Automatisierungstechnik 2020 25. Nov 2020 von Martin Ciupek

Messe SPS startet digital – Automatisierer verzeichnen Umsatzrückgänge

Anlässlich der Messe SPS stellte der Branchenverband ZVEI die aktuellen Zahlen für die deutsche Automatisierungstechnik vor. Bis September verzeichnete die Branche einen Umsatzrückgang um 11 %. Aktuelle Entwicklungen machen den Herstellern jedoch Hoffnung auf eine Erholung im Jahr 2021.


Foto: Mesago / Malte Kirchner

Ende November ist Messezeit für die Automatisierungsbranche. Das ist auch in diesem Jahr so. Doch statt auf dem Messegelände in Nürnberg, findet die Messe SPS in diesem Jahr nur digital statt. Rechtzeitig zum Messestart am 24. November stand der Internetauftritt. Es gibt nun feste Zeitfenster für Präsentationen und die Möglichkeit zum persönlichen Austausch. Bei allen Nachteilen digitaler Formate gegenüber persönlichen Gesprächen an den Messeständen gibt es aber auch einen Vorteil. Die digitale Messe wird nicht bereits am Donnerstag enden, sondern kann noch bis Ende 2020 online aufgerufen werden.

Konjunktur gibt stark nach

Traditionell präsentiert der Branchenverband ZVEI auf der SPS die Branchenzahlen für die Automatisierungstechnik. Nach vielen erfolgreichen Jahren und den ersten Bremsspuren im Jahr 2019 verzeichnet der ZVEI-Fachverband Automation in diesem Jahr für die ersten neun Monate einen Umsatzrückgang von 11 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Auch an der Automatisierungsbranche geht die derzeitige Krise nicht spurlos vorbei“, resümiert Roland Bent, Vorstandsmitglied im Fachverband Automation. Das macht sich auch bei den Beschäftigungszahlen bemerkbar. Laut ZVEI waren im September 2020 in der Automatisierungsindustrie in Deutschland insgesamt 259 419 Menschen beschäftigt, im Vergleich zu 263 379 im Jahr 2019. Dass der Rückgang nicht deutlicher ist, hat für Bent einen klaren Grund: „Einem Stellenabbau steht der wachsende Fachkräftemangel entgegen.“ Deshalb nutzen Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle und Kurzarbeit.

Für das kommende Jahr rechnet der ZVEI-Fachverband schon wieder mit einer deutlichen Erholung der Konjunktur. Die Talsohle habe die Branche im Mai 2020 durchschritten. Bent begründet die Zuversicht so: „Die langfristigen Entwicklungstrends, insbesondere die Anforderungen an einen wirkungsvollen Klimaschutz und die voranschreitende Digitalisierung, für die Automation sind nach wie vor intakt.“

China ist wichtigster Abnehmer

Mit Sorge betrachtet der Branchenverband den Handelsstreit zwischen den USA und China. Denn von Januar bis September 2020 haben sich die Verhältnisse im Export der deutschen Automatisierer nochmals verschoben. Insgesamt vielen diese gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,4 % auf 30,8 Mrd. €, wobei 54 % der Exporte nach Europa gingen. Während allerdings fast alle Abnehmerländer zweistellige Rückgänge verzeichneten, wuchsen die Exporte nach China im gleichen Zeitraum um 5,2 % an. Mit Blick auf den Weltmarkt für Automation wird sogar erwartet, dass China in diesem Jahr einen Weltmarktanteil von 50 % erreichen wird.

Laut dem ZVEI-Fachverband Automation gehen aktuell rund 15 % der exportierten Produkte über den Atlantik, während 38 % der Exporte Richtung Asien unterwegs seien. „Für die Automation wäre eine Systementscheidung pro westlich gegen China oder Pro China und gegen die USA fatal“, mahnt Bent.

Digital und nachhaltig

Technisch setzt die Branche vor allem auf die langfristigen Trends Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Hier gibt es ein Jahr nach der Ankündigung des ZVEI auf der Messe SPS 2019 positive Nachrichten. „Vor einem Jahr haben wir Ihnen auf der SPS angekündigt, dass 2020 zum Jahr der 5G-Campusnetze wird. Und genauso ist es gekommen“, freut sich Gunther Koschnik, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation. Der neue Mobilfunkstandard 5G und Industrie 4.0 gehören für Koschnik zusammen und könnten zum künftigen Exportschlager werden. Nachdruck verleiht dieser Aussage die Tatsache, dass hier die deutschen Verbände der Automobil- (VDA) und Chemieindustrie (VCI) sowie des Maschinenbaus (VDMA) gemeinsam mit dem ZVEI an einem Strang ziehen.

„5G kann der Nervenstrang der digital vernetzten Produktion werden“, sagt Koschnik. Stand Oktober 2020 seien 85 Anträge auf die Erteilung entsprechender Lizenzen gestellt worden. 81 wurden demnach bereits zugeteilt und keines abgelehnt.

Auch bei der Verwaltungsschale, die die Basis für digitale Zwillinge von Produkten und Prozessen ist, sieht der ZVEI Fortschritte. Angestoßen im Rahmen der Plattform Industrie 4.0 ist daraus nun der Entwurf zur internationalen Norm IEC 63278–1 „Asset administration shell für industrial applications – Part 1; Administration shell structure“ entstanden. Aus der Arbeitsgruppe der Plattform heraus wurde inzwischen die „Industrial Digital Twin Association“ gegründet. Der Verein, an dem Unternehmen aus Elektrotechnik und Maschinenbau sowie dem Endanwender Volkswagen beteiligt sind, soll ab 1. Januar 2021 seine Arbeit aufnehmen. „Die Verwaltungsschale kann als technologische Klammer für die intelligente Produktion und als Brücke zu den digitalen Plattformen und Gaia-X gesehen werden“, erklärt Koschnik. Mit Gaia-X wird aktuell eine europäische Cloud-Lösung geschaffen, die einen sicheren Datenaustausch für die Industrie ermöglichen soll.

Energieeffizienz durch Gleichstrom

Ein aktueller Ansatz zur Verbesserung der Nachhaltigkeit durch Automatisierungstechnik, sind Gleichstromnetze. In den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekten DC-Industrie und DC-Industrie 2 haben inzwischen über 40 Partner Lösungen für eine Gleichstrominfrastruktur erarbeitet. „Das Gleichstromnetz ist ein intelligentes und offenes Netz“, hebt Koschnik hervor. Das bedeutet: „Ein übergeordnetes Energiemanagementsystem für die wirtschaftliche und energietechnische Optimierung des Gleichstromnetzes kann ganz einfach integriert werden.“ Zudem ließen sich allein durch die Reduzierung von Wandlerverlusten und die Nutzung von Bremsenergie Energieeinsparungen zwischen 6 % und 10 % erzielen.

Inwiefern sich die neuen Optionen für die Unternehmen letztlich rechnen, hängt aber auch stark von der Gesetzgebung ab – insbesondere dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Doch hier gibt es seitens des ZVEI deutliche Kritik. „ Die aktuelle EEG-Novelle widerspricht der Idee der CO2-neutralen Fabrik, in dem Dachanlagen ausgeschrieben werden müssen oder bei nicht geförderten Anlagen der Energieverbrauch mit einer ‚Sonnensteuer‘ belegt wird“, macht Koschnik deutlich.

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