Kohleausstieg im Rheinischen Revier 10. Okt 2019 Stephan W. Eder

RWE will versuchen den Hambacher Forst zu erhalten

Rolf Martin Schmitz, der Vorstandschef des Essener RWE-Konzerns, hat in der heutigen Ausgabe der WAZ zum Hambacher Forst gesagt: „Der Erhalt ist politisch und gesellschaftlich gewünscht, und auch wir wollen ihn machbar machen.“


Foto: Andre Laaks/ RWE AG

Es ist noch gar nicht so lange her, nämlich ziemlich genau ein Jahr, im heißen Kohleherbst 2018 im Rheinischen Revier. „Der Hambacher Forst ist nicht zu retten“, sagte RWE-Chef Schmitz in der Talkshow „Maybritt Illner“. Damals ging ein Sturm der Entrüstung durch die Medien. Jetzt sagt er, es ginge doch. Da taucht dann schon die Frage auf: Wie geht das?

Ein Blick in die WAZ zeigt: RWE könne laut einem geologischen Gutachten bis auf 50 Meter an den Forst baggern, ohne seinen Wasserspeicher zu gefährden. Technisch also machbar. Dass der Forst nicht direkt gerodet werden müsse, das besagte übrigens vor Jahresfrist eine „Schnellanalyse“, die Greenpeace vom Freiberger Ingenieurbüro Plejades anfertigen ließ. Und die RWE damals in ihren Aussagen als „nicht realistisch“ einstufte.

Der Erhalt des Hambacher Forsts – machbar, aber kompliziert

Einfach aber dürfte es nicht werden, das symbolträchtige Waldstück dauerhaft zu erhalten. Und lange dürfte es werden, bis man weiß, wie es geht. „Wir brauchen dafür eine ganz neue Braunkohleplanung, die zehn bis 15 Jahre dauert und sehr viel Geld kostet. Wenn das so gewünscht ist, machen wir es“, zitiert die Tageszeitung WAZ den RWE-Chef.

Im Kohlekompromiss schließlich steht, es wäre wünschenswert, den Hambacher Forst zu erhalten, darauf bezieht sich Schmitz. Die Streitfrage zwischen Natur- und Klimaschutz einerseits, einer zuverlässigen Stromversorgung und einem zugesprochenes Recht auf Wirtschaften andererseits beantworteten Politik und Gesellschaft damals für den Hambacher Forst und gegen die Braunkohleverstromung.

Warum kann der Hambacher Forst heute stehen bleiben – vor einem Jahr aber nicht?

Die Fachfragen, die vor einem Jahr auf dem Tisch lagen, scheinen zum Teil inzwischen beantwortet:  Kann RWE die Rodung unter Berücksichtigung der Betriebssicherheit aussetzen? Offenbar ja, denn bisher steht der Wald. Bis wann kann RWE die Rodung aussetzen? Offenbar dauerhaft. Und: Muss der Hambacher Forst weichen? Nein, sagt Rolf Martin Schmitz.

Bergmännisch gesehen hat sich nichts geändert: Der Wald liegt wie ein Pfropfen im Tagebau. Um ihn herum kann nicht gearbeitet werden – man käme so nicht an die Kohleflöze ran, sagte RWE damals: Ohne die Rodung in der Rodungsperiode 2018 käme es „in den nächsten zwei Jahren zu Einschränkungen, bis hin zum Stillstand“, schrieb RWE damals.

Schmitz‘ Einlassungen heute zeigen: RWE ist bereit, die Flöze unter dem Hambacher Forst nicht mehr weiter abzubauen. Dann aber muss ein neuer Abbauplan her, und der muss nicht nur entwickelt, nein, er muss auch erst einmal genehmigt werden. Und er kostet Geld. Wobei die Frage, wer dafür zu zahlen hat, offen ist.

Der Hambacher Forst darf stehen bleiben, weil der Kohlekompromiss es so will.

Nicht mehr und nicht weniger, denn bergmännisch, das stellte RWE vor einem Jahr dar, hätte er wirklich längst weichen müssen. Damals betrug der Abstand zwischen Tagebau und Wald laut RWE ca. 320 m. „Der Tagebaufortschritt beträgt pro Jahr rund 150 m. Bis Oktober 2019 wird sich der Abstand folglich auf etwa 150 m bis 180 m verringert haben. Dies entspricht einem Vorlauf von einem Jahr. Somit bliebe zu wenig Zeit, „um das Vorfeld mit Baumbestand zu beräumen, bevor die Abbaukante den Wald erreicht“, antwortete RWE damals den VDI nachrichten auf Anfrage.

Heute reichen 50 m Abstand zur Abbaukante – um den Forst wirklich erhalten zu können, vor allem ohne seinen Wasserspeicher zu gefährden. Beides widerspricht sich nicht. Der Kohlekompromiss hat die Vorzeichen für die Entscheidung des RWE-Managements anders gesetzt. Heute geht es um den Erhalt des Waldes, damals um den Erhalt des Tagebaufortschritts.

 

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