Intelligente Stromnetze 30. Jan 2020 Stephan W. Eder

Smart Metering startet morgen

Morgen stellt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seine Marktanalyse zu intelligenten Messsystemen, kurz Smart Meter genannt, vor. Damit startet dann der verpflichtende Einbau der Smart Meter in Deutschland.

Smart Meter Gateways des deutschen Herstellers Power Plus Communications (PPC), Stand auf der Messe E-World 2019 in Essen.
Foto: Stephan W. Eder

„Der lang erwartete Smart-Meter-Rollout wird dafür sorgen, dass unsere Energieinfrastruktur bedeutend smarter wird“, sagt der Bitkom-Energieexperte Robert Spanheimer. Die für morgen angekündigte Vorstellung der Marktanalyse zum Einbau intelligenter Messsysteme lässt sich seiner Meinung nach mit der Einführung der ersten Smartphones vergleichen: Mit der Hardware entwickeln sich völlig neue Anwendungen.

Die deutsche Wirtschaft – zum Beispiel Energieversorger, Netzbetreiber, IT-Dienstleister, Immobilienwirtschaft oder auch das Gesundheitswesen – wartet seit Jahren händeringend auf die Einführung der Smart Meter. Von den Herstellern der digitalen Messsysteme ganz zu schweigen.

IT-Branche hofft auf neue Geschäfte durch Smart Meter

„Die Vielfalt der künftigen Dienste, die auf den Smart Metern aufsetzen, lässt sich derzeit nur erahnen“, meint Spanheimer. Doch da Deutschland sich für eine hochsichere Variante der in vielen anderen Ländern längst eingeführten Systeme entschloss, dauerte es sehr lange.

Die dritten Binnenmarktrichtlinien Strom und Gas der EU (2009/72/EU und 2009/73/EU) geben den Mitgliedstaaten vor, bis 2020 80 % der Verbraucher mit Smart Metern auszurüsten. Auf Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse ist ein anderer Ansatz möglich; genau den wählte Deutschland, und der hat gedauert. 2016 schließlich wurde das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet, darin enthalten eine Pflicht zum Einbau von Smart Metern.

Der Knackpunkt: Das Gesetz sieht vor, dass erst mindestens drei Smart Meter Gateways verschiedener Hersteller vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert sein müssen. Und dies dauert jetzt noch einmal vier Jahre.

Erst diese Gateways stellen die Kommunikation der in den Smart Metern gesammelten Daten auf eine so sichere Basis, dass allen Anforderungen des Datenschutzes in Deutschland genüge getan ist. Und dass dieses Kriterium auch wirklich erfüllt ist, dafür muss das BSI laut Gesetz eine entsprechende Marktanalyse vorstellen, die das feststellt. Das geschieht morgen, inzwischen ist die Mindestzahl von drei BSI-zertifizierten Smart Meter Gateways erreicht. Mitte Dezember hatte das Bundeswirtschaftsministerium die Zertifizierung des dritten Smart Meter Gateways bekannt gegeben.

Smart-Meter-Rollout startet ab morgen in Deutschland

Die Pflicht zum Einbau der Smart Meter trifft aber anfangs nicht alle gleichermaßen. Nur bei einem Jahresstromverbrauch von mehr als 6000 kWh muss der alte mechanische Drehstromzähler, so er noch im Hause ist, verpflichtend durch eine digitale Messeinrichtung ersetzt werden. Auch wer eine Solarstromanlage auf dem Dach hat oder ein kleines Blockheizkraftwerk mit mehr als 7 kW Leistung im Keller. Da für einen Vier-Personen-Haushalt in Deutschland im Schnitt mit – je nach Quelle – 3500 kWh bis 4000 kWh im Jahr gerechnet wird, dürfte die Smart-Meter-Pflicht viele Haushalte nicht treffen.

Bitkom sieht Smart Meter als Enabler für neue digitale Dienste

Zwar verpflichtet das Gesetz nur zum Einbau digitaler Stromverbrauchszähler, aber Branchenverbände wie der Digitalverband Bitkom erhoffen sich viel mehr von den kleinen Messsystemen. Gas, Wärme und Wasser wären die ersten Aspiranten, von denen auch die Immobilienwirtschaft viel erwartet.

Die Anwendungsmöglichkeiten, so der Bitkom, gingen aber noch viel weiter: Haushalte können Stromfresser in den Haushalten erkennen, ein Smart Home ließe sich netzdienlich anbinden. „Darüber hinaus ermöglicht die digitale Infrastruktur das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen und vermeidet damit erhebliche Kosten für einen sonst benötigten Netzausbau in Wohngebieten“, meint der Bitkom.

Nachhilfe für Smart Meter bei E-Mobilität nötig

Noch aber fehlen vor allem bei der Elektromobilität nicht nur das Smart Meter und das Gateway selbst. Auch andere Regelungen müssten erst noch getroffen werden, bevor die Synergieeffekte der digitalen Technologien gehoben werden können, stellt der Bitkom klar. „Das betrifft zum Beispiel das Laden von Elektroautos, wenn gerade günstiger Windstrom zur Verfügung steht, oder die Direktvermarktung von Strom aus Blockheizkraftwerken.“

Dienste und Vertriebsangebote könnten, so Bitkom-Experte Spanheimer, auch erst dann entstehen, wenn eine ausreichend große Kundenzahl über das Smart Meter Gateway erreicht werden könne. „Von entscheidender Bedeutung ist, dass die notwendigen Standards schnell weiterentwickelt werden.“

Bevölkerung für Smart Meter

In der Bevölkerung gebe es eine große Bereitschaft, Smart Meter zu nutzen, ist sich der Bitkom sicher. Er beruft sich auf eine Befragung, nach der zwei Drittel (66 % ) der Bundesbürger Geräte wie elektrische Heizungen oder Kühlgeräte automatisch so steuern lassen würden, dass das Stromnetz stabilisiert wird und Ressourcen geschont werden.

Selbst wenn dem so ist, stellt sich die Frage: Die Pflicht zum Smart-Meter-Einbau erfasst erst einmal eher stromintensive Haushalte mit Jahresstromverbräuchen von mehr als 6000 kWh. In anderen Haushalten müssten die Kosten für den Smart-Meter-Einbau freiwillig selbst getragen werden. Sind die Leute bereit, diese Kosten wirklich auch ohne Verpflichtung zu tragen?

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