Halbleitermarkt stürzte 2019 ab 07. Apr 2020 Von Jens D. Billerbeck

Intel und Sony trotzen Marktturbulenzen

Für den weltweiten Halbleitermarkt bedeutete das Jahr 2019 den größten Absturz seit zwei Jahrzehnten. Nur wenige Unternehmen konnten sich gegen den Trend stemmen. Darunter Intel und Sony.


Foto: Jens D. Billerbeck

Vom Absturz des Halbleitermarkts im vergangenen Jahr waren praktisch alle Anwendungsbereiche und alle Regionen betroffen. Nach den Zahlen des Marktforschungsunternehmens Omdia, zu dem seit August 2019 auch die Technologiebereiche des Marktforschers IHS Markit gehören, betrug der Rückgang der weltweiten Verkäufe mit Chips 11,7 %. Damit sank der Umsatz der Unternehmen um 56,6 Mrd. $ auf insgesamt 428,5 Mrd. $. Den Auguren zufolge hat es seit 2001 keinen vergleichbaren Absturz gegeben, selbst in der Finanzkrise 2009 betrug der Rückgang nur 10,9 %.

Handelsstreitigkeiten und Preisverfall

Zu den Gründen des Rückgangs werden neben den Verwerfungen im Welthandel durch diverse Konflikte vor allem zyklische Effekte des Halbleitermarkts gezählt, die im ersten Halbjahr 2019 zu fallenden Preisen, z. B. in Folge von Überkapazitäten, führten. John Neuffer, Präsident der Semiconductor Industry Association (SIA): „Der globale Markt hat sich dann in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas erholt und wir erwarten 2020 einen moderaten Zuwachs.“ Zugleich mahnt er einen freien Welthandel und ungehinderten Zugriff auf die Märkte an, um das Wachstum zu stabilisieren.

Besonders betroffen waren laut Omdia jene Hersteller, die stark bei den Speicherchips engagiert sind. Samsung musste 29,7 % Umsatzeinbußen verkraften, SK Hynix 36,9 % und der US-Anbieter Micron 32,8 %. Im Bereich der Top-Ten-Anbieter waren das mit Abstand die größten Verlierer, mit einem Umsatzpuls konnten hier nur Intel (1,3 %) und Broadcom (5,2 %) abschließen.

Intel führt wieder vor Samsung

Damit hat es Intel aber nach etlichen Jahren wieder an die Spitze der Top Ten geschafft mit einem Weltmarktanteil von 16,5 % vor dem zweitplatzierten Samsung mit 12,3 %. Auf den folgenden Plätzen hat sich nichts geändert: Die Plätze drei bis sieben belegen SK Hynix, Micron Technologies, Broadcom, Qualcomm und Texas Instruments. Auf Platz acht hat sich der europäische Anbieter STMicroelectronics hochgearbeitet (von Platz zehn), Platz neun hält Grafikspezialist Nvidia und auf Platz zehn (aufgestiegen von Rang elf) steht jetzt Infineon.

Beim Marktforschungsunternehmen Gartner sehen die Zahlen im Detail zwar etwas anders aus, der grundsätzliche Trend ist aber identisch. Lediglich das Schlussfeld der Top Ten sieht bei Gartner anders aus: Auf Platz neun steht hier Kioxia, die ehemalige Speichersparte von To­shiba und auf Platz zehn der Europäer NXP. Aber auch Gartner sieht Intel wieder auf Platz eins.

Diversifizierung als Erfolgsrezept

„Intels Performance im Jahr 2019 bedeutet einen Triumph für das diversifizierte Geschäftsmodell des Konzerns“, kommentiert Ron Ellwanger, Senior Analyst für den Halbleitersektor bei Omdia. „Vor fünf Jahren hat man bei Intel begonnen, seine Strategie auf verschiedene kritische Produktbereiche und Märkte zu fokussieren. Das hat sich jetzt bezahlt gemacht, weil man nicht von wenigen Marktsegmenten abhängig war. Das hat den Einfluss des massiven Marktrückgangs abgefedert.“

Das einstige Kernsegment bei Intel, die Mikroprozessoren, zeigten 2019 kein Wachstum, was für die Auguren den Erfolg der anderen Marktsegmente unterstreicht. Heute hat Intel sein Geschäft in fünf Produktbereiche aufgeteilt: Data Center, Internet of Things inklusive des autonomen Fahrens, 3D-Nand-Flash-Speicher, programmierbare Logik und PCs. Laut Omdia konnten vier dieser Bereiche signifikantes Wachstum verzeichnen.

Die Data Center Group, die für 33 % des Konzernumsatzes steht, konnte solide 2,1 % Zuwachs verzeichnen, die Internet of Things Group stattliche 10,6 % – allerdings steht sie nur für 5 % des Konzernumsatzes. Die Mobil­eye-Abteilung, die den Markt für autonomes Fahren bedient, verzeichnete sogar einen Umsatzanstieg von 25,9 %.

Sony rückt um vier Plätze vor

Ein anderes Unternehmen, dass 2019 für Überraschungen sorgte, war Sony. 2018 noch auf Rang 17, konnten sich die Japaner mit einem Zuwachs um 30,9 % im Jahr 2019 auf Rang 13 katapultieren. „Sonys Ergebnis baut auf seiner führenden Position bei Cmos-Bildsensoren, die in Kameras und vielen weiteren Produkten wie Smartphones eingesetzt werden“, kommentiert Ellwanger. „Da Smartphones zunehmend mehr als eine Kamera enthalten, wächst der Bedarf für solche Chips gewaltig.“

Smartphone-Modelle mit drei Kameras wurden im letzten Quartal 2019 zu den beliebtesten Produkten. Mittlerweile stehen sie für 31 % des weltweiten Smartphone-Markts. Das hat dem Markt für Kamerachips laut Omdia einen kräftigen Impuls gegeben; die Cmos-Sensoren konnten 2019 um 22,9 % zulegen.

Speicher und Mobilfunkchips stürzten ab

Gebeutelt hat es dagegen den Speichersektor: Insgesamt gingen die Umsätze hier um 31,6 % zurück. Die Drams für den Arbeitsspeicher von PCs und Servern fielen sogar um 37,2 %, während die Flash-Speicher lediglich um 24,5 % abstürzten. Auch der Markt der Chips für die drahtlose Kommunikation verzeichnete ein Minus von 13,3 %. Die Auguren führen das darauf zurück, dass viele Konsumenten mit dem Kauf neuer Smartphones warten, bis die 5G-Mobilfunknetze ausgebaut sind.

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