Klimaforschung in Deutschland 06. Feb 2020 dpa/Stephan W. Eder

Klimawandel: Auf der Suche nach Lösungen

Ein neues Institut in Berlin, an dem sich auch die Wirtschaft beteiligen soll, will Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels. Jetzt wurden erste Details bekannt.


Foto: Panthermedia.net/Olivier Le Moal

Das geplante Berliner Forschungszentrum zum Thema Klimawandel will sich mit Lösungen für die Probleme beschäftigen, die der Klimawandel aufwirft – und soll von der Privatwirtschaft mitfinanziert werden. Man habe mehrere Unternehmen angesprochen, die zum Beispiel in der Energieerzeugung und -verteilung tätig seien und damit ein Eigeninteresse an der Reduktion des Klimawandels hätten, sagte der Präsident der Technischen Universität Berlin (TU), Christian Thomsen. Dennoch sei die Unabhängigkeit der Einrichtung gewährleistet.

Als mögliche Arbeitsfelder nannte Thomsen die Folgen des Klimawandels für die menschliche Gesundheit, für Flugreisen oder die Energieversorgung. „Die Frage ist auch, welche soziologischen, juristischen, technischen Möglichkeiten es gibt, um den Klimawandel zu reduzieren oder zu verhindern.“

Das Institut für Klimawandel soll binnen fünf Jahren eine Top-Adresse werden

Initiiert wurde das neue Institut bereits im Sommer letzten Jahres von der sogenannten Berlin University Alliance, zu der die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Charité gehören. Man wolle gemeinsam die Dichte und Diversität von Forschungsthemen sowie von Expertinnen und Experten am Standort Berlin vernetzen und gesellschaftlich relevante Lösungen erarbeiten.

„Dazu planen wir ein neues Berliner Forschungszentrum, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen zum Thema Klimawandel auf einer gemeinsamen Plattform forschen werden“, erklärte die Allianz seinerzeit. Wichtig dabei, so TU-Präsident Thomsen heute, sei der Austausch mit Bürgern: „Es geht darum, die Sorgen der Einzelnen mit einzubeziehen.“ Angestrebt wird dem Vernehmen nach, dass das Institut in fünf Jahren international Ansprechpartner in Sachen Klima und Klimawandellösungen sein soll.

Klimawandel-Institut soll Forschung und Wirtschaft verbinden

Ein erstes Gespräch mit möglichen Partnern aus der Wirtschaft in Potsdam sei im Februar geplant, heißt es seitens der TU, die für die Berlin University Alliance bei diesem Projekt jetzt eine Art Sprecherrolle übernommen hat. Wo genau das neue Zentrum angesiedelt werden soll, stehe noch nicht fest. „Wünschenswert wäre zentral in Berlin, vielleicht zwischen Berlin und Potsdam“, sagte Thomsen.

Namen möglicher Geldgeber aus der Wirtschaft nannte Thomsen nicht. „Wir sind am Anfang der Anfragen.“ Ziel sei, etwa 30 private Geldgeber zu finden, die bereit seien, jeweils rund 650 000 € für eine Professur für sechs Jahre zu investieren. Angestrebt werde, dass das Land pro eingeworbenem Euro von Unternehmen 50 Cent hinzugibt. Möglich werden solle das über einen Förderantrag bei der Einstein Stiftung.

Berlin und Brandenburg heute schon Clusterregion für Klimaforschung

Mit der Vielfalt an Disziplinen an den Berliner Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie der Nähe zum Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dem Deutschen Geoforschungszentrum und dem Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung seien die Voraussetzungen in der Region international einzigartig, sagte Thomsen. Mit der Metropole Berlin und dem Land Brandenburg habe man hier auch ein Reallabor, zum Beispiel bei Energiefragen.

Eine Konkurrenzsituation zwischen dem neuen Institut und den Potsdamer Einrichtungen sieht Thomsen nicht, wie er sagte: Diese verfolgten primär den tatsächlichen Effekt von Kohlenstoffdioxid (CO2) auf das Klima und Auswirkungen des Klimawandels. Das neue Forschungszentrum werde sich hingegen wissenschaftsbasierten Lösungen aus einer möglichst breiten Palette von Perspektiven widmen. Angestrebt werde, bestehende Arbeitsbereiche zu vernetzen und neue Fachgebiete über zusätzliche Professuren zu etablieren.

Wirtschaft soll Klimaforschung finanzieren, aber nicht beeinflussen

Eine Beeinflussung der Forschung oder eine Mitsprache bei Stellenbesetzungen durch die Geldgeber sei nicht möglich, betonte Thomsen: „Die Unabhängigkeit ist gewährleistet.“ Die Unternehmen spendeten an die Stiftung und hätten keinen Einfluss auf die Verwendung dieser Mittel. Das werde den Unternehmen vorab mitgeteilt. Die Spender hätten jedoch ein Vorschlagsrecht, in welchem Bereich die Professur angesiedelt werden soll – ob etwa im Energiesektor oder in der Medizin.

Erfahrungen mit einer solchen Konstruktion gibt es schon: 2017 eröffnete das Einstein Center Digital Future, an dem die Digitalisierung erforscht wird. Nach eigenen Angaben auf der Webseite fließen von 20 Unternehmen insgesamt rund 12 Mio. € in die Finanzierung von Professuren. Unter den Geldgebern sind zum Beispiel der Softwarekonzern SAP, die Telekom und der Onlinehändler Zalando.

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