Hightech im All 13. Nov 2019, 15:10 Uhr Jens D. Billerbeck/DPA

Neue Satelliten für bessere Sturmwarnungen

Sie beobachten Blitze und die Entwicklung von Wolken: Fünf neue Satelliten sollen künftig Wettervorhersagen viel präziser machen. Forscher erwarten sich von den genaueren Daten aus dem All noch mehr.

Blitz vom Orbit betrachtet.
Foto: ESA

Binnen Sekunden ziehen schwarze Wolken auf. Heftige Gewitter und schwere Stürme können Gefahr für Leib und Leben bedeuten. Eine neue Generation von Wettersatelliten soll künftig Vorhersagen und Warnungen genauer machen, teils bis hin auf die lokale Ebene. Die meteorologische Satellitenagentur Europas, Eumetsat, will in den kommenden Jahren neue Beobachtungssysteme mit Hightech an Bord ins All bringen. Drei Satelliten sollen die Erde in einer Höhe von 36 000 km umlaufen, zwei andere in rund 700 km. Experten aus den 30 Mitgliedstaaten von Eumetsat diskutierten heute in Darmstadt über Chancen und Nutzen der neuen Technologien.

Nutzen für Industrie und Lebensrettung

„Diese Satellitensysteme werden es den nationalen Wetterdiensten ermöglichen, Bürgern und Industrie von größerem Nutzen zu sein, und dabei helfen, Leben und Eigentum zu schützen, was positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird“, sagte der Generaldirektor von Eumetsat, Alain Ratier.

Künftig könnte die Luftqualität besser gemessen, Stürme eher vorhergesagt und die Klimavorhersage verbessert werden, sagt der Leiter der Forschungsabteilung für Erdbeobachtung bei Eumetsat, Bojan Bojkov, mit Blick auf das wesentlich genauere Datenmaterial. „Wir werden dann nicht mehr punktuell von Unwettern überrascht.“

Der letzte Schrei in der Technologie

Der Start des ersten Satelliten ist für Ende 2021 geplant. Bojkov zufolge sollen binnen dreieinhalb Jahren alle Messgeräte im Orbit sein. Die Kosten für Raketen, Auswertung, Datenverwaltung oder auch den Bau würden sich bis 2040 auf mehrere Milliarden Euro belaufen.

Mit den Instrumenten und den genaueren Daten könnten größere wirtschaftliche Schäden verhindert werden. „Die Instrumente sind der letzte Schrei in der Technologie“, sagte Bojkov.

Blitze aus dem Orbit orten

„Die räumliche und zeitliche Auflösung der Daten wird verbessert“, sagte der Leiter des Bereichs Wettervorhersage beim Deutschen Wetterdienst, Hans-Joachim Koppert. „Es sind Instrumente an Bord, die wir so nicht kannten.“ So könnten Blitze künftig aus dem Orbit erkannt werden, was bislang nicht ging. In Europa würden Blitze bislang über ein Bodensystem geortet, über Afrika oder dem Atlantik sei das so aber nicht möglich. Die Beobachtung aus dem All sei auch ein Plus an Sicherheit für die Luftfahrt.

Zudem können Koppert zufolge Wolken-, Nebel- oder Rauchentwicklungen früher erkannt werden. Das diene präziseren Vorwarnungen und besseren wie auch längerfristigen Wettervorhersagen. Bei Waldbränden könnten somit Einsatzkräfte früher vorgewarnt und besser an die Brandherde geschickt werden.

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