Heizungen ohne fossile Brennstoffe 27. Nov 2019, 13:08 Uhr Wolfgang Kempkens

Pellets und Umweltwärme als Alternative

30 Jahre alte Heizkessel müssen ausgetauscht werden. Wer der Umwelt helfen will kann sich für nicht-fossile Lösungen entscheiden. Diese sind in der Anschaffung allerdings teilweise deutlich teurer. Finanzhilfen erleichtern die Entscheidung.


Foto: panthermedia.net/stocksnapper

Heizkessel, die 1990 installiert wurden, müssen im kommenden Jahr ausgetauscht werden. 30 Jahre sind genug, sagte sich der Gesetzgeber, als er die Energieeinsparverordnung beschloss, um die Kohlendioxid-Emissionen zu verringern. Der Brennstoffverbrauch und damit die Emissionen sinken allein durch den Austausch alter Gas- und Ölkessel um etwa 30%. Gerade mal 6,5 Millionen moderne Brennwertkessel waren 2017 nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie in Betrieb, heute dürften es etwa eine Million mehr sein. Dagegen standen 12,5 Millionen Kessel, die den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen und in den nächsten Jahren ausgetauscht werden müssen. Etwa eine Million dürfte bereits erneuert worden sein.

In den meisten Fällen bleiben Heizungsbetreiber bei ihrem Brennstoff. Lediglich die Heizölnutzer steigen oft auf Erdgas um, wenn es verfügbar ist, weil dieser Brennstoff frei Haus geliefert wird und keine Bevorratung nötig ist. Aber muss es denn immer fossil zugehen? Es gibt eine Reihe von Alternativen, die allerdings höhere Investitionen erfordern.

Was für und gegen Pelletkessel spricht

Die wichtigsten sind Wärmepumpen und Pelletkessel, die mit Holz betrieben werden. Sie emittieren nur so viel Kohlendioxid (CO2) wie der Rohstoff Holz zuvor aus der Luft entfernt hat. Ganz geht die Rechnung allerdings nicht auf. Über Jahrzehnte hat das Holz CO2 gespeichert und so der Atmosphäre entzogen. Ausgerechnet heute, in einer Zeit, in der der Kampf gegen den Klimawandel wohl in die entscheidende Phase eingetreten ist, wird es dann wieder freigesetzt.

Pelletkessel mit automatischer Befüllung sind fast genauso komfortabel wie Ölkessel. Wenn es keine Störungen gibt muss der Betreiber in regelmäßigen Abständen lediglich die Asche entsorgen. Kessel, die von Hand mit Pellets versorgt werden, sind billiger und weniger störanfällig, aber eben nicht so komfortabel. Die Kosten liegen zwischen 15.000 und 20.000 Euro für ein Ein-Familien-Haus, so das Internet-Portal heizung.de, das vom Kesselhersteller Viessmann betrieben wird. Das ist mindestens zweimal mehr als eine Gas- oder Ölheizung kostet. Der Brennstoff ist allerdings billiger, was jedoch kein Dauerzustand sein muss. Der Pelletpreis kann durchaus anziehen, wenn Heizen mit Holz sich weiter verbreitet. Außerdem ist nicht sicher, dass Pellets stets aus Holz aus Wäldern hergestellt werden, die mit Verantwortung für Natur und Klima bewirtschaftet werden.

Solarenergie lässt sich einbinden

Ebenso wie bei Gas- und Ölheizungen ist es möglich, Solarenergie einzubinden. Kollektoren übernehmen vor allem im Sommer einen Teil der Erwärmung von Duschwasser. Auch Solarmodule helfen beim Einsparen von Brennstoff. Betreiber, die über eine Pufferbatterie verfügen, können Strom, der nicht direkt verbraucht wird, bei gefülltem Akku nutzen, um Wasser zu erwärmen. Die Entscheidung für Power-to-Heat (Strom zum Erwärmen) ist oft wirtschaftlicher als die Einspeisung ins Netz. Bei neuen Anlagen liegt der Erlös bei rund elf Cent pro Kilowattstunde.

