Geldpolitik 27. Sep 2022 Von André Weikard

EZB-Chefvolkswirt warnt Unternehmen: „Sie können in Zeiten hoher Inflation nicht die gleiche Rentabilität erzielen“

Philip R. Lane, Chefvolkswirt der EZB, hält es für notwendig, dass sowohl Unternehmen auf Gewinne verzichten als auch Angestellte Reallohneinbußen hinnehmen müssen, um die Inflation einzudämmen.

EZB-Chefökonom Philip Lane sieht die Gewerkschaften in der Pflicht, eine zurückhaltende Lohnpolitik zu machen, um die Inflation zu verlangsamen.
Foto: Alex Kraus/Bloomberg via Getty Images

Wer angesichts hoher Inflationsraten auf kräftige Lohnsteigerungen hofft, befindet sich auf dem Irrweg. So jedenfalls die Einschätzung von EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane. Im Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ führt Lane aus: „Die Unternehmen müssten ihre gestiegenen Lohnkosten in Form höherer Preise an die Konsumenten weitergeben. Dann, in einem Jahr, müssten die Gewerkschaften wieder sagen: Die Inflation ist so hoch geblieben, wir brauchen wieder eine große Lohnerhöhung!“ Die sogenannte Lohn-Preis-Spirale findet kein Ende.

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Das bedeute aber nicht, dass die Angestellten allein die Einbuße durch die Inflation zu tragen hätten. Lane warnt die Unternehmen eindringlich davor, sie könnten in Zeiten hoher Inflation „nicht die gleiche Rentabilität erzielen“. Auch die Unternehmen müssten also einen Teil der gestiegenen Kosten tragen, auf Rendite verzichten und die Preisaufschläge auf ihre Produkte moderat gestalten. „Um zu einer niedrigeren Inflation zurückzukehren, ist die Erkenntnis notwendig, dass die Rentabilität der Unternehmen eine Zeit lang sinken wird und dass die Löhne auch eine Zeit lang nicht ganz mit der Inflation Schritt halten können“, so Lane. Anderenfalls muss die Zentralbank die Wirtschaft mit weiteren Zinserhöhungen ausbremsen, um die Inflation zu stoppen.

EZB-Chefvolkswirt bringt höhere Steuern für Besserverdiener ins Gespräch

Der EZB-Chefvolkswirt spricht von einem „Energieschock“, der für die plötzliche Teuerung verantwortlich sei und führt aus: „Wir werden dieses Jahr etwa 5 % des BIP im Euroraum für den Nettoimport von Energie ausgeben. Früher war das ungefähr 1 %.“ 2023 werde die Inflation aber „deutlich zurückgehen“, zeigt sich Lane optimistisch.

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Um in der Zwischenzeit die Lasten insbesondere für sozial Schwächere abzumildern, schlägt Lange „höhere Steuern für Besserverdienende“ vor oder für „Industrien und Unternehmen, die trotz des Energieschocks hochprofitabel sind“.

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