DsiN-Sicherheitsindex vorgestellt 25. Jun 2020 Von Jens D. Billerbeck

Nachholbedarf bei digitaler Aufklärung

Bereits zum siebten Mal wurde der Sicherheitsindex der Initiative „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) vorgestellt. Obwohl er gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen ist, gibt es noch viele Baustellen bei der Sicherheit im Internet.


Foto: panthermedia.net/ Vladru

„Beim Umgang mit der Corona-Pandemie zeigt sich eindrücklich, wie weit Deutschland mit der Digitalisierung vorangekommen ist“, sagte Rita Hagl-Kehl, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz bei der Vorstellung des DsiN-Sicherheitsindex heute früh in Berlin. „Für viele Menschen sind Homeoffice, Videokonferenzen am Arbeitsplatz und der virtuelle Austausch im Familienkreis mittlerweile Alltag geworden.“ Um so wichtiger wird es daher, dass die Menschen sich im Internet sicher bewegen und Vertrauen in die jeweiligen Angebote aufbauen können. „Denn nur, wer den Diensten vertraut, wird sie auch anwenden“, so Hagl-Kehl weiter.

Wie sicher sind die Nutzenden im Netz, wie sicher fühlen sie sich dabei und welche Unterschiede zwischen einzelnen Nutzegruppen gibt es? Auf diese Fragen versucht der Sicherheitsindex eine Antwort zu geben. Über 100 einzelne Faktoren werden betrachtet, um ihn möglichst genau abzubilden. Mit aktuell 62,8 Prozentpunkten ist er gegenüber dem Vorjahr zum zweiten Mal in Folge leicht gestiegen, aber noch weit von seinem Höchststand im Jahr 2016 (65,4 Prozentpunkte) entfernt. Nach vielen Sicherheitsvorfällen in 2017 brach der Index kräftig ein und erholt sich seitdem wieder.

Digitale Verunsicherung wächst

Thomas Tschersich, DsiN-Vorstand und Chief Security Officer des DsiN-Mitglieds Deutsche Telekom, zeigte sich über den erneuten Anstieg zwar erfreut, ist sich aber sicher: „Da könnte und muss mehr gehen.“ Es gebe in Deutschland eine zunehmende digitale Verunsicherung, die weiter zunehme. Der Index bildet das ab: Das Verunsicherungsgefühl stieg um 0,9 Punkte auf 29,6 Punkte an. Es erreicht damit seinen bisher höchsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2014. Die Zahl der Sicherheitsvorfälle geht laut Tschersich hingegen bereits im zweiten Jahr in Folge deutlich zurück, nachdem dieser im Zeitraum von 2016 bis 2018 stark angestiegen war.

„Wir brauchen ein Gesamtpaket, das Vertrauen schafft. Es geht um nachhaltige Unterstützerstrukturen – bis in jedes Dorf“, ist der DsiN-Vorstand überzeugt. Zwar verfügen die Menschen in Deutschland über ein so großes digitales Sicherheitswissen wie noch nie. Der Wert erreichte mit 89 Punkten ebenfalls einen neuen Höchststand. Doch Internetnutzende wenden ihr Wissen noch immer zu selten an. Tschersich: „Mit 51,2 Punkten (+0,2) beim Sicherheitsverhalten verzeichnen wir die größte Wissens-Verhaltens-Lücke seit Beginn der Studie.“

Menschen wünschen sich die digitale Verwaltung

Die „Digitalen Bürgerportale“ hat der Studienpartner des DsiN, das Beratungsunternehmen Kantar, als Fokusthema für 2020 ausgewählt – also Informationsangebote sowie Dienste von Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen. Sie ermöglichen, Behördengänge online zu erledigen, idealerweise rund um die Uhr, sieben Tage lang. Insgesamt sollen 575 Verwaltungsleistungen laut Onlinezugangsgesetz bis 2022 digitalisiert werden.

„Unsere Studie zeigt: Aktuell wünscht sich die große Mehrheit der Befragten, dass mehr Dienstleistungen der öffentlichen Hand online zugänglich gemacht werden“, erläutert Tobias Weber von Kantar. Doch die Menschen wollen beides. Weber: „Obwohl sich eine knappe Mehrheit sogar ein ausschließliches Onlineangebot der Verwaltung vorstellen kann, wollen die meisten nicht komplett auf analoge Behördengänge verzichten. Einem gleichberechtigten Mix aus Online- und Offlineangeboten stimmen vier von fünf Internetnutzenden in Deutschland zu.“

Positiv vermerkt Weber, dass das Vertrauen der Menschen in digitale Dienste aus der öffentlichen Hand hoch sei. Über 80 % halten digitale Bürgerdienste insgesamt für sicher, jeder Dritte davon sogar für „sicher bis sehr sicher“: „Es gibt einen großen Vertrauensvorsprung bei digitalen Angeboten des Staates“, betont Tschersich. „Das ist eine Chance und ein Weckruf für Politik und Behörden, Ernst zu machen mit der Digitalisierung der Verwaltung. Die Bürger wünschen sich eine größere Partizipation in digitalen Verwaltungsbelangen.“

Aktiv Sicherheit gestalten

Erklärtermaßen sieht sich die Initiative „Deutschland sicher im Netz“ nicht nur als analysierende Instanz, die dann Forderungen an die Politik stellt. Der Verband ist auch selbst aktiv, um das Bewusstsein der Internetnutzenden für Sicherheitsfragen zu stärken. So will DsiN als Ergebnis der jüngsten Studie seine Unterstützung auch im Schulbereich erweitern: Im Programm „DigiBitS – Digitale Bildung trifft Schule“ können sich Schulen in teilnehmenden Bundesländern ab sofort zur kostenfreien Teilnahme am DigiBitS-Jahresprogramm 2020/21 bewerben. Das Jahresprogramm unterstützt Lehrende und Lernende bei der digitalen Kompetenzvermittlung im Fachunterricht.

Für eine stärkere Partizipation gerade ländlicher Regionen richtet der Verein im Herbst die erste „Digitale Woche“ in Partnerschaft mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) aus. „Viele Menschen und Initiativen in Deutschland engagieren sich bereits für einen sicheren Umgang mit dem Internet. Mit der ‚Digitalen Woche‘ wollen wir das sichtbarer machen – mit einem bundesweiten IT-Festival, an dem sich jede Organisation beteiligen kann“, kündigte Tschersich an.

Mehr zum Thema  lesen Sie im Fokus „Digitalsierung der Verwaltung“ im aktuellen E-Paper der VDI nachrichten.

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