Konjunkturampel des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 01. Jul 2022 Von Michael Grömling

Drohende Lohn-Preis-Spirale belastet die Konjunktur

Es besteht die Gefahr, dass sich Kosten, Preise und Löhne wechselseitig nach oben schrauben. Das sind die alarmierenden Ergebnisse der aktuellen IW-Konjunkturampel.

Die steigenden Preise lassen die verstärkte Konsumachfrage nach dem Ende der Coronakrise wieder einbrechen, warnt das IW.
Foto: PantherMedia / Goodluz

Die aktuell verfügbaren Daten der IW-Konjunkturampel markieren zwei Problemzonen: Zum einen wird wohl die immer noch infolge der Coronapandemie bestehende Industrielücke in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geschlossen werden. Die vielfältigen Lieferstörungen und Produktionsprobleme erfuhren durch die russische Invasion in der Ukraine sowie die erneuten Lockdown-Maßnahmen in China eine weitere Verschärfung.

Die Aufträge der deutschen Industrie lagen in den vergangenen drei Monaten deutlich unter dem Niveau der vorhergehenden drei Monate. Gleiches gilt für die Industrieproduktion. Im April 2022 lag diese zudem um 8,5 % unter dem Vorkrisenniveau von 2019; zum Jahresdurchschnitt 2018 fehlen sogar über 12 %. Damit läuft die Industrie auch weiterhin im Krisenmodus.

Lieferstörungen, Energiekosten und Produktionsprobleme lassen die Preise steigen

Zum anderen sind nicht nur in Deutschland erhebliche Bremsspuren beim privaten Konsum zu erkennen. Vielfältige Lieferstörungen und Produktionsprobleme sowie die stark gestiegenen Energiekosten führen in vielen Volkswirtschaften auch zu ungewöhnlichen hohen Preisanstiegen.

Sowohl der Auftragseingang als auch die Produktion in der Industrie lagen in den vergangenen drei Monaten deutlich unter dem Niveau des ersten Quartals 2022. Grafik: IW

Und dies würgt die Konsumdynamik ab. Zuletzt lagen die Verbraucherpreise in Deutschland um fast 8 % über dem Vorjahresniveau. Die Nachholpotenziale nach dem Coronawinter 2021/2022 werden durch diese Teuerung mehr als aufgerieben.

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Der russische Krieg in der Ukraine sorgt aber auch für zusätzliche Kostenschocks bei den Unternehmen – vor allem für eine erhebliche Verteuerung von Energie und Rohstoffen. Im Vorjahresvergleich stiegen die Erzeugerpreise in Deutschland zuletzt um 33,5 % an. Das ist der höchste Anstieg seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949.

Preisanstieg höher als vor der Finanzkrise

Damit werden die Preiseffekte früherer Kostenschocks Mitte der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre sowie unmittelbar vor der globalen Finanzmarktkrise bei Weitem übertroffen. Gemäß der Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft erwarten bis zum Jahresende 2022 über 90 % der Firmen starke und mittlere Effekte von verteuerten Energie- und Rohstoffkosten auf ihre eigenen Preise. Die Unternehmen befürchten zudem mittelfristig höhere Erzeugerpreise infolge steigender Arbeitskosten. Für über 80 % der befragten Firmen gilt dies in starkem und mittlerem Ausmaß. Damit besteht die Gefahr, dass sich Kosten, Preise und Löhne wechselseitig nach oben schrauben.

Unternehmen geben Preisanstiege an Kunden weiter

Die Befragung macht deutlich, dass ein Teil der Unternehmen die höheren Kosten an ihre Kunden – andere Unternehmen oder Endverbraucher – überwälzen kann. 12 % der Unternehmen können die höheren Produktionskosten in einem hohen Ausmaß und 46 % im mittleren Ausmaß an ihre Kunden weitergeben. Im Vergleich mit der Lage im Frühsommer 2021 haben sich die Preisspielräume aus Sicht der Unternehmen erweitert.

„Die Unternehmen befürchten mittelfristig höhere Erzeugerpreise infolge steigender Arbeitskosten“, warnt Michael Grömling, Leiter der Forschungsgruppe Konjunktur (IW).
Foto: IW

Das liegt in erster Linie an der erheblich schlechteren Kostensituation – vor allem infolge der höheren Energiekosten. Vielen Unternehmen gelingt eine Überwälzung jedoch nicht – und entsprechend bleiben sie auf den hohen Kosten sitzen. Auch dies wird die Konjunktur empfindlich belasten – etwa über Investitionsausfälle.

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Unternehmen und Verbraucher werden derzeit von den hohen Energie- und Rohstoffkosten gleichermaßen belastet. Diese ernste Problemlage darf nicht durch hausgemachte Kostenschocks verstärkt werden.

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