Telekommunikation 18. Nov 2021 Von Regine Bönsch und Peter Kellerhoff

5G: Mobilfunker in Aufbaustimmung

Auf deutschen Dächern herrscht zurzeit Hochbetrieb. Dort bauen Betreiber ihre unterschiedlichen 5G-Netze auf.


Foto: Henning Koepke/Telefónica Deutschland

Hannes Ametsreiter strahlt: „Unser 5G-Netz reagiert so schnell wie das menschliche Nervensystem und braucht immer weniger Strom, um Daten zu übertragen“, freute sich der Vodafone Deutschland-Chef vor zwei Wochen. Der Anlass: Sein Unternehmen verkündete die Umstellung seines neuen Mobilfunknetzes auf die nächste Entwicklungsstufe. Eine Technik, die dann ohne das Vorgängernetz LTE auskommt und sowohl über die Antennen als auch im Kernnetz 5G spricht. Diese in Fachkreisen „Standalone“ genannte Variante soll Laufzeiten von Daten (Latenzen) verringern und sie nahezu in Echtzeit übertragen.

In aller Stille, ganz ohne Werbetrommel, hat Konkurrentin Telefonica Teile ihres Netzes in purer 5G-Technik ausgestattet. Und die Telekom? Die Bonner verhalten sich gelassen. Im wohl größten deutschen 5G-Netz funken die Vorgängertechnik LTE und die fünften Generation (5G) friedlich miteinander, und sorgen so für große Datenraten. Auf dem Land sind bereits 200 Mbit/s möglich, in der Stadt Bonn gelangen unter besten Bedingungen sogar 1,6 Gbit/s. Geschwindigkeiten, die für viele der heute bekannten Anwendungen ausreichend sind. Für mehr, so die Argumentation der Telekom, gebe es zurzeit noch keinen Mehrwert. Doch das könnte sich ändern. Geringe Latenzen sind vor allem wichtig für Menschen, die Augmented und Virtual Reality oder Mobile Gaming nutzen wollen. Aber auch für Industrieunternehmen, die auf Echtzeit angewiesen sind.

Bei den Geräten für 5G hakt es noch

Das berühmte Henne-Ei-Problem – was muss zuerst da sein? Die Anwendung, das Gerät oder das Netz? Mit 5G lassen sich schon Millionen von Menschen erreichen. Doch es hakt noch bei den Geräten. Stand­alone-5G-Smartphones sind rar gesät. Erst wenn Apple die passende Software für sein iPhone 13 freischaltet, rechnen Experten mit einem Schub. Doch das wird erst für Mitte 2022 erwartet.

Ende nächsten Jahres sollte auch der Mobilfunkneuling 1&1 Drillisch zeigen, dass er wirkliches Interesse am 5G-Aufbau hat. Laut Auflage der Bundesnetzagentur müssen bis dahin je Netzbetreiber 1000 Basisstationen der fünften Generation stehen. Noch hängt keine einzige Antenne des Frischlings.

Den Fokus „5G im Alltag“ lesen Sie im aktuellen E-Paper der VDI nachrichten mit diesen Themen:

Die fünfte Netzgeneration

Mobilfunk: Mit Riesenschritten bauen fast alle Netzbetreiber in Deutschland ihre 5G-Netze auf. Doch die Strategien und genutzten Techniken sind dabei völlig verschieden.

Die fünfte Geräteklasse

Mobilfunk: Wer sich derzeit für ein neues Smartphone interessiert, kommt schnell zu dem Eindruck, es gibt nur noch 5G-Modelle. Doch was bringt die fünfte Mobilfunkgeneration beim Handy wirklich?

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