Schlüssel für das Internet der Dinge 19. Mai 2020 Von Jens D. Billerbeck

Zeichen beim Edge-Computing stehen auf Wachstum

Infrastruktur und Services für Edge-Computing, also Rechenleistung vor Ort in Fabriken und Anlagen, werden bis 2024 um durchschnittlich 22,7 % zulegen. Das besagt eine aktuelle Analyse des Marktforschungsunternehmens Globaldata.

Eine Fertigungslinie kann vom Edge-Computing und der Echtzeit-Analyse vieler Sensordaten profitieren.
Foto: panthermedia.net/phonlamai

Eine durchschnittliche jährliche Zuwachsrate für den Fünfjahreszeitraum von 2019 bis 2024 von 22,7 % bedeutet, dass der Markt für Infrastruktur und Services rund um das Edge-Computing auf dann 19,3 Mrd. $ weltweit ansteigen wird.

Im Gegensatz zum Cloud-Computing, wo Rechenleistung zentral vorgehalten und nach Bedarf abgerechnet wird, heißt Edge-Computing: Rechenleistung lokal zur Verfügung stellen, da wo durch Maschinen und Sensoren massenhaft Daten anfallen. Da das bildlich gesprochen am Rande z. B. eines Fabriknetzwerks stattfindet, hat sich dafür der Begriff Edge-Computing durchgesetzt (Edge: englisch für Rand, Kante).

In Echtzeit vor Ort

Die Überlegung dahinter ist, die anfallenden Datenmengen in den Edge-Rechnern in Echtzeit so vorzuverarbeiten, dass einerseits schnelle Entscheidungen vor Ort automatisiert getroffen werden können, ohne dass auf eine Antwort aus der Cloud gewartet werden muss. Andererseits kann so sichergestellt werden, dass nur jene Daten dann wirklich in die Cloud gehen, die auch erforderlich sind, was Netzwerkbandbreite einspart.

Immer mehr Hersteller engagieren sich in diesem lukrativen Markt, denn längst sind Edge-Rechner keine einfachen Datensammler mehr. „Die Dezentralisierung von Rechen- und anderen IT-Leistungen positioniert diese näher an den Ort, wo Applikationen und Services gebraucht werden“, sagt Chris Drake, Principal Analyst beim Marktforschungsunternehmen Globaldata. Edge-Computing eröffne den Anwendern eine Fülle neuer Möglichkeiten. Drake: „Sie können Lösungen anbieten, die hohe Rechenleistung vor Ort benötigen, und dabei auch auf weitere Technologien wie die künstliche Intelligenz zurückgreifen.“

Hohes Potenzial in vielen Industrien

Er sieht in der Technik hohes Potenzial, um z. B. die Chancen, die im Internet der Dinge stecken, voll auszunutzen. Denn je mehr „Dinge“ vernetzt werden, desto höher ist der Bedarf an Rechenleistung, die Daten dieser Komponenten sinnvoll zu verarbeiten. Edge-Computing mache dabei bis zu einem gewissen Grade unabhängig von schnellen Netzwerkverbindungen, wie sie beispielsweise das im Aufbau befindliche 5G-Netz künftig verspricht.

Märkte mit dem größten Wachstumspotenzial für Edge-Computing sieht der Marktforscher im Bereich Energie- und anderer Versorgungsbetriebe, im Gesundheitswesen, bei den Banken sowie in Transport und Logistik. Die Fertigungsindustrie allerdings stelle den mit Abstand größten Einzelmarkt für Investments in Edge-Computing dar und hat laut Drake einen Anteil von 11,5 %.

Optimismus trotz Corona

Der Analyst bleibt auch angesichts der Turbulenzen, die die Corona-Krise derzeit weltweit in der Wirtschaft anrichte, optimistisch: „Die langfristigen Aussichten für das Edge-Computing bleiben gut.“ Die Krise sorge teilweise sogar für einen positiven Marktschub, weil sie Digitalisierungstendenzen verstärke und damit eine Fülle neuer digitaler Anwendungen und Services vorantreibe.

In ihrer Marktuntersuchung haben die Auguren von Globaldata nicht nur dedizierte Hardware- und Softwarelösungen für das Edge-Computing betrachtet, sondern auch Angebote von Cloud-Betreibern oder Telekommunikationsanbietern, die Edge-Computing als Service anbieten. Der Markt sei schon heute stark durch Partnernetzwerke geprägt, ein Trend, der sich laut Drake nach der Corona-Krise noch verstärken wird.

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