Industrie 4.0 25. Sep 2020 Von Martin Ciupek

Verbände wollen offenen Standard für digitalen Zwilling vorantreiben

Gemeinsam mit zunächst 20 Unternehmen haben die Branchenverbände VDMA, ZVEI und Bitkom die Nutzerorganisation „Industrial Digital Twin Association“ gegründet. Damit möchten sie die Weiterentwicklung der digitalen Abbilder in der Industrie vorantreiben. Basis dafür ist die im Rahmen der Plattform Industrie 4.0 konzipierte Verwaltungsschale.


Foto: panthermedia.net/WrightStudio

Die Idee ist einfach: Jede Komponente und jedes Gerät in der smarten Fabrik soll ein digitales Abbild haben, mit dem Veränderungen in der Produktion vorab simuliert werden können. So weit, so gut. Allerdings müssen die einzelnen Produkte so beschrieben sein, dass die Informationen auch herstellerübergreifend gelten. Und hier gibt es aktuell noch Probleme. Mit der Verwaltungsschale wurde im Rahmen der Zusammenarbeit von Unternehmen und Verbänden unter dem Dach der Plattform Industrie 4.0 bereits eine Basis dafür geschaffen, dass Komponenten mit ihren technischen Eigenschaften einheitlich beschrieben werden können und diese Information automatisch miteinander austauschen können. Die Nutzerorganisation „Industrial Digital Twin Association“ (IDTA) will nun noch einen Schritt weitergehen.

Parallel laufende Entwicklung bündeln

Ziel des Vereins ist es, die parallel verlaufenden Entwicklungsstränge zum industriellen Digitalen Zwilling zusammenzubringen und als Open-Source-Lösung gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen zu entwickeln. Anwender profitieren dabei von den frühen Einblicken in die Digitalisierung der Industrieprodukte. Dies reduziert Aufwand, Integrationszeit und -kosten in der eigenen Wertschöpfung.

Die diese Woche von den Industrieverbänden VDMA, ZVEI und Bitkom sowie zunächst 20 Unternehmen gegründete Vereinigung möchte die parallel verlaufenden Entwicklungsstränge zum industriellen Digitalen Zwilling zusammenbringen und als Open-Source-Lösung gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen weiterentwickeln. Anwender sollen dabei von den frühen Einblicken in die Digitalisierung der Industrieprodukte profitieren. Konkret sollen durch die Nutzung von digitalen Zwillingen Aufwand, Integrationszeit und -kosten in der eigenen Wertschöpfung reduziert werden. Neben der Funktionsbeschreibung sowie des Typenschilds gehören zu solchen digitalen Zwillingen u. a. auch Geometrie- sowie Materialinformationen, die einen virtuellen Zusammenbau komplexer Lösungen erlauben, und am Produktlebensende wichtige Informationen zum Recycling liefern können.

Nutzerorganisation koordiniert Vorgehen

Die neue Nutzerorganisation IDTA betreibt dazu aktives Technologiemanagement. Zudem soll sie die Interessen und die Investitionen der teilnehmenden Akteure koordinieren und stärken. Matthias Bölke von Schneider Electric wurde zum Vorsitzenden der IDTA gewählt. Sein Stellvertreter ist Horst Heinol-Heikkinen, Eigentümer von Asentics. Für Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA, ist die Initiative ein Schritt in die richtige Richtung:„Die Exzellenz der deutschen und europäischen Industrie bei der Entwicklung industrieller Produkte ist weltweit anerkannt. Nun ist es an der Zeit, das digitale Ökosystem rund um diese Produkte weltweit mit dem gleichen Qualitätsanspruch zu gestalten.“

In der Elektrotechnikbranche sieht man das ähnlich. Gunther Koschnick, ZVEI-Fachverbandsgeschäftsführer Automation, sagt: „Wir stehen vor der einmaligen Chance, durch den Schulterschluss von Maschinenbau und Elektroindustrie die digitale Wertschöpfung in der Industrie für die nächsten Jahrzehnte zu prägen. Und dies zum Nutzen nahezu aller Wirtschaftszweige, vom Produzenten bis hin zum Endanwender.“

Auch für die Plattform Industrie 4.0 ist das ein positives Signal und ein konsequenter nächster Schritt. „Wir freuen uns, dass wir über VDMA und ZVEI eine neutrale, gleichwohl aber industrieorientierte global durchschlagsfähige Plattform erhalten, die die Kerntechnologie des Digitalen Zwillings für Industrie 4.0 als Open-Source-Lösung in die Welt tragen wird“, betont Frank Melzer, der als Leiter des Lenkungskreises der Nationalen Plattform Industrie 4.0 die Vereinsgründung mitinitiiert hat.

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