ZEW-Umfrage 23. Mrz 2022 Von Peter Steinmüller

Ökonomen: Sanktionen treffen Russland hart

Einer Studie des ZEW zufolge sind die internationalen Maßnahmen gegen die russische Zentralbank und der Ausschluss russischer Banken vom Swift-Zahlungssystem am wirksamsten. Sie wirken besonders stark auf die russische Wirtschaft.

Wie die Sanktionen gegen Russland hinter den Kremlmauern wahrgenommen werden, bleibt im Westen unklar. Um die Wirkung auf die deutsche Konjunktur machen sich Finanzexperten laut ZEW-Studie jedoch wenig Sorgen.
Foto: Alf van Beem/gemeinfrei

Die Rückwirkungen dieser Maßnahmen auf die Wirtschaft des Euroraums schätzen die Ökonomen des Wirtschaftsforschungsinstituts dagegen als begrenzt ein. Hauptsächlich führen sie demnach zu einer höheren Inflation und – in geringerem Maße – zu einer niedrigeren Gesamtwirtschaftsleistung. Jedoch gehen die Befragten nicht davon aus, dass diese Entwicklungen die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlassen wird, ihre Zinspolitik zu ändern.

Stärkste Wirkung durch Sanktionen gegen Zentralbank

Von den Maßnahmen gegen die russische Zentralbank erwarten 91 % der Umfrageteilnehmenden wirtschaftliche Schäden für die russische Wirtschaft. 40 % gehen dabei sogar von einem hohen Schaden aus. Gleichzeitig sehen 88 % der Befragten durch den Ausschluss russischer Banken vom internationalen Zahlungssystem Swift einen wirtschaftlichen Schaden. Aber auch dem politischen Druck auf westliche Unternehmen, ihre Geschäftsbeziehungen mit russischen Firmen zu beenden, wird eine wichtige Rolle zugeschrieben: 81 % der Teilnehmenden bewerten diese Maßnahme insgesamt als für Russland schädigend. Dagegen werden vom Einfrieren des Auslandsvermögens russischer Oligarchen eher geringe wirtschaftliche Auswirkungen erwartet: Mit 43 % erwarteten weniger als die Hälfte der Befragten dadurch einen Schaden.

Wirtschaftliche Schäden durch Ukrainekrieg werden unterschätzt

„Ziel der Politik war es gleichzeitig, darauf zu achten, dass die Sanktionen nicht die eigene Wirtschaft zu stark schädigen und damit die europäischen Gesellschaften zu destabilisieren. Dies ist nach Meinung der Finanzmarktexpertinnen und -experten ebenfalls gelungen“, so ZEW-Präsident Achim Wambach. Laut ZEW-Umfrage halten sich die wirtschaftlichen Negativfolgen für Deutschland und die Eurozone in Grenzen. Die vermutlich schädlichste Maßnahme für die deutsche Wirtschaft ist der politische Druck auf westliche Unternehmen, ihre Geschäftsbeziehungen mit russischen Firmen abzubrechen.

Russlandsanktionen lassen Finanzexperten nicht um Binnenkonjunktur fürchten

Zwar befürchten 62 % der Teilnehmenden hierbei einen Schaden für die eigene Konjunktur, aber die Auswirkungen der drei anderen Maßnahmen auf die deutsche Wirtschaft werden als gering eingeschätzt. Nur 35 % der Befragten erwarten einen Schaden durch den Ausschluss russischer Banken aus Swift und lediglich 20 % durch Maßnahmen gegen die russische Zentralbank. Durch das Einfrieren des Auslandsvermögens russischer Oligarchen erwarten gerade einmal 11 % eine negative Rückwirkung. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft des Euroraums werden sehr ähnlich bewertet wie die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft.

Wenn Russland den Gashahn zudreht

Die Folgen der Sanktionen werden sich hauptsächlich in einer steigenden Inflation im Euroraum zeigen: 79 % der Teilnehmenden sehen das als stärkste wirtschaftliche Folge für den Euroraum. Gemäßigt sollen sich die Sanktionen hingegen auf die gesamtwirtschaftliche Leistung auswirken: 74 % der Teilnehmenden gehen von einem moderaten Effekt auf das BIP im Euroraum aus. Zudem erwarten die Finanzmarktexperten und -expertinnen nicht, dass die EZB ihre geplante Geldpolitik anpasst: 60 % der Befragten sind der Ansicht, dass die Sanktionen keine Auswirkungen auf den Hauptrefinanzierungssatz der EZB haben werden.

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