Stromerzeugung und Energieverbrauch in Deutschland 08. Apr 2021 Von Stephan W. Eder

Kohle und Gas legen zu

Im ersten Quartal 2021 hat die Witterung den Kohle- und Gasverbrauch begünstigt, die Ökostromerzeugung hingegen fiel stark ab, so neue Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Im gesamten letzten Jahr 2020 hingegen setzte sich der bisherige Trend zu mehr erneuerbaren Energien fort, so die Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen.


Foto: panthermedia.net/ Andreus

Vor allem die Windkraft verlor in den Monaten Januar bis März im deutschen Strommix deutlich an Bedeutung. Windkraftanlagen an Land und auf See erzeugten wetterbedingt 32,8 % weniger Nettostrom als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das ergab eine aktuelle Auswertung der Daten des Energiemonitors des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), den die Freiburger gestern vorstellten.

Das ISE nutzt mit der öffentlichen Nettostromerzeugung nach eigenen Angaben die Daten, die den Strommix repräsentieren, der aus der Steckdose kommt und an der Strombörse gehandelt wird. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (s. unten), deren Daten sehr oft genutzt werden, weist hingegen die Bruttostromerzeugung aus. Diese berücksichtigt auch die Erzeugung aus Kraftwerken sowie von „Betrieben im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“, also die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch.

Windkraft bleibt wichtigste Stromquelle

„Der Rückgang der Stromerzeugung aus Windkraft war witterungsbedingt. Die relativen Volllaststunden der Windkraft an Land (onshore) lagen etwa 4 % (absolut) unter dem langjährigen Mittel. Da die Erzeugung im ersten Quartal 2020 aber 9 % (absolut) über dem langjährigen Mittel lag, fiel der Rückgang gegenüber dem Vorjahr so stark aus“, erklärte Bruno Burger, Leiter der Energy-Charts. Dennoch blieb die Windkraft in Deutschland die wichtigste Quelle der Nettostromerzeugung.

Der Anteil der erneuerbaren Energien lag laut Energy-Charts bei 42,7 % (Q1 2020: 55,6 %), der Anteil der nicht erneuerbaren Energien bei 57,3 % (Q1 2020: 44,4 %). Damit hat sich das Verhältnis im Jahresvergleich umgekehrt. Die Windkraft ist mit einem Anteil von 25,6 % an der öffentlichen Nettostromerzeugung die wichtigste Quelle, gefolgt von der Braunkohle (18,8 %), Gas (16,1 %) und Kernenergie mit (12,5 %).

Kohle und Gas haben im ersten Quartal 2021 stark zugelegt

Insgesamt sei die Stromgewinnung im ersten Quartal 2021 aus erneuerbaren Energien von 75,8 TWh auf 57 TWh zurückgegangen, Kohle und Gas hätten im Vergleich zum ersten Quartal 2020 hingegen deutlich zugelegt, so das Fraunhofer ISE. Den stärksten relativen Rückgang hätte neben der Wind- die Wasserkraft (-23,9 %) erfahren. Die Solarstromerzeugung ging um 6,1 % zurück. Dagegen stieg die Stromerzeugung aus Gas um 46,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal, Braunkohle legt um 33,4 %, Steinkohle um 21 % zu. Die Stromerzeugung aus Kernkraft (+2,5 %) und Biomasse (-3,1 %) erfuhr dagegen nur geringfügige Veränderungen, so der Bericht.

Die Grafik zeigt die Nettostromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung. Das ist der Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt. Die Erzeugung aus Kraftwerken von „Betrieben im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“, d.8h. die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch, ist bei dieser Darstellung nicht berücksichtigt.
Foto: B. Burger, Fraunhofer ISE; Quelle: https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&c=DE&year=2021

Dem geringen Anteil erneuerbarer Energien folgte im ersten Quartal ein starrer Anstieg der Preise. Laut Fraunhofer ISE stieg der Epex-Day-Ahead-Börsenstrompreis vom 26,06 €/MWh auf 49,18 €/MWh – der höchste Börsenstrompreis in einem ersten Quartal seit 2011. Gleichzeitig stiegen die Preise für CO2-Zertifikate auf ein neues Hoch von 36,05 €/t. „Durch die hohe Differenz zwischen Börsenstrompreis und Zertifikatspreis war die Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken trotz der gestiegenen Zertifikatspreise noch gegeben. Liegen Strompreis und Zertifikatspreis auf demselben Niveau, wird die Stromerzeugung aus Braunkohle unwirtschaftlich, da die Erzeugung 1 MWh Braunkohlestrom etwa 1,1 t CO2 freisetzt“, so das Institut in der Pressemeldung.

