Wirtschaft stemmt sich gegen Corona 17. Apr 2020 von Martin Ciupek

Produktion wird wieder hochgefahren

Viele Produktionsbetriebe standen wegen der Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen still. Nach und nach laufen sie wieder an – in China, aber auch in Europa.


Foto: Volkswagen AG

Diese Woche wurde im Bundestag über Lockerungen der Kontaktbeschränkungen entschieden, damit die Wirtschaft durch das Virus SARS-CoV-2 nicht noch weiter beeinträchtigt wird. Auch Produktionsunternehmen in Europa planen inzwischen die Produktion wieder aufzunehmen. In China haben einige Unternehmen damit begonnen, eigene Schutzmasken herzustellen, um einen sicheren Produktionsablauf gewährleisten zu können.

Automobilkonzern nutzt Erfahrungen aus China

Von den deutschen Automobilherstellern hat der Volkswagen-Konzern als erster angekündigt, seine Pkw-Fertigung in Zwickau und Bratislava (Slowakei) ab 20. April wieder aufzunehmen. In Zwickau wurde die Produktion 2020 umgestellt. Hier läuft seit wenigen Monaten das neue Elektrofahrzeug ID.3 vom Band. An den anderen deutschen Standorten sowie in Spanien und Portugal soll der Produktionsstart eine Woche später erfolgen. Beim Wiederanlauf greift der Konzern nach eigenen Angaben auf Erfahrungen beim Hochlauf seiner Produktionsstätten in China zurück. Dort habe VW Maßnahmen zum Gesundheitsschutz erfolgreich umgesetzt und produziere in 32 der 33 Werke bereits wieder. Das weitere Vorgehen erfolgt laut den Wolfsburgern im engen Austausch innerhalb des Volkswagen-Konzerns unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Beim Deutschen Maschinenbauer Manz AG aus Reutlingen läuft die Produktion in Deutschland seit dieser Woche bereits wieder. Am 20. Mai hatte das weltweit tätige Unternehmen für die deutschen Werke sowie den Standort in Italien eine dreiwöchige Betriebsruhe angeordnet. Ab kommender Woche soll auch am Entwicklungsstandort für Lithium-Ionen-Batterien und Kondensatoren in Italien wieder gearbeitet werden. Basis dafür ist ein Erlass des italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, der am 14. April in Kraft getreten ist. Damit wurde die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien und Kondensatoren auf die Liste der wesentlichen Geschäftsaktivitäten des Landes aufgenommen. Für die Manz Italy s.r.l. in der Region Bologna ist das ein wichtiger Schritt zurück zur Normalität. Alle Beschäftigten, die nicht unmittelbar an der Produktion beteiligt sind, arbeiten jedoch weiterhin im Homeoffice, heißt es von Manz. Damit werde man der Empfehlung der italienischen Regierung gerecht.

Schutzmasken als Auflage

In China haben Unternehmen schon länger wieder ihre Produktion aufgenommen. Allerdings gelten auch dort strenge Auflagen. Somik Das, Analyst bei GlobalData: „Die chinesische Regierung erlaubte Unternehmen die Wiederaufnahme der Produktion nur dann, wenn sie neben anderen Maßnahmen genügend Gesichtsmasken für ihre Mitarbeiter hatten.“ Dadurch sei die Nachfrage nach Masken, Desinfektionsmitteln und anderer Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) stark gestiegen und habe das Angebot am Markt übertroffen. „Elektronikhersteller wie Foxconn hat das dazu veranlasst, mit der Produktion von Gesichtsmasken zu beginnen, mit dem klaren Anreiz, die Produktion wieder in Gang zu bringen“, berichtet der GlobalData-Analyst.

Auch BYD, einer der größten Automobilhersteller Chinas, produziere inzwischen Gesichtsmasken mit Filterwirkung und habe die größte Fabrik dafür in Shenzhen errichtet. Dem Automobilhersteller Shanghai General Motors Wuling (SGMW) liefere inzwischen ein Zulieferer, von dem zuvor Textilien für die Innenausstattung von Autos kamen, Textilien in medizinischer Qualität. Auch diese dienen nur der Herstellung von Schutzausrüstung. Seit kurzem produziert auch der deutsche Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen etwa 100 000 Masken am Tag. Maschinen dafür hatte der Automobilzulieferer von einem kleinen chinesischen Gesichtsmaskenhersteller übernommen und in sein Werk in Schanghai gebracht.

Kapazitäten sinnvoll nutzen

Auch in Deutschland sollen verstärkt Schutzmasken zum Einsatz kommen. Mit Projektpartnern hat sich deshalb das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen das ambitionierte Ziel gesteckt, in nur vier Wochen eine Produktionsanlage aufzubauen, mit der sich täglich etwa 50 000 Masken zum Mund-Nase-Schutz (MNS) produzieren lassen. Bei den Masken handelt es sich um einen einfachen Schutz, wie er beispielsweise von Ärzten und Pflegern verwendet wird, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden. Gemeinsam mit der IBF Automation GmbH aus Freudenberg bauen die Wissenschaftler im Auftrag der Moss GmbH aus Lennestadt im Sauerland dazu gerade eine Produktionsanlage für MNS-Masken in Deutschland auf. Bei der Druckerei Moss, deren Kerngeschäft in Druckaufträgen für den Messebau und den Einzelhandel liegt, waren durch die Corona-Pandemie Kapazitäten in der Nähabteilung frei geworden. Zunächst hatte das Unternehmen dann sogenannte Community-Masken ohne medizinische Standards hergestellt. Durch Beziehungen nach China habe das Unternehmen nun Zugang zu Konstruktionsplänen für Produktionsanlagen von MNS-Masken erhalten und baue nun eine entsprechende Produktion in Deutschland auf.

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