Klima und Umwelt in der Corona-Krise 24. Mrz 2020 Von Stephan W. Eder

Nutzen des Kohleausstiegs – Corona-Krise schützt Klima

Manches macht die Corona-Krise erst manifest: wie still, wie sauber, mit wie wenig Emissionen belastet es doch auch sein könnte. Dennoch hat das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ausgerechnet, was ein Kohleausstieg bringt und was er kostet. Einiges, aber es soll sich lohnen, allein, weil die positiven Effekte vor Ort greifen. Es würde einfach bessere Luft geben.


Foto: panthermedia.net/rparys

Deutschland kann das bisher schon abgeschriebene Klimaschutzziel für dieses Jahr doch noch erreichen. 40 % weniger Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Bezugsjahr 1990 – nicht mehr machbar, hieß es bisher. Wo die Corona-Krise das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben aber massiv einschränkt, sinkt der CO2-Ausstoß deutlich.

„Wir werden eine Reduzierung der Emissionen durch Corona erleben“, sagte der Präsident des Umweltbundesamts (UBA), Dirk Messner, bei der Vorlage der Treibhausgas-Emissionszahlen für 2019 in der letzten Woche. Doch seien dies keine strukturellen Effekte, die das Problem auf Dauer lösen. Ein Rückgang bei den Emissionen durch die Corona-Krise könne im Gegenteil die Notwendigkeit überdecken, die Wirtschaft klimafreundlich umzubauen.

Die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland werden 2020 vor allem aufgrund der Corona-Krise um 40 % bis 45 % unter das Niveau von 1990 sinken; das zumindest sieht der Thinktank Agora Energiewende. „Damit dies kein Einmaleffekt ist, auf den 2021 wieder höhere Emissionen folgen, ist ein grünes Wachstums- und Investitionsprogramm nötig“, empfahl die Berliner Organisation Ende letzter Woche.

Meteorologen warnen: Bessere Luft durch die Corona-Krise führt nicht zu Klimaschutz

Die Weltmeteorologieorganisation (WMO) mit Sitz in Genf warnte, dass die kurzfristig saubere Luft durch die Corona-Krise nicht zwangsweise zu langfristigem Klimaschutz führen würde. „Die Erfahrungen der Vergangenheit lassen vermuten, dass auf einen Emissionsrückgang in Wirtschaftskrisen ein rascher Anstieg folgt. Diese Entwicklung müssen wir durchbrechen“, forderte WMO-Chef Petteri Taalas, am Freitag in einer Mitteilung.

Jede Verringerung von Treibhausgas-Emissionen als Ergebnis der durch Covid-19 angeregten wirtschaftlichen Krise sei kein Ersatz für koordinierte Klimaschutzaktivitäten, so die WMO. „Die muss dieselbe Einigkeit und dasselbe Engagement für Klimaschutz und das Verringern von Treibhausgas-Emissionen zeigen, wie sie es jetzt beim Eindämmen der Coronavirus-Pandemie tut“, so Taalas.

Globaler Kohleausstieg neu berechnet

Nach Meinung von Klimaschutzforschern sollte ein rascher Ausstieg aus der Kohlenutzung bei solch einem Engagement eine Kernrolle spielen. Mit mehr als einem Drittel der weltweiten Emissionen ist die Kohleverbrennung die wichtigste Einzelquelle von CO2-Emissionen. Zudem beeinträchtigt sie die öffentliche Gesundheit und die biologische Vielfalt.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) veröffentlichte daher heute Nachmittag, wie es hieß, „stichhaltige ökonomische Argumente, warum sich der Aufwand lohnt“, aus der Kohlenutzung rasch auszusteigen. Neue Computersimulationen eines internationalen Forscherteams würden zeigen, dass die Welt das sogenannte 2-Grad-Ziel verfehlen würde, „wenn wir weiterhin Kohle verbrennen. Zweitens überwiegen die Vorteile eines Ausstiegs aus der Kohleverbrennung die Kosten dafür deutlich. Drittens greifen die positiven Effekte eines Ausstiegs zumeist unmittelbar und direkt vor Ort – was die Umsetzung politisch attraktiv macht“, so das PIK in einer Mitteilung.

Rechnet sich der Kohleausstieg? „Ja, bei Weitem“

Für ihre Computersimulationen betrachteten die Forscher alle Energiesektoren, inklusive der Stromerzeugung, aber auch einschließlich Verkehr, Gebäude, Industrie und Landwirtschaft. „Wir stellen fest, dass die Menschheit auf der Grundlage der derzeitigen Klimaverpflichtungen aller Länder im Rahmen des Pariser Abkommens bisher nicht auf dem Weg ist, die globale Erwärmung unter 2 °C zu halten. Wenn jedoch alle Länder den Kohleausstieg einleiten würden, kämen wir dem Ziel weltweit um 50 % näher“, so Leitautor Sebastian Rauner vom PIK. Für kohleintensive Volkswirtschaften wie China und Indien würde ein Ausstieg aus der Kohle die Lücke bis 2030 sogar um 80 % bis 90 % schließen.

Neu an den Computersimulationen sei, dass erstmals auch die Schäden an Mensch und Umwelt, die Kohleverbrennung verursacht, in Geld ausgedrückt und so mit den Kosten für den Klimaschutz vergleichbar werden: „Insbesondere haben wir zwei Arten von Umweltkosten betrachtet“, so Rauner: die Kosten für die menschliche Gesundheit, maßgeblich verursacht durch Atemwegserkrankungen, und den Verlust an biologischer Vielfalt, gemessen an den Kosten für die Renaturierung derzeit bewirtschafteter Flächen. „Die Kosten des Klimaschutzes wiederum bestehen hauptsächlich aus einem möglicherweise verringerten Wirtschaftswachstum und zusätzlichen Investitionen in das Energiesystem.“

Kohleausstieg bringt 2050 370 $ für jeden

„Die Kosteneinsparungen durch verringerte Schäden an Gesundheit und Ökosystemen überkompensieren die direkten wirtschaftlichen Kosten eines Ausstiegs aus der Kohleverstromung deutlich“, erklärt Gunnar Luderer, Leiter der Energieforschungsgruppe am PIK. 2050 sehen die Forscher netto eine Ersparnis von rund 1,5 % der globalen Wirtschaftsleistung – umgerechnet 370 $ für jeden Menschen.

Da China und Indien heute einen Großteil ihres Energiebedarfs aus Kohle deckten, könnte dieser Vorteile für die Menschen dort bereits 2030 und nicht erst 2050 spürbar werden, so Luderer. In beiden Ländern leidet die Bevölkerung unter massiver Luftverschmutzung, die eben zum Teil auch aus der Kohlefeuerung herrührt. Genau deshalb würden die Menschen dort die positiven Auswirkungen eines Kohleausstiegs fast unmittelbar in ihrem täglichen Leben spüren, so die Forscher.

Link zum Artikel nach Veröffentlichung:

https://www.nature.com/articles/s41558–020–0728-x

Tags: Corona

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