Informationstechnik 15. Jan 2016 Ariane Rüdiger

Den Wert der Daten konkret erfassen

Die Datenanalyse und Know-How Beschaffung wird in Zeiten der Digitalisierung immer wichtiger!
Foto: panthermedia.net/AndreyPopov

Neuartige Technologien für die Datenanalyse breiten sich in den Unternehmen aus. So gaben 56 % der 291 Teilnehmer in einer vom Marktforschungsinstitut Deloitte durchgeführten Umfrage an, die Nutzung von Datenanalysen habe bei ihnen zugenommen. Eine Befragung des Marktforschungsunternehmens Barc mit 559 Teilnehmern erbrachte ähnliche Ergebnisse: Datenanalysen spielen in mehr als 60 % der befragten Unternehmen eine wichtige Rolle für Entscheidungen. 39 % der befragten Unternehmen betreiben Big-Data-Projekte, besonders in der IT, im Handel und Finanzsektor.

Besonders datenaffin sind laut Deloitte die Abteilungen Finanzwesen (45 %), IT (31 %), Marketing und Einkauf (29 % bzw. 28 %). Das Marktforschungsunternehmen Gartner sieht die wichtigsten Einsatzfelder überall da, wo Kundendaten anfallen, in der Produktentwicklung und der strategischen bzw. Finanzplanung.

Datenanalysen sollen vor allem zu fundierten Entscheidungen führen. Das scheint zu funktionieren: Die Teilnehmer der Barc-Studie trafen zu 69 % bessere strategische Entscheidungen und können operative Prozesse besser steuern (54 %): Im Durchschnitt stieg der Umsatz datengetrieben um 13 %, die Kosten sanken um 16 %, wobei aber nur rund 30 der Barc-Studienteilnehmer Angaben zu diesem Thema machten.

Bisher haben die Unternehmen laut Deloitte vor allem in Hard- und Softwareinfrastrukturen investiert. Nun rückte die Know-how-Beschaffung in den Vordergrund: Investiert werden soll in die Weiterbildung von Mitarbeitern zu Datenanalysten, in das Recruiting und den Einkauf externer Datenanalyse-Services.

Mit dem Umstieg auf neue Analysemethoden haben es die Anwender aber offensichtlich nicht eilig. So verwenden sie laut Barc zur Datenanalyse meist noch Standardwerkzeuge aus relationale Datenbanken oder der Business Intelligence (BI). Predictive-Analytics-Software nutzen 31 % der Befragten. Andere Tools wie spezialisierte Big-Data-Appliances liegen allesamt unter 20 % Verbreitung. Auch die Planungen lassen nicht auf eine schnelle Durchdringung der Unternehmen mit neuen Technologien schließen. Das ist wenig verwunderlich, denn die von Barc Befragten untersuchen in erster Linie Daten aus Transaktionssystemen oder Logdaten von IT-Systemen.

Der Aussage, dass Datenanalysen einen klaren Wettbewerbsvorteil bedeuten, mochten nur 31 % der Deloitte-Studienteilnehmer zustimmen. 43 % der Barc-Studienteilnehmer konnten allerdings mit Big Data neue Produktideen und Dienstleistungen und 38 % neue Geschäftsmodelle entwickeln. Gleichwohl monierten hier 38 % fehlende Einsatzszenarien und die Kosten als Hemmfaktor. Nur 20 % der von Deloitte Befragten erwarten, dass aus Big Data/Data Analytics unmittelbar neue Umsatzquellen entstehen.

Dieser Situation könnte das Konzept der „Infonomics“ entgegenwirken, über das Gartner-Analystin Debra Logan auf dem Gartner-BI-Summit in München referierte. Firmen mit datengetriebenen Geschäftsmodellen würden, so Logan, von der Börse mehrfach höher bewertet als andere.

Für die Bewertung des Informationskapitals in Geld stellte die Analystin gleich mehrere mögliche Berechnungswege vor. Da ist laut Logan zunächst der intrinsische Wert der Daten – eine Funktion von Zugänglichkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit und Seltenheit. Daneben steht der Wert der Daten für das laufende Geschäft oder für die schnellere Realisierung von Geschäftszielen. Aber auch die Kosten einer auswärtigen Beschaffung oder Wiederbeschaffung von Daten und schließlich der erzielbare Verkaufspreis von Daten am Markt.

Eine solche monetäre Bewertung des Datenkapitals dürfte laut Logan die Investitionsbereitschaft des Topmanagements in Datentechnologien fördern. Sollte allerdings der finanzielle Wert von Daten, berechnet mit soliden, standardisierten Methoden, ein Bestandteil des aktiven oder passiven Firmenkapitals werden, würde dies auch die steuerliche Bewertung der betreffenden Unternehmen beeinflussen. Das ist wohl nicht die Vision von Google oder Facebook.

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