Alternative Antriebe auf der Schiene 08. Sep 2021 Von Peter Kellerhoff/Alstom

Premierenfahrt eines Batterietriebzuges

Wo Oberleitungen enden, können Züge auf batterieelektrische Antriebe wechseln. In Chemnitz feiert ein Prototyp von Alstom jetzt Premiere.


Foto: Alstom

Gestern, am 7. September, hatte ein Batteriezug von Alstom Premierenfahrt – von Flöha und Zschopau zurück nach Chemnitz. Dabei wechselte er seine Antriebsart von Oberleitungsbetrieb auf Batterieelektrisch. „Dieses hochmoderne Antriebskonzept mit Batterien ist neben unserem Wasserstoffzug ein weiterer Meilenstein für die Markteinführung emissionsfreier Regionalzüge in Deutschland und weltweit“, sagt Müslüm Yakisan, seit Februar 2021 Präsident der Region DACH von Alstom.

Alles begann 2016

Das Projekt hat seinen Ursprung in einer Forschungskooperation mit der TU Berlin, die Ende 2016 begonnen hat. Diese umfasst die Entwicklung, Zulassung und den Einsatz des Batterietriebzuges im Fahrgastbetrieb, den Nachweis der Gesamtwirtschaftlichkeit des Batteriebetriebs im Vollbahnbereich sowie die Erstellung von Handlungsempfehlungen für Politik, Betreiber und Aufgabenträger für den Einsatz von Batterietriebzügen auf nicht oder nur teilweise elektrifizierten Strecken. Kernstück des Technologieträgers ist das Antriebssystem mit Traktionsbatterie, das in Mannheim entwickelt und getestet wurde. Dort betreibt Alstom ein spezialisiertes Batterie- und Hochspannungslabor.

Keine größeren Infrastrukturausbauten nötig

Die wissenschaftliche Begleitforschung der TU Berlin hat seit Projektstart das Fachgebiet Bahnbetrieb und Infrastruktur gemeinsam mit dem Fachgebiet Methoden der Produktentwicklung und Mechatronik inne. Die Untersuchungen ergaben beispielsweise, dass ein großer Anteil der heute mit Dieselfahrzeugen betriebenen Linien nicht elektrifizierte Abschnitte von deutlich unter 100 km sind. Die Nutzung der bereits bestehenden Fahrleitungsinfrastruktur erlaubt auf diesen Linien einen Einsatz von batterieelektrischen Fahrzeugen ohne größere Infrastrukturausbauten. Birgit Milius, Leiterin des Fachgebiets Bahnbetrieb und Infrastruktur an der TU Berlin, erklärt: „Die Auswertungen haben deutlich gezeigt, dass im Schienenpersonennahverkehr batterieelektrische Fahrzeuge das Potenzial haben, Dieselfahrzeuge erfolgreich zu ersetzen.“ Fahrgäste werden auf einer bisher nicht elektrifizierten Strecke komfortabel und emissionsfrei befördert. Diese alternative Antriebstechnik könne einen wesentlichen Beitrag leisten, Nebenstrecken ohne Oberleitung klimaschonend zu betreiben, und könne insbesondere bei der Reaktivierung von Strecken eine Alternative aufzeigen.

Noch in diesem Jahr geht es los

Der Zug wird ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 in Baden-Württemberg und Bayern zum Einsatz kommen. Er ist der erste für den regulären Fahrgastbetrieb zugelassene Batterietriebzug in Deutschland seit den 1960er-Jahren. Einen kurzen Einsatz wird der Zug morgen, am 9. September 2021, im Rahmen der Digital Rail Convention in Annaberg-Buchholz haben. Gäste sind dann u. a. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sowie Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen.

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