Mehr als nur Bitcoin 19. Sep 2019 Jens D. Billerbeck

Blockchain: Bundesregierung verabschiedet Strategie

Das Bundeskabinett hat gestern seine Blockchain-Strategie verabschiedet. Damit sollen in Deutschland Innovationen auf Basis dieser Technologie, die auch hinter der Kryptowährung Bitcoin steckt, angestoßen und unterstützt werden.


Foto: panthermedia.net/perig76

Populärste – aber bei Weitem nicht einzige – Realisierung der Blockchain-Technologie in der Praxis ist die Kryptowährung Bitcoin. Sie hat das Thema in den vergangenen Jahren populär gemacht. Doch was ist eigentlich die Blockchain? Allgemein – und so versteht es auch die Bundesregierung – handelt es sich um eine sogenannte „Distributed-Ledger-Technologie“. Also dezentral in Datenbanken geführte Register oder Kontobücher, bei denen Werte direkt zwischen den Teilnehmern ausgetauscht werden können.

Die Verifizierung solcher Transaktionen erfolgt dabei nicht durch eine zentrale Instanz wie eine Bank, sondern durch unter den Teilnehmern vereinbarte dezentrale Prozesse. Gespeichert wird das Ganze dann in Blöcken, die miteinander verkettet sind. So haben alle Teilnehmer jederzeit Zugriff auf alle Transaktionen und deren Historie. Das macht das System – zumindest in der Theorie – fälschungs- und missbrauchssicher. Allerdings gibt es auch Kritik, denn die Rechenprozesse zur Verifizierung können – wie im Falle Bitcoin – sehr viel Energie verbrauchen.

Digitalisierung der Energiewende vorantreiben

„Die Potenziale der noch jungen Blockchain-Technologie sind hoch“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei der Vorstellung der Blockchain-Strategie. Er ist überzeugt: „Deutschland ist dabei weltweit unter den führenden Standorten. Wir wollen dazu beitragen, diesen Vorsprung zu halten und auszubauen.“ Ein Fokus liege dabei im Energiebereich. Hier könne Deutschland doppelt punkten, wenn in Pilotprojekten die Chancen der Blockchain-Technologie genutzt würden und das gleichzeitig die Digitalisierung der Energiewende vorantreibe.

Blockchains können z. B. die Grundlage für automatisierte Vertragsabwicklungen zwischen Partnern in der Energiewirtschaft, aber auch in anderen Bereichen der Industrie sein. „Wir wollen vorne mit dabei sein und Deutschland als einen führenden Technologiestandort weiter stärken“, sagte denn auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz als zweiter, federführend an der Strategie beteiligter Minister.

Scholz: „Die Blockchain-Technologie ist ein Baustein für das Internet der Zukunft. Gleichzeitig müssen wir die Verbraucher und die staatliche Souveränität schützen.“ Ein Kernelement der staatlichen Souveränität sei die Herausgabe einer Währung. „Wir werden sie nicht Privatunternehmen überlassen“, sagte er mit Blick auf Pläne u. a von Facebook, eigene Kryptowährungen zu etablieren.

Investitionen stimulieren

Maßnahmen in fünf Aktionsfeldern formuliert die Strategie: Sie will Stabilität sichern und Innovationen vor allem im Finanzsektor stimulieren. Sie will durch Förderung von Projekten und Reallaboren Innovationen reifen lassen und sie will mit klaren, verlässlichen Rahmenbedingungen Investitionen stimulieren. Darüber hinaus will die Bundesregierung die Technologie anwenden und künftig verstärkt digitale Verwaltungsdienstleistungen anbieten sowie Vernetzung und Zusammenarbeit fördern, um das Wissen um die Blockchain zu verbreitern.

„Die Initiative kann der noch jungen Technologie den nötigen Schub verleihen. Deutschland bietet sich die Chance, eine weltweite Vorreiterrolle beim Einsatz und bei der Entwicklung der Blockchain einzunehmen“, lobt Achim Berg, Präsdient des IT-Branchenverbands Bitkom, die Strategie. „Die Blockchain hat das Potenzial, bisher gängige Verfahren völlig auf den Kopf zu stellen und ganze Branchen grundlegend zu verändern.“ Es gelte jetzt, die in der Blockchain-Strategie angekündigten Maßnahmen rasch umzusetzen, mahnt er.

Staat soll Vorreiterrolle einnehmen

Berg meint, der Staat selbst könne beim Thema Blockchain eine Vorreiterrolle einnehmen. So möchte die Bundesregierung z. B. die Blockchain-basierte Verifikation von Hochschulzertifikaten fördern. „Um das nötige Tempo bei der Blockchain-Technologie zu erreichen, schlagen wir darüber hinaus ganz konkrete, schnell umsetzbare Projekte in der öffentlichen Verwaltung mit Leuchtturmwirkung vor“, so Berg. Zudem müssten mehr finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um Grundlagenforschung und konkrete Forschungsprojekte zur Blockchain-Technologie voranzutreiben oder Blockchain-Professuren an den Hochschulen zu schaffen.

Kritik äußert der Bitkom an der konkreten Formulierung der Strategie. Zu häufig tauchten Begriffe wie „prüfen“, „untersuchen“ oder „evaluieren“ bei den vorgesehenen Maßnahmen auf. „Bei einer jungen Technologie wie Blockchain ist Zeit ein entscheidender Faktor“, mahnt Berg. „Wir dürfen uns nicht mehr lange beim Prüfen und Untersuchen aufhalten, sondern müssen so schnell wie möglich Know-how aufbauen und vertiefen – und dann in neue Produkte und Lösungen übersetzen.“

Wirtschaft hat Nachholbedarf

Denn es gibt gewaltigen Nachholbedarf, gerade in der Wirtschaft. Nicht einmal jedes zwölfte Unternehmen ab 50 Mitarbeitern (8 %) diskutiert laut einer Bitkom-Studie zumindest über den Einsatz von Blockchain-Technologie. Hauptgrund für diese Zurückhaltung ist die fehlende Expertise im Umgang mit möglichen Anwendungen. An dieser Stelle setzt der Leitfaden „Evaluierung und Implementierung von Blockchain Use Cases“ des Bitkom an. Er will den Unternehmen eine Checkliste an die Hand geben, mit der sich prüfen lasse, ob die Blockchain-Technologie geeignet ist, ein konkretes unternehmerisches Problem zu lösen.

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