Neues Kompetenznetzwerk für KI 27. Jun 2018 Stefan Asche

Künstliche Intelligenz: Bayern kooperiert mit Fraunhofer

Das Bundesland Bayern wünscht sich, im Sektor der künstlichen Intelligenz vorn mitzuspielen. Dazu kooperiert der Freistaat mit der Fraunhofer-Gesellschaft.


Foto: panthermedia.net/Thorsten Kempe

Die bayrische Staatsregierung hat gestern beschlossen, ein neues Kompetenznetzwerk für künstliche Intelligenz an mehreren Standorten im Freistaat aufzubauen. Ministerpräsident Markus Söder: „Wenn Bayern weiterhin erfolgreich sein soll, dann muss es mit künstlicher maschineller Intelligenz zukünftig seine gesamte Industrie verstärken. Deswegen starten wir mit enormem Einsatz eine neue künstliche-Intelligenz-Strategie. Bayern soll weltweit eine der führenden Regionen für künstliche maschinelle Intelligenz werden.“

Der Fraunhofer-Gesellschaft kommt dabei – in enger Kooperation mit den Universitäten in München und Erlangen-Nürnberg – eine tragende Rolle zu. Mehrere Forschungsinstitute und Einrichtungen werden themenbezogen auf- oder ausgebaut. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, betont: „Wir freuen uns, einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des neuen Kompetenznetzwerks leisten zu können. Das ist ein wichtiger Schritt, um dieses herausragende technologische Zukunftsthema in Bayern voranzutreiben. Ziel der geplanten Aktivitäten an den bayrischen Fraunhofer-Standorten wird es vor allem sein, den Wissenstransfer zu künstlicher Intelligenz und kognitiven Systemen von der Forschung in die Praxis zu beschleunigen.“

Vorgesehen ist zum einen der Aufbau eines Fraunhofer-Instituts für Kognitive Systeme in München mit den Schwerpunkten Software-Architekturen und modellbasierte Software-Entwicklung für dynamische lernende Systeme, künstliche Intelligenz (KI) für autonome Systeme sowie semantische Datenanalyse. Das neue Institut soll auf Basis des bisherigen Fraunhofer-Instituts für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik (ESK) entstehen. Zudem ist in diesem Zusammenhang ein Neubau auf dem Forschungscampus in Garching geplant.

Des Weiteren soll in der Metropolregion Nürnberg-Erlangen der Schwerpunkt „Digitale Signalverarbeitung mit KI (DSKI)“ am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) ausgebaut werden. Ziel ist es, die technischen Möglichkeiten im Bereich der Audio- und Bildverarbeitung sowie der Nachrichtenübertragung durch KI zu optimieren.

In Garching sind der Ausbau des Themengebietes kognitive Sicherheit am Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC sowie eine enge Kooperation mit dem Fraunhofer-Forschungscluster Cognitive Internet Technologies angestrebt. In Augsburg und Bayreuth soll zudem die Blockchain-Forschung der Projektgruppen des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT intensiviert werden.

Ergänzend soll in Ingolstadt ein neues Anwendungszentrum „Vernetzte Mobilität und Infrastruktur“ unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) aufgebaut werden. Alle Aktivitäten werden eng miteinander verzahnt, an geeigneten Schnittstellen soll es eine strategische Kooperation mit Fortiss, dem Forschungsinstitut des Freistaats Bayern für softwareintensive Systeme und Services, geben. Ergänzend ist eine Vertiefung der Kooperation mit den exzellenten Münchner Universitäten geplant, insbesondere durch die Einrichtung von sechs neuen Professuren.

Dass dieser Aufwand gerechtfertigt – wenn nicht gar geboten – ist, zeigt eine aktuelle Roland-Berger-Studie. Nach Angaben der Unternehmensberatung gibt es weltweit derzeit rund 3500 Start-ups, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Diese Firmen entwickeln beispielsweise Produkte oder Services rund um maschinelles Lernen, automatische Bildinterpretation oder natürliche Sprachverarbeitung. Wer dabei an den Terminator aus Hollywood denkt, bekommt Angst. Fakt aber ist: Ohne KI gäbe es u. a. kein autonomes Fahren und keine rasanten Fortschritte in der Medizin. KI wird zum wesentlichen Treiber für Wirtschaft und Wohlstand.

Umso bedenklicher ist es, dass der alte Kontinent den Anschluss zu verlieren droht. 40 % aller einschlägigen Firmen in dem Bereich sitzen heute in den USA, 11 % in China, und 10 % in Israel. Auf ganz Europa verteilen sich lediglich 22 %. Großbritannien hat hier mit 245 Firmen die Nase vorn. Deutlich abgeschlagen folgt Frankreich mit 109 KI-Start-ups. In Deutschland sind es 106. Zum direkten Vergleich: Die USA beherbergen 1400.

 

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