Gegenläufige Effekte im 1. Quartal 2020 21. Apr 2020 Von Jens D. Billerbeck

PC-Markt: Nachfrage wächst, aber Lieferungen sinken

Eine wachsende Nachfrage nach PCs im 1. Quartal 2020 wurde vor allem von den Lockdownmaßnahmen in der Coronakrise getrieben: Homeoffice und digitales Lernen sind Trumpf. Doch gleichzeitig beeinflusst Cronona die Lieferketten und so sanken die gelieferten PC-Stückzahlen.


Foto: panthermedia.net/SIphotography

Im 1. Quartal 2020 lieferten die Anbieter weltweit 53,7 Mio. Desktops, Notebooks und Workstations aus. Das gab das Marktforschungsunternehmen Canalys jetzt bekannt. Trotz wachsender Nachfrage ist dies ein Rückgang um 8 % gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Die PC-Industrie hat vom globalen Corona-Lockdown profitiert. Ihre Produkte fanden im 1. Quartal reißenden Absatz“, kommentiert Rushabh Doshi, Research Director bei Canalys. „Aber die Hersteller starteten das Jahr auch mit Lieferproblemen bei Intel-Prozessoren wegen des Übergangs zu kleineren Strukturen.“ Dieser Effekt sei durch die unterbrochenen Lieferketten durch den Lockdown in China noch verstärkt worden.

„Nachlassende Lieferungen trafen auf verstärkte Nachfrage“, analysiert Doshi. Da Unternehmen durch das Virus gezwungen waren, Tausende Arbeitsplätze fit für das Homeoffice zu machen, kamen dringende Orders über mehrere Zehntausend PC-Systeme herein. Gleichzeitig wuchs auch der private Bedarf, als Schulen und Universitäten rund um den Globus schließen mussten und auf digitale Lernangebote umschwenkten. „Der dringende Bedarf aus Industrie und Privathaushalten und die angespannte Liefersituation führten dazu, das nicht mehr der Preis das wichtigste Kaufargument war, sondern die schnelle Lieferfähigkeit.

Lenovo bleibt weiter die Nummer eins

Dabei zeigte sich das Feld der führenden Anbieter stabil: Gemäß den Canalys-Zahlen rangiert Lenovo mit 12,8 Mio. ausgelieferten PCs im 1. Quartal auf Rang eins. HP kam mit 11,7 Mio. Stück als Zweiter durchs Ziel und Dell folgte mit 10,5 Mio. Stück. Am härtesten traf es Apple: Dessen Lieferungen fielen um mehr als 20 % auf 3,2 Mio. PCs. Auf Platz fünf liegt Acer mit rund 3,2 Mio. gelieferten PCs. Dell war übrigens der einzige Anbieter, der im Jahresvergeich zulegen konnte – um knappe 1,1 %.

Die Auguren von Canalys prognostizieren den PC-Herstellern über die nächsten Wochen gesunde Erträge und Rekordmargen. Eine Beobachtung, die die Marktforscher auch bei anderen Produkten der Konsumelektronik sehen: Kopfhörer, Webcams, Drucker und Monitore erfreuten sich ebenfalls großer Popularität bei den Kunden. Das Gleiche gilt für Software rund um Homeoffice und -learning. Auch AMD als Wettbewerber des Prozessormarktführers Intel werde als Alternative zunehmend beliebter.

Der Boom ist nicht nachhaltig

Doch nachhaltig ist dieser Markteffekt nicht. So weist Canalys-Analyst Ishan Dutt darauf hin, dass zwar die Produktionslimitierungen in China zunehmend zurückgingen. „Doch so ein Sprung in der Nachfrage wie im 1. Quartal wird nicht für den Rest des Jahres anhalten.“ Immer weniger Firmen würden in die Ausstattung ihrer Bürogebäude investieren, und im Privatbereich seien die meisten Investitionen getätigt.

„Eine globale Rezession hat begonnen. Viele Firmen werden Insolvenz anmelden und Millionen Menschen arbeitslos werden.“ Selbst Regierungen und Großkonzerne müssten künftig ihre Investitionen streng priorisieren. Dutt: „Viele Bereiche der Hightechindustrie haben von der Ausnahmesituation zu Jahresbeginn profitiert, aber schon im 2. Quartal sehen wir einen deutlichen Rückgang bei der Nachfrage. Eine besondere Herausforderung für die Hersteller sieht Dutt angesichts der erkennbaren Erholung der Situation in China darin, die globalen Lieferketten und die schwankende Nachfrage über die nächsten Monate hin auszubalancieren.

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