Wärmepumpen kosten zwischen 8.000 und 20.000 Euro. Hauptvertreter sind die Luft- und die Erd- oder Wasser-Wärmepumpe. Erstere bezieht ihre Energie gemäß ihrer Bezeichnung aus der Luft, die anderen Modelle aus der Erde beziehungsweise dem Grundwasser. Diese Anlagen nehmen zwei Drittel der Energie zur Produktion von Wärme aus der Umwelt. Der Rest kommt aus dem Stromnetz, kostet also rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Kostenfaktor lässt sich deutlich senken, wenn Strom vom Dach genutzt wird. Auch hier ist eine Pufferbatterie hilfreich.

Die Luft-Wärmepumpe ist am billigsten

Vergleichsweise billig ist eine Luft-Wärmepumpe. An besonders kalten Tagen kann die Energie, die sie aus der Luft entnimmt, allerdings nicht ausreichen. Für diesen Fall ist ein Spitzenlastkessel nötig. Darauf kann man bei Erd- und Wasserwärmepumpen eher verzichten. Allerdings sind die Investitionskosten weit höher. Wenn die Energie der Erde entnommen werden soll müssen in einer Tiefe von etwa einem Meter Rohrleitungen verlegt werden, durch die Wasser gepumpt wird. Es nimmt die Erdwärme auf und transportiert sie in die Wärmepumpe. Diese hebt das Temperaturniveau, das meist acht Grad Celsius erreicht, auf die gewünschte Höhe an.

Um die Wärmeenergie des Grundwassers zu nutzen muss ein Loch gebohrt werden, und zwar umso tiefer, je tiefer der Grundwasserspiegel ist. Das kann sehr teuer werden. Dorthinein wird ein Doppelrohr versenkt, das am unteren Ende miteinander verbunden ist. Durchströmendes Wasser transportiert die im Wasser gespeicherte Energie an die Oberfläche. Als umweltverträglich geltende Heizsysteme werden von Bund, Ländern, Kommunen und Energieversorgern finanziell stärker gefördert als fossile Anlagen.

Elektrisch Heizen nur in Ausnahmefällen

Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren Nachtspeicherheizungen der Renner. Die Energieversorger verkauften Nachtstrom zu günstigen Preisen, um ihre Kraftwerke konstant fahren zu können. Heute liegt der Preis bei gut 20 Cent pro Kilowattstunde. Da wird das Heizen zum teuren Spaß, welche Heizungsart auch immer gewählt wird. Ein Umstieg von fossil auf elektrisch betriebene Heizungen kommt nur in den seltensten Fällen in Frage, weil dazu gesonderte Stromleitungen in jeden Raum gelegt werden müssen, der beheizt werden soll.

Einzig bei sehr gut isolierten Neubauten kann sich der Einbau von elektrischen Wärmespendern lohnen, weil das Stromnetz vorab geplant werden kann. Die Kosten lassen sich in Grenzen halten, wenn von Anfang an eine große Solaranlage mit Pufferbatterie eingeplant wird. Dann gibt es Wärme zeitweise zum Nulltarif.

Warten auf synthetische Brennstoffe

Auch Blockheizkraftwerke sind eine Alternative. Sie erzeugen neben Heizungswärme auch Strom und erhitzen Brauchwasser. Üblicherweise werden sie mit Diesel oder Erdgas betrieben, sind also keine wirkliche Alternative. Es gibt allerdings auch Anlagen, die Rapsöl schlucken, also nur so viel CO2 emittieren wie die Pflanze zuvor der Luft entnommen hat.

In möglicherweise nicht allzu ferner Zukunft können auch normale Blockheizkraftwerke umweltneutral laufen. Einzelne Politiker sprechen sich bereits für die Förderung von Initiativen zur Herstellung synthetischer Kraft- und Brennstoffe aus. Diese werden aus Ökostrom, Kohlendioxid und Wasser hergestellt. Strom spaltet Wasser. Der entstehende Wasserstoff reagiert mit Kohlendioxid in einem ein- oder zweistufigen Prozess zu synthetischem Methan, das wie Erdgas genutzt werden kann, oder zu Treibstoffen wie Diesel. Bei der Verbrennung wird genauso viel CO2 frei wie zuvor zur Herstellung aus der Luft entfernt worden ist.

Wer Wert auf Gemütlichkeit legt kann sich zusätzlich zur Heizung einen Kamin bauen lassen, der in den Warmwasserkreislauf eingebunden ist, sodass er die Heizung unterstützt. Billig ist das allerdings nicht. Ein paar Tausender sind da schon fällig.

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