Rohstoffe 21. Nov 2019, 09:00 Uhr André Weikard

Umfrage: Öl und Gas bleiben teuer

Während eine Mehrheit der Rohstoffmanager deutscher Unternehmen im Allgemeinen mit sinkenden Rohstoffpreisen rechnet, machen die Experten bei Öl, Gas und Strom eine Ausnahme. Für diese Energieträger erwarten sie trotz Konjunkturflaute einen weiteren Preisanstieg. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Rohstoffstudie der BCG-Tochter Inverto.


Foto: panthermedia.net/Chris Boswell

Die Befragung von Geschäftsführern, Vorständen und Einkaufsleitern ergab, dass sich nur noch halb so viele Umfrageteilnehmer wie im Jahr zuvor darum sorgen, benötigte Rohstoffe nicht beschaffen zu können (29 % versus 58 %). Ganze 60 % der Studienteilnehmer rechnen angesichts der Entspannung auf den Rohstoffmärkten mit moderat sinkenden Preisen. Eine Ausnahme bilden Strom, Öl und Gas – für die Energieträger wird mit einem weiteren Preisanstieg gerechnet. Ursache für die eher vorsichtige Prognose können Handelskonflikte und politische Regularien sein: 46 % der Befragten erwarten, dass Gesetzesänderungen einen Einfluss auf die Rohstoffpreise haben, 44 % sehen Strafzölle als Risikofaktor. Über 80 % der Unternehmen gehen davon aus, dass Handelsbarrieren künftig noch stärker als politisches Mittel genutzt werden.

Schwankende Rohstoffpreise beeinflussen massiv das Geschäftsergebnis

Für Unternehmen erweist sich dies als enormes Risiko: 76 % der Studienteilnehmer geben an, dass schwankende Rohstoffpreise das größte Problem für den Einkauf darstellen, während 71 % sagen, die Entwicklung der Rohstoffpreise habe maßgeblichen Einfluss auf ihr Geschäftsergebnis. Um sich vor Preissteigerungen durch protektionistische Maßnahmen zu schützen, vereinbaren 70 % der Unternehmen langfristige Verträge. Über 60 % der Befragten suchen neue Lieferanten in anderen Beschaffungsländern oder verschieben Produktionsvolumina zwischen ihren Lieferanten. Zugleich werden die Sicherheitsbestände in den Lagern von 36 % der Teilnehmer weiter ausgebaut.

Weniger Langfristverträge, mehr Akzeptanz von Preisgleitklauseln und Tagespreisen

Gerade bei Langzeitverträgen zeigt sich aber, dass auch unter den Lieferanten das Risikobewusstsein gestiegen ist: So ist bei fast 50 % der Abschlüsse der Zeitraum, in dem ein Festpreis gilt, verkürzt worden. Gut die Hälfte (52 %) aller Verträge enthält Preisgleitklauseln, die bei steigenden Rohstoffpreisen die Weitergabe der Mehrkosten ermöglichen.

Nicht alle Befragten konnten Festpreisverträge realisieren: 41 % der Studienteilnehmer akzeptierten in den vergangenen zwölf Monaten zumindest für einen Teil ihrer benötigten Rohstoffe Preise vom Spotmarkt – obwohl nur 16 % dies beabsichtigten.

Politik soll Rahmenbedingungen für die Rohstoffsicherung verbessern

Ein aktives Engagement für die Versorgung mit notwendigen Rohstoffen, das etwa durch die Beteiligung an Minen oder anderweitige vertikale Integration realisiert werden kann, prüfen derzeit nur 20 % der befragten Unternehmen. Um auf diesem Gebiet aktiv werden zu können, brauchen Unternehmen allerdings ein gewisses Rohstoffvolumen im Einkauf. So überrascht es nicht, dass viele Studienteilnehmer Handlungsbedarf bei der Politik verorten: Fast 59 % der Befragten sind der Meinung, dass die Politik auf internationaler Ebene – etwa der Europäischen Union – Lösungen zur strategischen Rohstoffsicherung finden soll, während sich 29 % eine Verbesserung der nationalen Rahmenbedingungen für die Rohstoffsicherung wünschen.

 

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