Meteorologie 23. Dez 2019 Von Bettina Reckter

Wetter: Keine weiße Weihnacht im Tiefland

Weiße Weihnachten sind nach Einschätzung des Vereins Berliner Wetterkarte an der FU Berlin in den Tieflagen Deutschlands nahezu ausgeschlossen. Schnee wird es demnach während der Feiertage allenfalls in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen geben.


Foto: Jens D. Billerbeck

„Sturmtiefs bestimmen aktuell das Wetter“, erklärte Meteorologin Petra Gebauer in Berlin. Nach dem Tiefdruckgebiet „Veiko“ kam mit einem kräftigen Jet-Stream Tief „Wilfried“ über den Nordatlantik nach Mitteleuropa.

Gleichzeitig wird sehr milde Luft nach Deutschland gelenkt, eine Bedrohung auch für die vorhandene Schneedecke in höheren Lagen. Frostfrei bleibe es auch über die Feiertage, stellte die Meteorologin klar.

In zehn Jahren nur zweimal Schnee zu Weihnachten

„Das Weihnachtswetter im Tiefland ist in den meisten Fällen ohnehin eher auf mild eingestellt“, betonte die Meteorologin. In Berlin gebe es beispielsweise in nur zwei von zehn Jahren an wenigstens zwei der Festtage eine Schneedecke von mindestens 1 cm Höhe, wie die Statistik des Vereins Berliner Wetterkarte ausweise. Erst in einem solchen Fall nämlich sprechen die Meteorologen von einem „weißen“ Weihnachtsfest.

„Voraussetzung für eine Schneedecke sind neben Niederschlag zu Weihnachten selbst oder auch in den Vortagen Temperaturwerte unter dem Gefrierpunkt, denn nur dann hält sich die weiße Pracht“, erläuterte Gebauer.

Keine Chance für Schnee oder Dauerfrost

In den vergangenen acht Jahren herrschten stets Höchsttemperaturen zwischen plus 5 °C und über plus 10 °C, es bestand also keine Chance für Schneefall oder Dauerfrost zum Erhalt einer Schneedecke, sagte die Meteorologin. So sei es auch in diesem Jahr.

Den wärmsten Heiligabend seit Beginn der Aufzeichnungen in Berlin gab es mit fast plus 16 °C im Jahr 1977. Besonders schneereich hingegen waren in den letzten Jahren die Weihnachtsfeste 2000, 2001 und vor allem 2010. Eine Schneedecke mit einer Höhe von mehr als 30 cm gab es in Berlin zuletzt also vor neun Jahren. Das Tiefdruckgebiet „Scarlett“ brachte damals über Deutschland ausreichend Niederschlag, der bei Temperaturwerten wenig unter dem Gefrierpunkt in fester Form fiel.

Eher die Ausnahme

Weiße Weihnachten sind im Tiefland dennoch eher die Ausnahme statt die Regel. Urlaub in schneereichen Regionen in der Weihnachtszeit, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mode kam, war aber womöglich der Anlass, Postkartenmotive mit einem Weihnachtsmann im Schnee zu verschicken. Diese Motive kamen im Jahr 1863 parallel zum beginnenden Wintertourismus auf, und erzeugten damit bei den Daheimgebliebenen die Sehnsucht nach weißen Weihnachten. Ob es also nur Wunschgedanken sind oder eine Erfindung ideenreicher oder doch geschäftstüchtiger Designer lässt sich wohl nicht klären.

Patenschaft für Druckgebilde

Auch wenn die Modellrechnungen in diesem Jahr wieder auf wenig winterliches Wetter hindeuten – noch ist nicht sicher, welches Hoch- oder Tiefdruckgebiet das Weihnachtswetter in diesem Jahr prägen wird und aus welcher Region milde oder kalte Luftmassen dann nach Deutschland gelenkt werden.

Wer sich an der Namensgebung der Druckgebilde des kommenden Jahres beteiligen und damit die Ausbildung der Studierenden beim Verein Berliner Wetterkarte an der Freien Universität Berlin unterstützen möchte, kann sich bei der Aktion Wetterpate bewerben.

2020 männliche Namen für Hochdruckgebiete

Eine Patenschaft für Hochdruckgebiete, die 2020 wieder männliche Namen tragen, ist für 299 € zu haben; die Tiefs, für die eine Patenschaft für 199 € vergeben wird, tragen 2020 weibliche Vornamen. In beiden Fällen kommt die Mehrwertsteuer hinzu. Seit 2002 wechselt die Namenszuordnung von Hochs und Tiefs von Jahr zu Jahr.

Tags: Forschung, Klima, Umwelt

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