Studie zur Corona-Pandemie 03. Feb 2021 Von Wolfgang Schmitz

Viele Firmen bleiben optimistisch

Ein Großteil der Unternehmen wird 2021 unbeschadet überstehen – allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen. In den Bereichen Automobil und Maschinenbau herrscht hingegen große Skepsis. So lautet eine der Kernaussagen der Studie „Wie geht es weiter?“.


Foto: panthermedia.net/Wavebreakmedia ltd

Die meisten mittelständischen Unternehmen hierzulande sind nach wie vor liquide und ertragsstark aufgestellt und gehen davon aus, 2021 weitgehend unbeschadet zu überstehen. Fast die Hälfte der Unternehmen ist zuversichtlich, dass sich bis in spätestens 24 Monaten die Situation entspannt und wieder „normal“ sein wird. Das haben Frank Gebert von der SRH Hochschule Heidelberg und Markus Milz von der Milz & Comp. in Köln bei der Befragung von über 200 Unternehmenslenkern ermittelt. Ihre Fragestellung lautete: Wie schätzen Sie die Folgen der Corona-Pandemie für Ihr Unternehmen ein?

Dabei trat Überraschendes, Erfreuliches, aber durchaus auch Besorgniserregendes zutage: Mehr Skepsis herrscht in einzelnen Branchen wie Automobil und Maschinenbau. Von einer schnellen Entspannung der Situation und einer Rückkehr zur Normalität gehen die Unternehmen indes nicht aus: 83 % der Unternehmer sind der Meinung, dass die größten Folgen der Krise erst im Laufe des Jahres 2021 zu spüren sein werden. Jeder Fünfte sieht sich in einer existenzbedrohenden Situation.

Bewährte Maßnahmen in der Krise

Dass die Krise nicht ohne kräftiges Zutun auf Unternehmensseite bewältigt werden kann, ist für die meisten Befragten selbstverständlich – die meisten Maßnahmen betreffen den Personalbereich. „Als notwendiges Fundament zur erfolgreichen Bewältigung stehen hauptsächlich personalbedingte Maßnahmen wie Kurzarbeit, Überstundenabbau, Homeoffice und damit auch ein Sparen an Reise-, Messe- und Raumkosten sowie Kapazitätsabbau auf der Agenda“, erläutert Markus Milz. „Auch Gesellschafterhilfen und Verkäufe von Unternehmensvermögen wurden stark in Anspruch genommen, ebenso wie ein Entgegenkommen von Dienstleistern“, ergänzt Frank Gebert.

Kredite und Staatshilfen hingegen werden als weitgehend bedeutungslos angesehen. Versäumnisse sehen die Studienverantwortlichen hingegen bei den Themen „Mitarbeiterführung und -motivation“ sowie „Anpassung der Strategie, des Geschäftsmodells und des Leistungsportfolios“ an die veränderten Gegebenheiten sowie generell die Innovationsfähigkeit. „Hier hätte man deutlich eher und massiver reagieren müssen – und muss dies nach wie vor“, sagt Milz.

Das Sparen geht weiter

Durch die Maßnahmen gelang es drei Vierteln der Befragten, auf der Kostenseite Einsparungen in Höhe von durchschnittlich 20 % (Automobil und Dienstleistungen sogar 25 %) zu realisieren. Damit ist es allerdings nicht getan, denn das Sparen geht weiter. In den nächsten Monaten werden die Unternehmen voraussichtlich weitere 20 % einsparen müssen. Auf der Umsatzseite gaben die meisten Befragten ein verstärktes Kundenbeziehungsmanagement und Digitalisierung als sichernde Maßnahmen an. Weiterhin werden hier Absicherung von Forderungen sowie Lieferkettensicherung als Hauptmaßnahmen genannt.

Der wesentliche Kostensenkungsfaktor bleibt indes „Personalfreisetzung“ (durchschnittlich 7 % des Gesamtpersonalstamms). Im Dienstleistungsbereich wurden bei den Befragten 17 %, im Automotive-Bereich 14 % „freigesetzt“. Durchschnittlich werden weitere 7 % des Personalstamms, so wird geschätzt, in den nächsten 24 Monaten entlassen werden müssen, um dem gesunkenen Umsatzniveau standhalten zu können. In den Branchen Konsum, Dienstleistungen, Bau/Handwerk und Automotive steigt diese Schätzung sogar auf über 10 % an. „Hochgerechnet auf die Summe der in Deutschland Erwerbstätigen würde dies – neben der bereits 2020 angestiegenen Zahl von 0,5 Mio. – weitere 3,1 Mio. Arbeitslose bedeuten“, rechnet Milz vor.

Gewinner und Verlierer der Krise

Die Gesamtwirkung aller Krisenmaßnahmen war allerdings massiv branchenabhängig: Während etwa im Bereich ITK der Umsatz in 73 % aller Fälle gesteigert werden konnte (um durchschnittlich sogar 50 %) und auch Steigerungen im Bau-/Handwerksbereich sowie bei den Konsumgütern zu beobachten waren, gelang dies etwa 71 % der Unternehmen im Automobilsektor nicht. Weitere Herausforderungen werden in der Selbstmotivation bzw. im Selbstmanagement der Manager, bei Fragen rund um das Thema Umsatzausfälle sowie im Umgang mit weiteren Unsicherheiten gesehen.

Für diese Unsicherheiten wird in sehr vielen Nennungen die Politik als Hauptverantwortlicher genannt. Neben schlechter Kommunikation wird der Politik vor allem Ignoranz und Nicht-Einbeziehung der Wirtschaft bzw. der Unternehmen bei politischen Entscheidungen genannt. Festzuhalten ist, dass insbesondere auf der Vertriebsseite drastische Veränderungen in fast allen Belangen (u. a. Strategie, Absatzkanäle, Märkte, Regionen, Kunden, Technologie, Abläufe, Akquisitionen) erwartet werden. Mit die größte Furcht (40 %) herrscht vor weiteren Lockdowns, die nicht nur immense wirtschaftliche Schäden hervorbringen, sondern insbesondere eine Planbarkeit weiter erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen.

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