EU-Satellitenkonstellation 19. Mrz 2021 Von Iestyn Hartbrich

Berlin kritisiert Brüsseler Ausschreibungskriterien

Der Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung befürchtet „vorzeitige Weichenstellungen“ und bringt eine Start-up-Quote ins Spiel.

Bild: Mynaric

Die deutsche Bundesregierung hat die Ausschreibungspolitik von EU-Kommissar Thierry Breton kritisiert. Breton lässt in einer Studie Pläne für eine Satellitengroßkonstellation vorbereiten. Für die Studie waren nur Unternehmen zugelassen, die bereits mindestens fünf Raumfahrtaufträge mit einem Volumen von jeweils 100 Mio. € und mehr abgewickelt haben. Daraufhin erhielten neun Konzerne den Zuschlag, darunter mit den Satellitenherstellern Airbus, Thales Alenia Space und OHB sowie dem Raketenbauer ArianeGroup das Who‘s who der europäischen Raumfahrt.

„Mir scheint momentan ein Konstrukt zu entstehen, bei dem alle etablierten Akteure ein gemeinsames Konsortium bilden. Das kann nicht funktionieren und führt dazu, dass die Entscheidungen politisch getroffen werden und disruptive Ideen keine Chance haben“, kritisiert Thomas Jarzombek, der im Bundeswirtschaftsministerium die deutschen Raumfahrtaktivitäten koordiniert.

Start-up-Quote

Jarzombek fordert, dass Start-ups und Mittelständler beteiligt werden und bringt eine Quote ins Spiel. „Eventuell sollte eine Start-up/KMU-Quote von beispielsweise 25 % festgelegt werden, um innovative Lösungen einzubringen“, sagte Jarzombek den VDI nachrichten.

Parallel zu den neun Großen hat ein Konsortium von überwiegend deutschen Mittelständlern eine eigene Studie begonnen. Jarzombek begrüßt die Initiative. „Die Zukunft der Raumfahrtindustrie heißt für mich Wettbewerb. Mit einer parallelen Studie könnten sich Wettbewerb und neue dynamische Ideen entwickeln“, sagt der Raumfahrtkoordinator.

„Vorzeitige Weichenstellungen“

Die Bundesregierung fordert faire Bedingungen und niedrige Eintrittsschwellen. „Sonst droht es zu einer vorzeitigen Weichenstellung zu kommen und dazu, dass die Classic-Space-Economy ihre eigenen Aufträge definiert. Daher müssen die Beschaffungen natürlich in einem offenen, inklusiven Wettbewerb stattfinden“, sagt Jarzombek.

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