IW-Konjunkturampel 22. Apr 2021 Von Michael Grömling

Erholung der Investitionen absichern

Wie tragfähig der Aufschwung wird, hängt besonders von den politischen Rahmenbedingungen ab.

Die Konsumkonjunktur in Deutschland hat sich wieder eingetrübt. Steigende Coronazahlen und geschlossene Läden sind die Ursache dafür. Sorge bereitet auch die weltweite Investitionszurückhaltung.

Bei vielen Indikatoren der IW-Konjunkturampel waren in den vergangenen Monaten spürbare Verbesserungen eingetreten, besonders bei den industriellen Kennziffern. Dagegen hat sich die Konsumkonjunktur wieder eingetrübt, bedingt durch die neue Infektionswelle und Restriktionen für Teile des Handels und der Dienstleistungen. Entsprechend wird der Konsum in diesem Jahr voraussichtlich stagnieren.

Für das zweite Halbjahr wird zwar eine starke Erholung infolge von Impferfolgen und dem hohen Sparpolster erwartet. Sie wird aber nicht ausreichen, um die konsumtive Jahresbilanz nennenswert ins Plus zu bringen. Eine direkte Konsumstimulierung etwa über niedrigere Mehrwertsteuern oder Konsumgutscheine dürfte derzeit wenig bringen. Nur eine konsistente Pandemiestrategie und offene Konsummöglichkeiten würden helfen.

Investitionen werden Vorkrisenniveau nicht erreichen

Bei den Investitionen wird in Deutschland das Vorkrisenniveau von 2019 wohl nicht erreicht. Zwar hat sich der Welthandel trotz der in vielen Ländern hartnäckigen Pandemie kräftig erholt – und damit hat sich auch das Investitionsklima in Deutschland aufgehellt. Der Weltwirtschaftsimpuls hat sich bislang aber nicht vollständig auf das Auslandsgeschäft übertragen. Die globalen Investitionen sind noch zurückhaltend. Ziehen sie im Jahresverlauf aber weiter an, dann wird dies auch die deutschen Exporte weiter antreiben. Dazu müssen weiterhin kräftige Impulse aus den USA und Asien kommen und die Schwäche der europäischen Investitionstätigkeit muss sich zurückbilden. Zudem darf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie – durch Arbeitskosten- oder Wechselkursschocks – nicht geschwächt werden. Die jüngsten Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie schaffen dabei Zuversicht.

Die im Frühjahr 2020 entstandene Investitionslücke konnte zwar schon im dritten Quartal halbiert werden. Seitdem stag­nierten die Ausrüstungsinvestitionen aber. Sie werden nach wie vor wegen den pandemiebedingten Verunsicherungen zurückgehalten. Jedoch weniger wegen des globalen Umfelds, vielmehr wird ein Teil der Firmen weiterhin ihre Liquiditätspositionen zulasten der Investitionen absichern. Mit der für das zweite Halbjahr erwarteten breitenwirksamen Erholung in Deutschland – vor allem beim Konsum und den damit verbundenen Branchen – kann auch die Investitionstätigkeit einen kräftigen Schub erfahren.

Investitionslücke wird erst 2022 geschlossen

Der Zuwachs wird gleichwohl nicht ausreichen, um die Investitionslücke vom Vorjahr zu schließen. Frühestens im Jahr 2022 wird dies zu schaffen sein. Und dies setzt verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen am Standort Deutschland voraus. Dazu zählen wettbewerbsfähige Steuersätze und Energiekosten sowie angemessene Investitions- und Innovationsbedingungen, um die strukturellen Herausforderungen durch Digitalisierung und Dekarbonisierung zu bewältigen.

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