Mobilität in der Stadt 04. Jun 2021 Von Martin Ciupek

Digitale Technik soll Radfahrer im Verkehr besser schützen

Was zwischen vernetzten Automobilen bereits funktioniert, soll bald auch auf andere Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrende übertragen werden. Automobilzulieferer Continental und die Deutsche Telekom treiben hierzu digitale Lösungen voran.


Foto: www.pd-f.de / Kay Tkatzik

Unübersichtliche Verkehrssituation, Ablenkung durch andere Fahrzeuginsassen und schon kommt es zu einer brenzligen Situation mit einem Radfahrer oder einer Fußgängerin. Solche oder ähnliche Situationen hat jeder Mensch im öffentlichen Verkehr schon erlebt. Damit künftig gerade die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Pedelec- und Scooterfahrende, aber auch Fußgänger besser geschützt werden, arbeiten der Automobilzulieferer Continental und die Deutsche Telekom an einem System zur vernetzten Kollisionswarnung.

Wege im Voraus berechnen

Das Prinzip ist schnell erklärt. Die Lösung berechnet den eingeschlagenen Weg eines Autos und eines Zweirads. Kreuzen sich die Bahnen wahrscheinlich zum gleichen Zeitpunkt, warnt das System per Mobilfunk die beiden Verkehrsteilnehmer in Echtzeit. Laut den beiden Unternehmen waren die ersten Tests im Straßenverkehr erfolgreich.

Karsten Michels, Leiter der zentralen Vorentwicklung bei Continental, erklärt dazu: „Gerade schwächere Verkehrsteilnehmer werden im Straßenverkehr oft übersehen. Zudem enden Unfälle zwischen Fußgängern oder Radfahrern und motorisierten Fahrzeugen laut europäischem Verkehrssicherheitsrat zu über 80 % tödlich für die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Dank Echtzeitvernetzung und Kollisionswarnung geben wir Radfahrern oder Fußgängern deshalb mehr Sichtbarkeit. So reduzieren wir schwere Unfälle, Verletzte und Verkehrstote.“

Oliver Bahns, verantwortlich für Connected Mobility bei T-Systems, ergänzt: „Mit der Kollisionswarnung statten wir Rad-, Pedelec- und Scooter-Fahrer mit einem digitalen Schutzengel aus.“ Erreicht wird das durch einen hohen Grad an Vernetzung. „Etwa 85 % der Bevölkerung in Europa nutzen ein Smartphone. Und auch immer mehr Autos sind verbunden. Mit unseren Rechnern im Mobilfunknetz sorgen wir zudem für extrem kurze Reaktionszeiten“, verdeutlicht der Telekommunikationsspezialist den technischen Hintergrund.

Satellitenortung und Cloud-Technik

Die Kollisionswarnung nutzt mehrere bereits vorhandene technische Lösungen. Satellitenortung (GPS), Beschleunigungssensoren, Mobilfunk und Cloud-Computing bilden die Basis für das System. Per Mobilfunk übermittelt beispielsweise das Automobil seine Position und Beschleunigungswerte in die Cloud. Ebenso liefert das Smartphone oder ein vernetzter Fahrradcomputer entsprechende Informationen in die Cloud. Dort werden schließlich die Wege für die nächsten fünf Sekunden berechnet und bei drohender Kollision eine Warnung an den Pkw und auf das Endgerät des Radfahrerenden gesendet.

Lokale Clouds sorgen für Tempo

Damit die sicherheitskritischen Informationen möglichst schnell beide Verkehrsteilnehmer erreichen, kommt immer der Cloud-Rechner im Mobilfunknetz zum Einsatz, der am dichtesten am Ort der möglichen Kollision liegt. Die Techniker bezeichnen das als Multi-Access Edge-Computing. Der Begriff ist angelehnt an das allgemeine Edge-Computing, bei dem beispielsweise zeitkritische Berechnungen nicht irgendwo in der Cloud-Infrastruktur, sondern nahe an der Anwendung ausgeführt werden. Im Gegensatz zu stationären Anwendungen wechseln die Kollisionswarnsysteme allerdings zwischen verschiedenen Orten, an denen die Daten in kürzester Zeit analysiert werden.

Weiterentwicklung im Reallabor

Das System wird derzeit von den Partnern für den internationalen Einsatz im Alltag weiterentwickelt. Das passiert insbesondere im Projekt Reallabor Hamburg (RealLabHH) und wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Im RealLabHH soll die Mobilität von morgen bereits jetzt in einer Metropole erprobt werden. So soll eine Blaupause für die digitale Mobilität der Zukunft entstehen. Die gesellschaftliche Debatte zu digitalen Mobilitätsservices steht dabei im Zentrum, um wichtige Erkenntnisse darüber zu liefern, welche Ansätze sich in der Praxis bewähren. Die geplanten elf Teilprojekte des RealLabHH reichen vom Mobilitätsbudget anstelle eines Dienstwagens über die Schaffung einer anbieterunabhängigen Mobilitätsplattform bis hin zu Lösungen für besonders schutzbedürftige Teilnehmende im Straßenverkehr. Das Projekt des RealLabHH geht auf die Initiative der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) zurück, läuft bis Ende 2021 und wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit rund 20,5 Mio. € gefördert. Die Ergebnisse sollen auf dem ITS World Congress vorgestellt werden. Die Leitmesse für Intelligente Transportsysteme findet vom 11. bis 15. Oktober in Hamburg statt.

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