten sind. Zwar ergaben erste Tests, dass sich die Schwarzmarktware wohl ähnlich wie die legalen Substanzen verhält. Aber die Gefahr bestehe, dass Produkte wegen des Zolls absichtlich falsch deklariert wurden, sagt Vink. „Dann besteht sogar Lebensgefahr für die Mitarbeiter, denn die Gase können giftig oder entzündlich sein.“

Europäischer Chemieverband warnt vor dem Kauf illegaler Ware

Der EFCTC ist Teil des europäischen Chemieverbands Cefic. Vinks Sorge gilt daher den Mitgliedsunternehmen, die sich durch den Kauf illegaler Ware selbst strafbar machen könnten: „Wir raten vom Kauf im Internet dringend ab.“ Zuverlässige Hersteller und Händler im Kältebereich seien bekannt. Außerdem würden Gase normalerweise in Zylindern mit Pfandsystem transportiert. „Verdächtig ist es also, wenn cash und in Einwegbehältern geliefert wird.

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