11. Mrz 2020, 12:00 Uhr Von Peter Kellerhoff/BASF

Mehr Platin für den Kat

Der neue Tri-Metal-Katalysator von BASF soll zur Kostensenkung bei Katalysatoren sowie zur Entlastung des angespannten Palladiummarkts beitragen.

Platin – als Barren, als Granulat und als Schwamm.
Foto: BASF SE

Teilweise Substitution von teurem Palladium durch Platin

BASF hat zusammen mit den Partner Sibanye-Stillwater (Edelmetallbergbau) und Impala Platinum (Hersteller von Platin-Gruppenmetallen) eine neue Tri-Metal-Katalysatortechnologie entwickelt und getestet. Laut BASF müssen dabei keine Kompromisse bei der Einhaltung der Abgasnormen eingegangen werden. Die Technologie ermöglicht das teilweise Ersetzen von hochpreisigem Palladium durch kostengünstigeres Platin in Katalysatoren, die in Fahrzeugen mit Benzinmotoren verbaut sind.

Kosten senken durch mehr Platin

Die Einführung des Tri-Metal-Katalysators kann die Katalysatorkosten für Automobilhersteller senken sowie das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei den Platin-Gruppenmetallen (PGM) teilweise beheben. Derzeit liegt der Kilopreis für Palladium bei 67 400 €, der für Platin bei 25 000 €. In einem typischen Katalysator sind Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium verbaut. Jährlich wird zwar nur etwas mehr Palladium produziert als Platin. Dennoch ist die Nachfrage nach Palladium aus der Katalysatorindustrie derzeit etwa dreimal so hoch wie die Nachfrage nach Platin.

Marktdefizit bei Palladium

Dieses strukturelle Defizit auf dem Palladiummarkt hat laut BASF zu einem anhaltenden Marktdefizit bei Palladium im Gegensatz zu dem anhaltenden Überschuss am Platinmarkt geführt. Der Nachfrageanstieg bei Palladium wird zu großen Teilen durch ein Marktungleichgewicht verursacht, das durch strengere Emissionsvorschriften in China, in Europa und in Indien hervorgerufen wird. Darüber hinaus verstärkt die in Europa zu beobachtende Absatzentwicklung „weg von Fahrzeugen mit Dieselantrieb hin zu Fahrzeugen mit Benzinantrieb“ dieses Ungleichgewicht und führt zu höheren Kosten für die Automobilhersteller.

Alte Kats – hoher Wert

Je nach aktuellen Tageskursen, Baujahr, Motorvariante, Hubraum und Abgassystem kann der Edelmetallwert eines gebrauchten und recycelten Kats durchaus mehr als 100 € betragen. Experten schätzen jedoch, dass rund 1000 t Platingruppenmetalle bereits durch Altautoexporte oder eine ungenügende Recyclingkette verloren gegangen sind. So gehen jährlich rund 2,5 Mio. Fahrzeuge durch Altautoexporte nach Afrika, Osteuropa oder in den Mittleren Osten verloren – und mit ihnen die wertvollen Edelmetallrohstoffe.

Lukrativer Kat-Diebstahl

Zunehmend entdecken auch Diebe die lukrativen Katalysatoren für sich. Wegfahrsperren oder Diebstahlwarnanlagen brauchen sie nicht zu fürchten. Sie bocken das Fahrzeug kurz hoch und schrauben den Kat ab. So haben etwa Diebe Anfang Dezember letzten Jahres auf einem Werksgelände in Gersthofen (Landkreis Augsburg) die Katalysatoren aus mehr als 100 Neuwagen gestohlen. Die Polizei sprach von einem Wert in sechsstelliger Höhe. Allein in London wurden im ersten Halbjahr 2019 rund 3000 Kats gestohlen. Besonders begehrt bei den Dieben sind Hybridautos, da in den Katalysatoren von Hybridfahrzeugen größere Mengen der Edelmetalle verbaut sind. Auch die Automobilhersteller sind sich der Problematik bewusst und verbauen in neueren Fahrzeugen den Kat im Motorraum, auch um den Dieben das Entwenden zu erschweren.

„Mit dem Tri-Metal-Katalysator wird beabsichtigt, eine verbesserte Angebotssituation für unsere Kunden zu schaffen und eventuell ihre Kosten zu reduzieren“, sagt Matthias Dohrn, Senior Vice President, Precious and Base Metal Services bei BASF. Nico Muller, CEO Implats (Impala Platinum), ergänzt: „Wir sind stolz darauf, zu einer Lösung beigetragen zu haben, die langfristig für eine Normalisierung der Angebot- und Nachfragesituation sorgen wird und damit allen, die an der Wertschöpfungskette beteiligt sind, nutzt – Bergleuten, Raffinerien, Fabrikanten und OEMs.“

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