Covid-Pandemie verändert 2020 Energieverbrauch in Deutschland

Fast zeitgleich stellte die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) ihren Jahresbericht zum Energieverbrauch in Deutschland für 2020 vor. Dieser ist gegenüber dem Vorjahr um 8,0 % zurückgegangen und erreichte eine Gesamthöhe von 11 784 PJ (Petajoule) oder 402,1 Mio. t SKE (Steinkohleneinheiten). Dabei habe die im Vergleich zum Vorjahr etwas mildere Witterung nur geringfügig (-0,6 %) zu dem beträchtlichen Verbrauchsrückgang beigetragen.

Hauptverantwortlich für den Rückgang des Energieverbrauchs auf ein historisches Tief seien die Auswirkungen der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in Form rückläufiger Industrieproduktion, verminderter Verkehrsleistungen und veränderter Konsumgewohnheiten, so die AGEB. Einen weiteren Anteil an der Verbrauchsentwicklung bei den einzelnen Energieträgern habe auch der sich verändernde energie- und klimapolitische Kontext, heißt es im Bericht. Auf nationaler Ebene sorgen der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie, der einsetzende Kohleausstieg sowie die fortgesetzte Förderung der erneuerbaren Energien für Veränderungen.

Kräftige Rückgänge bei Stein- und Braunkohle, leichtes Minus beim Gasverbrauch

Hauptursache für den Verbrauchsrückgang ist der gesunkene Erdgasbedarf der Sektoren Industrie (-4 %) sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (-5 %) infolge der Corona-Pandemie. In der Strom- und Wärmeerzeugung wurde hingegen mehr Erdgas eingesetzt. Bei den privaten Haushalten stieg der Verbrauch trotz vergleichsweise milderer Temperaturen um 2,5 %, heißt es im Bericht der AGEB.

Der Verbrauch an Steinkohle sank 2020 um 16,6 % gegen über dem Vorjahreszeitraum auf 904 PJ. Beim Einsatz von Steinkohle in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung habe der Rückgang mehr als 26 % betragen. Diese Entwicklung beruhe vornehmlich auf dem rückläufigen Stromverbrauch, der höheren Stromeinspeisung aus Wind- und Photovoltaikanlagen sowie dem stärkeren Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung.

Der Braunkohleeinsatz habe sich um 17,8 % auf 956 PJ verringert. „Diese Entwicklung hat unterschiedliche Ursachen: Es wurden zusätzliche Kraftwerksblöcke in die Sicherheitsbereitschaft überführt und witterungsbedingt erhöhte sich die Stromeinspeisung von Wind- und PV-Anlagen. Hinzu kamen ungeplante Kraftwerksausfälle, Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Stromverbrauch sowie durch niedrige Erdgaspreise bedingte Verschiebungen der Wettbewerbssituation auf dem nationalen und europäischen Strommarkt“, schreibt die AGEB in ihrem Bericht.

Weitere Verschiebungen im Energiemix

Im deutschen Energiemix für das Jahr 2020 konnten die Erneuerbaren ihre Anteile erneut ausweiten, so die Arbeitsgemeinschaft. Biomasse, Solarenergie, Windenergie, Wasserkraft, Geothermie und der biogene Anteil des Abfalls hätten insgesamt 16,6 % des gesamten inländischen Energieverbrauchs gedeckt. Die erneuerbaren Energien hätten ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch 2020 um 3 % auf 1961 PJ gesteigert. Dabei mussten die Wasserkraftwerke (ohne Pumpspeicher) Federn lassen und lieferten 6 % weniger Strom als im Vorjahr. Windkraft (+4 %), Solarenergie (+8 %) und Biomasse (+2 %) legten hingegen zu.

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