Weltklimarat: Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel 12. Okt 2018 Von Ralph H. Ahrens

Klimaschutz: Das Ziel vor Augen

Der Weltklimarat IPCC fordert von Politik und Industrie schnell mehr Klimaschutz. Mehr Energieeffizienz und der Ausbau CO2-armer Energiequellen seien nötig.

Sterbendes Korallenriff.
Foto: PantherMedia mypstudio

Die Zeit dränge, betonte der Weltklimarat IPCC, als er am Montag in Südkorea seinen Sonderbericht zum avisierten 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaübereinkommens vorgestellte. Bereits heute liege die globale Temperatur zwischen 0,8 °C und 1,2 °C über dem vorindustriellen Niveau.

„Dies führt nachweislich zu mehr Wetterextremen, höheren Wasserspiegeln und dünnerem Arktis-Eis“, sagt der chinesische Klimaexperte Panmao Zhai, der am Sonderbericht mitgeschrieben hat. Selbst der heiße trockene Sommer hierzulande könnte eine Folge der Klimaerwärmung sein, ergänzt Klimaforscherin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Es wird im globalen Mittel noch wärmer werden. Doch es würde sich aus Sicht des Weltklimarats lohnen, die Erwärmung auf 1,5 °C statt auf 2 °C zu begrenzen. Vom 1,5-Grad- bzw. 2-Grad-Ziel ist dann in der Politik die Rede. Beispiele:

Klimawandel: Es wird mehr Hitzewellen geben

Die Häufigkeit von Hitzetagen wird bei einer globalen Erwärmung um 1,5 °C um das Zweieinhalbfache steigen im Vergleich zu heute. Bei 2 °C mehr wird es fünfmal so viel sein. Damit steigt das Risiko von Dürren, Ernteeinbrüchen – und hitzebedingten Todesfällen. Dies trifft auch Europa: Im heißen Sommer 2003 starben rund 70 000 Menschen, 2010 waren es 55 000, so Frieler.

Der Meeresspiegel wird sich weiter erhöhen

Somit steigt das Risiko von Sturmfluten. Hurrikan Sandy zum Beispiel traf New York 2012 mit bis zu 7 m hohen Wellen. „In der vorindustriellen Zeit gab es solch eine Flut einmal in 500 Jahren“, so Frieler. Heute sind solche Überschwemmungen in der Metropole statistisch bereits alle 25 Jahre zu erwarten. Und erwärmt sich das Klima wie bisher, werde die Stadt bald alle fünf Jahre von so einem Extremereignis heimgesucht.

Die Ökosysteme würden bei 2 °C höheren Temperaturen auf 13 % der Landfläche zerstört, bei 1,5 °C nur halb so viel. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Arktische Ozean im Sommer eisfrei ist, läge bei 1,5 °C bei einmal in 100 Jahren. Steigt die Temperatur um 2 °C, ist damit alle zehn Jahre zu rechnen

Klimawandel: Die Korallenriffe sterben

Bei 1,5 °C wären durch Erwärmung der Ozeane mit 90 % ein Großteil der Riffe in den Weltmeeren dauerhaft verloren, so Frieler. Bei 2 °C wäre der Verlust wohl nahezu vollständig. Die großflächige Schädigung ganzer Riffabschnitte tritt seit rund 40 Jahren auf und lässt sich auf erhöhte Wassertemperaturen zurückführen. Inzwischen treten diese Ereignisse im Mittel alle sechs Jahre auf und die Erholungszeiten zwischen den Ereignissen werden immer kürzer.

Um diese und weitere negativen Folgen zu minimieren, rät der Weltklimarat, das weltweite Energiesystem schnell umzubauen. Um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, sollten CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 45 % sinken und bis 2050 in der Summe null betragen. Um dies zu erreichen, legt sich der Weltklimarat zwar auf keinen Energiemix fest. Wichtig ist ihm jedoch, künftig Strom und Wärme CO2-neutral oder zumindest CO2-arm zu erzeugen.

Erneuerbare Energien können 2050 abhängig vom Szenario 70 % bis 85 % des weltweiten Strombedarfs decken. Weitere 3 % bis 11 % stellen Gaskraftwerke bereit. Das entstehende CO2 wird dabei aufgefangen und gespeichert (CCS). Kohleverstromung trägt maximal 2 % zur Stromversorgung bei, Kernenergie zwischen 2 % und 27 %.

Die Zeit wird knapp für Klimaschutz

Dabei darf die Menschheit, um die globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 % auf 1,5 °C zu begrenzen, nur noch 420 Gt bis 580 Gt an Treibhausgasäquivalenten freisetzen, so der Weltklimarat. Doch die globalen CO2-Emissionen so zu limitieren, hält Frieler für illusorisch. „Bei heutigen globalen Emissionen von rund 42 Gt jährlich wird dies Budget in zehn bis 15 Jahren aufgebraucht sein.“

Der Weltklimarat geht daher davon aus, dass jenes CO2, das zu viel emittiert wird, wieder aus der Atmosphäre herausgeholt werden muss. Von Klimaschulden für künftige Generationen spricht Oliver Geden, Sozialwissenschaftler, zurzeit am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. „Diese Schulden sind durch ‚negative Emissionen‘ auszugleichen“, also durch gezielte Entnahme von CO2 aus der Luft. Dies könne etwa durch Aufforstung oder technische Entnahme von CO2 mit anschließender Speicherung erreicht werden.

Dabei geht es um große Mengen: Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen erwartet, dass zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels in den Jahren bis 2100 rund 810 Gt an CO2 aus der Atmosphäre geholt werden müssten. „Und diese CO2-Entnahme muss bereits 2030 beginnen“, betont Geden, denn jede Technologie braucht Zeit, sich zu entwickeln.

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