Messung der Bundesnetzagentur 09. Apr 2020 Von Regine Bönsch Lesezeit: ca. 4 Minuten

Bandbreite gesucht!

Feste und mobile Breitbandanschlüsse halten oft nicht, was sie versprechen. Die realen Übertragungsraten hinken den vertraglich vereinbarten hinterher.


Foto: PantherMedia/Jirsak

Die Bundesnetzagentur hat gestern zum vierten Mal detaillierte Ergebnisse ihrer Breitbandmessung veröffentlicht. „Gegenüber den Vorjahren zeigen sich erneut wenige Veränderungen. Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erreichen Kunden oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen in Aussicht gestellt wurde“, attestierte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Somit bestehe nach wie vor Handlungsbedarf bei den Breitbandanbietern.

Höhere Bußgelder gefordert

Das reicht Ralph Lenkert (Die Linke), der im Beirat der Bundesnetzagentur sitzt, nicht. Er fordert nun Konsequenzen, wie der Onlinedienst Golem berichtet. Dass nur wenige Kunden die tatsächlich gebuchte Bandbreite erhalten, wertet er als Betrug, der beendet werden müsse. Und er fordert spürbare Bußgelder für die Telekommunikationsanbieter. Kunden würden mit falschen Angaben zu verfügbaren Übertragungsraten betrogen. „Ein falscher Anbieter, ein falsches Netz bedeuten für die Kunden gerade heute, in Zeiten der Kontaktbeschränkungen für Infektionsschutz, dass Kontakte zu Familie und Freunden sowie die Arbeitsfähigkeit erschwert bis unmöglich werden“, erklärt Lenkert.

Bei der aktuellen Breitbandmessung wurden von Oktober 2018 bis September 2019 über 800 000 Festnetzanschlüsse und über 500 000 mobile Breitbandanschlüsse nachgemessen.

Festnetz: Maximale Rate nur bei 16,4 %

Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erhielten immerhin 70,1 % der Nutzer im Download bei stationären Breitbandanschlüssen mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate. Diese Zahl lag bei der Messung 2017/2018 sogar geringfügig höher, bei 71,3 %. Nur bei 16,4 % der Nutzer wurde diese voll erreicht oder überschritten. Das heißt im Umkehrschluss: Nicht einmal jeder Fünfte bekam von seinem Anbieter die maximale vertraglich vereinbarte Leistung. Auch der Anteil zufriedener Kunden ist mit 61,4 % im Vergleich zu 62 % in den Jahren 2017/2018 leicht gesunken.

Mobilfunk: Noch schlechteres Niveau

Das generelle Niveau lag bei mobilen Breitbandanschlüssen auch im aktuellen Berichtszeitraum deutlich unter dem von stationären Breitbandanschlüssen. Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erhielten im Download nur 14,9 % der Nutzer (2017/2018: 16,1 %) mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten geschätzten maximalen Datenübertragungsrate. Bei 1,5 % der Nutzer wurde diese voll erreicht oder überschritten, wobei sich der Anteil im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert hat. Wie im stationären Bereich zeigen sich auch im Mobilfunk hinsichtlich der Anbieter Unterschiede.

Keine Aussage über Versorgung

Die Ergebnisse der Breitbandmessung lassen keine Rückschlüsse auf die Versorgung zu. Sie hängen jeweils davon ab, so betont die Bundesnetzagentur, welchen Tarif der Nutzer mit dem Anbieter vereinbart hat. Es wird lediglich geprüft, ob die Anbieter ihren Kunden die vertraglich zugesicherte Bandbreite liefern.

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