Umwelt 08. Jun 2020 Von dpa/André Weikard

Mehr Plastikmüll in Privathaushalten durch Coronakrise

In den Monaten März und April hat die Menge an Kunststoffmüll aus deutschen Haushalten deutlich zugenommen. Das Müllaufkommen stieg auch insgesamt, trotz des Wegfalls von Abfällen in vielen gewerblichen Bereichen.


Foto: PantherMedia.net/Nataliya Hora

Das Aufkommen von Plastikmüll hat in der Coronakrise zugenommen. In der gelben Tonne von Privathaushalten landen seit März etwa 10 % mehr Verpackungsabfälle, wie das in Köln sitzende Recyclingunternehmen „Der Grüne Punkt“ mitteilte. Auch wenn im Gewerbebereich weniger Müll angefallen sei, sei die Menge an Kunststoffmüll damit insgesamt gestiegen. Für Frankfurt etwa verzeichnete die städtische Müllentsorgung FES in den Monaten März und April insgesamt 2608 t Verpackungsabfall – etwa 11 %mehr als in den Vorjahresmonaten.

Gegen den Trend zur Müllvermeidung

Wie aus der jüngsten Abfallbilanz des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, gab es beim Verpackungsmüll aus Privathaushalten zuletzt einen Abwärtstrend: Im Vergleich zu 2015 sank das Abfallaufkommen in diesem Bereich in den Jahren 2016 und 2017.

Aus dem Bundesumweltministerium hieß es, Gegenstände, die nur einmal oder für kurze Zeit benutzt werden, sollten nach Möglichkeit vermieden werden. „Wenn sie aber notwendig sind, ist Kunststoff oft das umweltverträglichste Material.“ So sei eine Plastikfolie ressourcenschonender und energieeffizienter als eine Schutzscheibe aus Glas.

Für den Bereich der Gastronomie fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) aber deutlichere Vorgaben von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Sie solle eine verbindliche Quote für wiederverwendbares Geschirr festlegen. „Mehrwegbecher und -Essensboxen aufgrund hygienischer Bedenken während der Corona-Pandemie pauschal abzulehnen, ist nicht nachvollziehbar“, sagt Thomas Fischer, Leiter für Kreiswirtschaft bei der DUH. Die Coronakrise dürfe nicht zur Müllkrise werden, heißt es von dem Verband.

Der Grüne Punkt verlangt zudem eine gezielte Förderung des Recycelns. „Der extrem niedrige Ölpreis und die Folgen der Corona-Pandemie gefährden massiv alle Erfolge und Bemühungen, Plastik zu recyceln und im Kreislauf zu führen“, sagt Geschäftsführer Michael Wiener.

Zunahme auch bei Bio-, Glas- und Restmüll

Doch in der Coronakrise steigen nicht nur der Plastik- und Verpackungsmüll. Auch beim privaten Bio-, Glas- und Restmüll hat die Frankfurter Müllentsorgung eine Zunahme festgestellt. Laut dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) berichten mehrere Entsorger von einer Zunahme des Hausmülls allgemein, in der Hauptstadt stieg er etwa um 8 %.

Ob mit weiteren Lockerungsmaßnahmen das Müllaufkommen wieder zurückgeht, bleibt abzuwarten. Eine Sprecherin des VKU sagt hierzu: „Sollte es weiterhin eine größere Nachfrage nach (Plastik-) Einmalprodukten geben, steigen damit auch die Müllmengen.“ Grundsätzlich würden in den Sommermonaten aber mehr Abfälle im öffentlichen Raum anfallen. Ein Anstieg in den kommenden Wochen wäre also nicht unbedingt auf die Coronakrise zurückzuführen.

Auf das gesamte Jahr gesehen vermutet die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft einen mäßigen Anstieg des Müllaufkommens in Privathaushalten wegen der Coronakrise – und dafür bis zu 10 % weniger Abfälle im Gewerbebereich. „Die Gründe für diese Verlagerung liegen auf der Hand“, heißt es vom VKU. Viele Menschen seien zu Hause geblieben, Restaurants und Kantinen waren geschlossen.

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