Neue Dimension für den politischen Raum 19. Feb 2020 Von Jens D. Billerbeck Lesezeit: ca. 2 Minuten

Schnelles Internet hilft populistischen Parteien

Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Ausbau der Breitbandkommunikation und dem Erfolg von Parteien wie der AfD und der Fünf-Sterne-Bewegung in Italien.


Foto: panthermedia.net / peus

Die zunehmende Verfügbarkeit von schnellen Internetverbindungen und die Wahlerfolge von populistischen Parteien hängen eng zusammen. Max Schaub, Forscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), und sein Kollege Davide Morisi vom Collegio Carlo Alberto in Turin zeigten dies in einer Studie über die AfD in Deutschland und die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien.

Ihre Forschungsergebnisse machen deutlich, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Ausbau der Breitbandkommunikation und dem Erfolg der beiden Parteien besteht. Neben anderen Faktoren helfen schnelles Internet, ein leichterer Zugang zu sozialen Medien und die damit verbundenen geschlossenen Echokammern den beiden populistischen Parteien maßgeblich, neue Wählerinnen und Wähler zu erreichen und zu mobilisieren, vor allem junge Leute.

Onlinemedien kommen Populisten entgegen

Schaub und Morisi konnten nachweisen, dass in Gegenden in Deutschland und Italien, die vor 2017 eingeschränkten Zugang zum schnellen Internet hatten, auch weniger Menschen bei landesweiten und regionalen Wahlen die AfD bzw. die Fünf-Sterne-Bewegung unterstützten. Die Nutzung von Onlinemedien komme den populistischen Parteien entgegen, da sie dort ihren Kommunikationsstil der direkten Ansprache mit einfachen Botschaften pflegen können. Außerdem berichten die klassischen Medien u. a. wegen der Elitenkritik und migrationsfeindlichen Äußerungen der beiden populistischen Parteien häufig kritisch über diese.

Die etablierten Parteien konnten hingegen vom Ausbau des schnellen Internets nicht in gleichem Maße profitieren, weil ihre Positionen meist hinreichend von den klassischen Medien abgedeckt werden und sie außerdem nicht für sich in Anspruch nehmen, „direkt zum Volk“ zu sprechen, wie das populistische Parteien tun.

Gleicher Effekt für Populisten von Links und Rechts

WZB-Forscher Schaub sagt: „Es ist interessant, dass wir diesen Effekt in unserer Studie sowohl für eher links- wie für rechtsgerichtete Populisten nachweisen konnten.“ Der Forscher erklärt dies mit der Tatsache, dass sowohl AfD als auch Fünf-Sterne-Bewegung hauptsächlich außerhalb der klassischen Medienlandschaft agieren. „Wir vermuten daher, dass es in Ländern wie Österreich oder den Niederlanden, wo populistische Parteien schon länger etabliert sind, keinen vergleichbaren kausalen Effekt gibt“, so Schaub weiter. Die populistischen Parteien würden dort auch in den klassischen Medien Gehör für ihre Botschaften finden. Es bedürfe aber weiterer Studien, um diese Vermutung zu überprüfen.

Beide Forscher betonen: Mit dem Internet hat der politische Raum eine weitere Dimension gewonnen, der es neuen politischen Akteuren ermöglicht, sich abseits der klassischen Medien zu etablieren und an Stärke zu gewinnen. Diese strukturelle Veränderung ist ein bleibendes Phänomen.

Die beiden Sozialwissenschaftler analysierten für Deutschland Daten des TÜV Rheinland und der German Longitudinal Election Study (Gles), für Italien Daten der Infratel und der Italian National Election Studies (Itanes). Die Studie ist unter dem Titel „Voter mobilization in the echo chamber: Broadband internet and the rise of populism in Europe“ im European Journal of Political Research erschienen.

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