Branche rechnet mit Stagnation 28. Mai 2020 Von dpa/Fabian Kurmann

Krise trifft Bauindustrie verzögert

Jahrelang ging es für die Bauindustrie bergauf. Selbst in der Corona-Krise profitierte die Branche von einem dicken Auftragspolster. Doch das ist in den vergangenen Wochen kräftig zusammengeschrumpft – die Unternehmen stehen vor schwierigen Zeiten.


Foto: panthermedia.net/donsimon

Die Corona-Krise trifft die Bauindustrie mit Verzögerung: Weil die Auftragsbücher zu Beginn des Jahres so gut gefüllt waren wie noch nie, hatte die Branche trotz des weitgehenden wirtschaftlichen Stillstands gut zu tun. Doch neue Aufträge kamen kaum hinzu. „Das deutet im Augenblick auf nichts Gutes hin“, sagte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner, heute in Berlin. Demnach seien die Aufträge im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 30 % bis 40 % zurückgegangen.

Ende der Wachstums-Story erwartet

Damit kommt der Bauboom der vergangenen Jahre zu einem abrupten Ende. Der Verband geht für 2020 davon aus, dass die Umsätze bei rund 135 Mrd. € stagnieren werden. Die Zahl von rund 870 000 Beschäftigten im Bausektor könne zwar gehalten werden, werde aber nicht weiter steigen. In den vergangenen Jahren waren die Wachstumsraten zum Teil zweistellig. Noch im ersten Quartal dieses Jahres lagen die Branchenerlöse real um knapp 9 % über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Öffentliche Aufträge brechen weg

Während die Nachfrage im Wohnungsbau der Prognose zufolge weiter hoch bleiben dürfte, brechen die Aufträge vor allem im privaten und öffentlichen Bau weg. „Die Steuereinnahmen gehen deutlich zurück“, sagte Hübner. Allein die Kommunen, die zu den wichtigsten Auftraggebern gehören, müssten im laufenden Jahr mit Steuerausfällen von rund 15 Mrd. € kämpfen, schätzt der Verband.

Er geht davon aus, dass die Umsätze aus Aufträgen der öffentlichen Hand in diesem Jahr preisbereinigt stagnieren werden. Sie stehen für mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes der Branche.

Modernisierungsbedarf bleibt bestehen

„Es ist daher oberste Prämisse, dass Bund und Länder dafür sorgen, die Haushalte zu stabilisieren“, forderte Hübner. Dies dürfe nicht über Investitionskürzungen geschehen. Nach wie vor gebe es einen hohen Modernisierungsbedarf. „Das betrifft nicht nur die Verkehrsinfrastruktur, sondern auch die digitale Infrastruktur, zu der die Bauindustrie ebenfalls viel beitragen kann.“ Es brauche ein Konjunkturprogramm zur Stärkung der öffentlichen und der privaten Auftraggeber.

Kurzfristig Preissenkungen, langfristig Steigerungen

Weil sich derzeit mehr Firmen auf deutlich weniger Aufträge bewerben, sinken die Auftragspreise aktuell, sagte Hübner. „Aber die Preise, die dort angeboten werden, haben nichts mit den Kosten zu tun.“ Weil diese für die Bauunternehmen in der Krise aufgrund weitreichender Hygiene- und Schutzvorschriften eher gestiegen sind, geht Hübner mittelfristig auch von steigenden Baupreisen aus. „Auch die Qualität der Bauwerke wird steigen und das erhöht natürlich auch die Preise.“

Mit Blick auf die Gesundheit der Beschäftigten in der Corona-Krise zog der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Dieter Babiel, heute ein positives Fazit. Hier und da sei es vorgekommen, dass Baustellen aufgrund von Infektionen geschlossen werden mussten. „Doch der Anteil ist sehr gering und wird auch immer geringer. Wir sind wirklich gut durch diese Krise gekommen.“

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