Team-Softwareanbieter 17. Okt 2019, 13:25 Uhr dpa/Wolfgang Schmitz

Slack nimmt Kurs auf Europa

Bei privaten Chats boomen Messenger-Anbieter wie WhatsApp & Co. Auch in Konzernen und Start-ups wird beruflich intensiv gechattet. Einer der Anbieter für Teams in Unternehmen ist Slack. Doch zwei US-Riesen kontern.


Foto: panthermedia.net / peus

Der Messaging- und Kommunikationsdienstleister Slack will Europa als Wachstumsmarkt noch stärker in den Blick nehmen und besonders in Deutschland wachsen. „Deutschland ist ein perfektes Land für uns“, sagt Slack-Chef und Mitgründer Stewart Butterfield. „Wir sollten hier zehnmal mehr Kunden haben als heute.“

Ein entscheidendes Thema für die Kunden in Europa sei, dass ihre Daten auch hier gespeichert würden, meint der neue Slack-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Oliver Blüher. „Das ist extrem wichtig, keine Frage.“ Das US-Unternehmen hatte kürzlich die Speicherung auch in Deutschland angekündigt. Ziel sei weiterhin, nach der nun bereits mit Kunden laufenden Testphase im Dezember regulär zu starten. Slack baut sein Deutschland-Büro gerade in München auf.

Alternative zu E-Mails

Slack bietet Unternehmen eine Teamsoftware zur Kommunikation – vom einfachen Chat bis zur komplexen Zusammenarbeit etwa bei Projekten. Dies soll auch eine Alternative zu E-Mails sein. „Wir haben nie gesagt, wir seien ein E-Mail-Killer“, betonte Butterfield. Aber Slack sei in vielen Fällen besser.

Mittlerweile hat Slack auch eine Verbindung zu E-Mails geschaffen. „Die Möglichkeit einer solchen Brücke ist sehr wichtig.“ Zudem lassen sich in Slack aktuell viele hundert Apps integrieren und damit andere Anwendungen wie Kalender, Auftragsabwicklung und Projektmanagement direkt ansteuern.
Der Kanadier Butterfield hatte Slack 2013 gestartet und ist CEO. Zur Jahresmitte 2019 ging das Unternehmen an die Börse. Mit seiner kostenlosen Basisversion ist Slack besonders bei Start-ups beliebt. Es sei aber keineswegs richtig, dass dies bei großen Unternehmen weniger der Fall sei, sagte Butterfield. Im Gegenteil, Slack sei gerade für Konzerne mit vielen Mitarbeitern ideal und erfolgreich.

„Natürlich spüren wir den Druck“

Neben Slack haben unter anderem Microsoft („Teams“) und Facebook („Workplace“) später gestartete Konkurrenzprodukte – und es gibt noch weitere Anbieter. Besonders Microsoft drängt massiv in den Markt. „Natürlich spüren wir den Druck“, räumt Butterfield ein. Slack verzeichnete zuletzt nach eigenen Angaben rund 12 Mio. täglich aktive Nutzer, Microsoft „Teams“ etwa 13 Mio..

Butterfield hält im Prinzip auch eine Brücke zur Kommunikation zwischen den verschiedenen Diensten für denkbar. „Wir wären dafür definitiv offen.“ Zugleich nannte er das aber „sehr komplex“ und schränkte ein: „Das ist technisch schwieriger als es scheinen mag.“

Größter Markt für Slack sind die USA, gefolgt von Japan. Bereits seit einiger Zeit arbeite rund die Hälfte der Nutzer außerhalb der USA und Kanada. Innerhalb Europas ist das Unternehmen in Skandinavien sehr erfolgreich.

Konzentration im Münchner Raum

Vom neuen Deutschland-Standort in München aus sollen neben einem Verkaufsteam auch IT-Mitarbeiter und Kundenberater im Einsatz sein. Beschäftigtenzahlen nannte Bühler nicht. In München hat auch Microsoft seine Deutschland-Zentrale. Und Googles inzwischen größter deutscher Standort ist dort, obwohl die Landeszentrale in Hamburg sitzt.

Slacks Entscheidung für München fiel besonders mit Blick auf das Potenzial großer Unternehmen im Süden. In der Auswahl waren auch Hamburg als Medienstadt und Berlin mit seinen vielen Start-ups, wo Slack aber ohnehin bereits gut vertreten sei. Weltweit hat Slack mittlerweile mehr als 1800 Mitarbeiter an einem Dutzend Standorten.

 

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