Energiewirtschaft und Energiewende 10. Dez 2019, 15:19 Uhr Von Stephan W. Eder

Versorger MVV bangt um Windkraft

Energiewirtschaft: Die Mannheimer MVV Energie AG setzt weiter auf die Energiewende. Die Zahlen geben dem Versorger weiterhin Recht.


Foto: MVV Energie AG

Georg Müller, Vorstandschef des Mannheimer Energieversorgers MVV Energie, zeichnete nach 2017 und 2018, die er mal als „verlorene Jahre“ bezeichnet hatte, „bei aller berechtigten Kritik“ ein positives Bild der Energiewende in Deutschland. Sie komme voran, sagte er heute bei der Vorstellung der Zahlen für das Geschäftsjahr (GJ) 2019 (Ende: 30. September 2019) in Frankfurt am Main.

Zum ersten Mal in fünf Jahren konnte MVV Energie dabei das operative Ergebnis nicht erhöhen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank von 228 Mio. € im GJ 2018 um 1 % auf 225 Mio. €. Der bereinigte Überschuss verbesserte sich jedoch um 4 % auf 115 Mio. €. Der Umsatz hingegen sank um 8 % auf 3,68 Mrd. €.

MVV Energie mit robustem Ausblick

„Wir haben im Vergleich zum Vorjahr keinen guten, keinen ergebniswirksamen Umsatz verloren“, erklärte Müller, schließlich sei es „auch unter dem letztendlichen Strich ein gutes Jahr“ gewesen.

Für das laufende Geschäftsjahr rechne man mit einer stabilen Weiterentwicklung. Dabei soll der Umsatz jedoch im Vergleich zu den Vorjahren wieder steigen. Dieses Wachstum, so Müller, werde vor allem durch die erneuerbaren Energien getragen, in die man seit Jahren investiere. Auch Ebit soll auf gleichem Niveau wieder steigen.

Schlussspurt rettete MVV das Geschäftsjahr

„Wir sind mit einem wirklich schlechten ersten Quartal gestartet und haben das Jahr mit dem besten vierten Quartal beendet, das wir seit langem hatten“, sagte Müller. Unvorhergesehenen Effekten wie dem Turbinenausfall im Biomassekraftwerk im englischen Ridham Dock und „einigen Sondereffekten“, stand vor allem die erfolgreiche Projektentwicklung bei den erneuerbaren Energien gegenüber. Dies sorgte für den nötigen Schub im vierten Quartal.

Zwar war der Umsatz im Erneuerbaren-Sektor mit 734 Mio. € fast konstant im Vergleich zum Vorjahr (738 Mio. €), aber das Ebit verbesserte sich um 21 % auf 109 Mio. €. Das gehe vor allem auf das neu entwickelte Windgeschäft zurück, insgesamt 460 MW habe man im Geschäftsjahr 2019 ans Netz bringen können. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Müller in diesem Segment mit einem „deutlichen Ergebnisanstieg“.

MVV-Chef: Energiewende braucht belastbaren Fahrplan

Vorstandschef Georg Müller lobte die eigene Branche: Als einziger Sektor in Deutschland erfülle die Energiewirtschaft die Klimaschutzziele für 2020. Um aber das Ziel von 2030 zu erreichen – 65 % erneuerbare Energien – dazu brauche es einen belastbaren Fahrplan. Das hatte Müller auch schon im Vorjahr getan, damals war es allerdings ein „verlässlicher Fahrplan“.

Insgesamt nahm – nach den für die Energiewende „verlorenen Jahren“ 2017 und 2018 – die klimapolitische Diskussion aus Müllers Sicht wieder Fahrt auf. Er sprach von einer „erstaunlich einvernehmlichen Empfehlung der Kohlekommission“. Unzweifelhaft komme Deutschland in der Energiewende voran und verwies dabei auf die Entwicklung der Felder „grüne Wärme“ im Wärmesektor und Elektromobilität im Verkehrsbereich. Dies sei, relativierte er, weltweit zu beobachten.

Angst um die Windkraft als Säule der Energiewende

Erneuerbare Energien, so Müller, müssten entschiedener ausgebaut werden: „Wir brauchen mehr Tempo und mehr Mut“, sage er in Frankfurt. „Wer aussteigt, der muss auch sagen wo er einsteigt.“ Der Ausstieg aus Kohle und Kernkraft könne nur funktionieren, wenn es „einen ebenso belastbaren Fahrplan“ für die erneuerbaren Energien gebe.

Aber der Ausbau von Ökostromanlagen sei „in einem zentralen Bereich ins Stocken geraten“, sagte Müller und bezog sich damit auf den Fadenriss bei der Installation von Windkraftanlagen in Deutschland. Er beklagte vor allem die auf Bundesebene geplante Regelung von 1000 m Mindestabstand zur nächsten Siedlung. Vielmehr müssten Genehmigungsverfahren beschleunigt und vereinfacht werden. „Auf die Windenergie an Land können wir in Deutschland nicht verzichten“, sagte Müller.

Energiewendeziel 2030 in Gefahr

Mit den jetzt diskutierten Maßnahmen im Bereich Windkraft an Land könne sich dessen Ausbaupotenzial nach Angaben des MVV-Chefs um 40 % gegenüber den bisherigen Szenarien verringern. „So ist das Ziel von 65 % bis 2030 nicht zu erreichen“, mahnte Müller.

Ein Teil der Politik setze für die Zukunft „fast ausschließlich auf Importe“, kritisierte Müller scharf – um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu vermeiden. Importe seien nötig, aber nicht so, verdeutlichte der MVV-Chef.

Kohleausstieg: Unfaire Bedingungen für Süddeutschland

Der MVV-Chef kritisiert in Frankfurt auch Pläne für die Gestaltung des Kohleausstiegs. Er sieht die Betreiber von Kohlekraftwerken – wie die MVV Energie – in Süddeutschland im Nachteil. Konkret übte er Kritik an einem entsprechenden Aufschlag. Müller nannte diesen „systemwidrig“; die Argumentation, nur so könnte die Versorgung in Süddeutschland sichergestellt werden, sei verfehlt. Zudem verlagere diese „Südreserve“ die Kosten von den Übertragungsnetzbetreibern und deren Reservekraftwerken auf die Betreiber der Kraftwerke.

Gekoppelt mit dem Kohleausstiegsgesetz ist eine Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG). „Das begrüßen wir“, sagte Müller. Allerdings sehe die Regelung vor, dass zwölf Monate nach Stilllegung der Altanlage die neue in Betrieb sein müsse. „Wir brauchen 36 Monate. Diese kleine Regelsetzung ist gänzlich kontraproduktiv, um im Süden neue Kapazität anzureizen“.

Tags: Energie

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