Chemieunfall 06. Sep 2018, 10:27 Uhr Bettina Reckter

Schwere Verwüstung durch Explosion in Raffinerie von Bayernoil

Ein riesiges, schwarz verkohltes Stahlgerippe auf dem Werksgelände, vier von 15 Verletzten im Krankenhaus und Schäden in Millionenhöhe rings um die Raffinerie – so lautet die vorläufige Bilanz einer schweren Explosion, die sich am frühen Samstagmorgen auf dem Gelände der Bayernoil Raffineriegesellschaft in Vohburg an der Donau ereignet hat.

Löscharbeiten: Nach der Explosion in einer Raffinerie nahe Ingolstadt kämpften bis zu 600 Einsatzkräfte stundenlang gegen die Flammen, um ein Übergreifen auf Tanks und weitere Explosionen zu verhindern.
Foto: dpa Picture-Alliance / Lino Mirgeler

Die Kripo ermittelt in alle Richtungen, die Explosionsursache aber ist weiterhin unklar. Fest steht nur, dass Gassensoren in einer Prozessanlage kurz zuvor Alarm geschlagen hatten. Doch die Werksfeuerwehr kam zu spät. Um 5:15 Uhr explodierte eine Destillationskolonne, in der Flüssiggas verarbeitet wird. Die enorme Detonation war bis ins nahe Ingolstadt zu hören, sie riss Anwohner aus dem Schlaf.

Durch die Explosion und den anschließenden Großbrand zogen dichte Rauchschwaden auf, ein beißender Geruch breitete sich rasch aus. Erste Messungen der Behörden ergaben, dass der Rauch wohl keine gesundheitsgefährdenden Stoffe transportierte. Dennoch wurden vorsichtshalber 2000 Menschen aus den angrenzenden Wohngebieten evakuiert. Der Grund: Die Druckwelle hatte Fensterscheiben eingedrückt und Dächer abgedeckt.

Auf dem Firmengelände bietet sich ein Bild der Verwüstung. „Es ist ein Millionenschaden“, bestätigt Bayernoil-Geschäftsführer Michael Raue. Und fügt erleichtert hinzu: „Den Verletzten geht es den Umständen entsprechend tatsächlich gut.“ Auch an den umliegenden Wohngebäuden wird die Gewalt der Detonation deutlich: „Ganze Hauswände sind umgerissen worden“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der sich noch am Samstag über die Lage vor Ort informierte. Angesichts der Schwere der Verwüstungen sei er froh, dass es keine Todesfälle zu beklagen gebe.

Rund 600 Rettungskräfte waren stundenlang im Einsatz – Feuerwehr, THW, Notärzte und die Polizei. Alle Feuer seien gelöscht, allerdings hielten sich noch einige hartnäckige Glutnester, die die Feuerwehr weiter beschäftigt.

„Über die Fackel am Standort Vohburg werden Anlagenteile entspannt“, heißt es in einer Mitteilung von Bayernoil. Man bitte die Bevölkerung um Verständnis, dass Produktionsreste aus den Leitungen gezielt bei kleiner Flamme abgebrannt werden müssten. Die Aufräumarbeiten laufen, über die Ursache aber war bis zum Redaktionsschluss am Dienstag nichts zu erfahren. Ein Teil der Anlage hat indes die Produktion wieder angefahren. Auf dem knapp 130 ha großen Raffineriegelände verarbeitet Bayernoil Rohöl zu Benzin, Dieselkraftstoff, Heizöl, Kerosin, Bitumen und Schwefel. Die Anlage wurde von BP errichtet und ist seit 1967 in Betrieb.

mit Material von dpa

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