Studie: D21-Digital-Index zeigt weiter digitale Spaltung der Gesellschaft 26. Feb 2021 Von Claudia Burger

Junge und gut Gebildete sehen Digitalisierung positiv

Die Nutzung digitaler Anwendungen und Dienste stieg im durch Corona geprägten Jahr 2020 deutlich an – sowohl im Privaten als auch im Berufsleben, dort insbesondere bei Bürotätigkeiten. Der Digital-Index der D21-Initiative stieg um zwei Punkte auf 60. Der Digitalisierungsgrad liegt also im Mittelfeld.


Foto: PantherMedia / Andriy Popov

Im Corona-Jahr 2020 verschoben sich viele private und berufliche Aktivitäten in den digitalen Raum. Die deutsche Gesellschaft ist digitaler als je zuvor – doch nicht alle profitieren gleichermaßen. Die Studie D21-Digital-Index misst jährlich, wie stark die deutsche Gesellschaft den digitalen Wandel adaptiert. Der dafür erhobene Digital-Index liegt aktuell bei 60 von 100 Punkten (plus zwei Punkte im Vergleich zum Vorjahr). Der Indexwert errechnet sich anhand von Fragen zu den Bereichen Zugang zur Digitalisierung, Nutzungsverhalten, digitale Kompetenz und Offenheit gegenüber Digitalthemen. Der D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Besonders stark stieg laut Index die Nutzung von Streamingdiensten (plus zwölf Prozentpunkte), digitalen Lernangeboten (plus elf Prozentpunkte) und von Sprachassistenten an (plus elf Prozentpunkte). Der Anteil der Menschen, die im Homeoffice arbeiteten, verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 32 % (59 % bei Bürojobs). „Digitale Lösungen haben in der Corona-Pandemie einen enormen Auftrieb erhalten und tragen aktuell dazu bei, einige Folgen der Krise abzumildern. Das müssen wir als wichtige Lehre aus der Krise mitnehmen und Digitalisierung entschieden vorantreiben. Investitionen in die Digitalisierung und der Erwerb digitaler Kompetenzen müssen dabei Hand in Hand gehen – mit Blick auf Unternehmen und ihre Beschäftigten ebenso wie mit Blick auf Schulen und die Schülerinnen und Schüler. Der D21-Digital-Index schlüsselt die Entwicklung in ihrer Vielfalt auf und ist für uns ein wichtiges jährliches Lagebild und eine Orientierung für politische Entscheidungen“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier angesichts der Ergebnisse.

Unter den Berufstätigen glauben 66 % von der Digitalisierung zu profitieren

Die Generation 14 bis 29 Jahre weist mit 73 Indexpunkten einen hohen Digitalisierungswert auf, die Generation der über 70-Jährigen hat dagegen nur einen Index von 36. Nichtberufstätige verfügen mit 48 Indexpunkten über einen deutlich niedrigeren Wert als Berufstätige mit einem Index von 69. Formal niedrig Gebildete (42) und Menschen mit Nettoeinkommen unter 2000 € (46) liegen ebenfalls unter dem Bundesdurchschnitt von 60. Besonders die Jungen und gut Gebildeten fühlen sich als Gewinnerinnen und Gewinner der Digitalisierung: So profitieren nach eigenen Angaben 79 % der 20- bis 29-Jährigen von der Digitalisierung, knapp die Hälfte (49 %) der 60- bis 69-Jährigen, aber nur noch 22 % der über 70-Jährigen. Drei Viertel der höher Gebildeten sehen sich als Profiteurinnen und Profiteure (74 %), von den Menschen mit mittlerer Bildung etwa die Hälfte (53 %) und von den formal niedrig Gebildeten nur noch ein Drittel (32 %). Unter den Berufstätigen glauben 66 % von der Digitalisierung zu profitieren (Berufstätige mit Bürotätigkeit: 78 %), von den Nichtberufstätigen sind es 41 %. „Einige Gruppen profitieren stark von der Digitalisierung, andere noch nicht. Dieser digitalen Spaltung müssen wir entgegenwirken“, sagt Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21. „Als Technologienation werden wir zukünftig noch stärker auf Digitalisierung setzen und sie wird weiter an Geschwindigkeit gewinnen – sei es in der Arbeitswelt, im Gesundheitswesen oder im Alltag.“ Dafür brauche Deutschland dringend eine Digitale-Kompetenz-Agenda, sowohl für den beruflichen als auch den privaten Bereich. „Unsere Erhebungen zeigen vor allem großen Unterstützungsbedarf bei den niedrig Gebildeten, Nichtberufstätigen und bei den älteren Generationen über 70 Jahren“, so Schwaderer.

Trotz Corona bleibt digitaler Austausch mit Ärztinnen und Ärzten Randphänomen

Die Studie untersucht zudem jährlich einzelne aktuelle Fragestellungen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft. In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt auf dem Bereich digitale Gesundheit. Die Bereitschaft, sich per Videosprechstunde von Ärztinnen und Ärzten behandeln zu lassen, stieg demnach auf 34 % an (+8 %) und ist am ehesten bei Menschen in jüngerem und mittlerem Alter vorhanden. Die tatsächliche Nutzung sei allerdings noch sehr gering: Nur 5 % derjenigen, die während der Corona-Zeit einen Kontakt mit medizinischem Personal hatten, der nicht vor Ort stattfand, nutzten laut Index dafür eine Videosprechstunde. Nur etwas mehr als die Hälfte (55 %) vertraut bei der Nutzung von Gesundheitsanwendungen auf die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Insgesamt wünscht sich ein Drittel der Bevölkerung (32 %) eine stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens (Jüngere deutlich häufiger als Ältere). 23 % gaben an, dass sich ihre Aufgeschlossenheit gegenüber der Digitalisierung im Gesundheitswesen durch Corona erhöht hat. Mehr als ein Drittel (36 %) befürchtet allerdings auch, durch mehr Verlagerung von Gesundheitsangelegenheiten auf das Internet von einigen Versorgungen abgeschnitten zu werden. 

Digitaler Schub in der Arbeitswelt, Hürden beim Schulunterricht

Anders als im Privaten sind laut Studie die Bereiche Arbeit und Schule bisher noch weniger stark von der Digitalisierung durchdrungen und stehen damit vor noch größeren Veränderungen. In der Arbeitswelt zeigen sich laut D21 bei Bürotätigkeiten deutliche Sprünge in der Nutzung von Homeoffice und mobilem Arbeiten (+17 % auf 32 % aller Berufstätigen). Beim digitalen Unterricht berichteten zwei Drittel (68 %) der Beteiligten (Lehrkräfte, SchülerInnen, Eltern) von Hürden. Am häufigsten nannten die Befragten uneinheitliches Vorgehen (42 %) und mangelnde Hardware oder Internetausstattung. 60 % glauben, dass die Corona-Situation Ungerechtigkeiten in der Bildung verschärft. Für die Studie wurden rund 2000 Deutschsprachige ab 14 Jahre befragt.

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