Marktbarometer 22. Feb 2021 Von Stefan Asche

Werkzeugmaschinen: Branche sieht Licht am Ende des Tunnels

Für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie könnte es bald aufwärtsgehen. Für 2021 erwartet der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) jedenfalls einen Produktionszuwachs von 6 % auf rund 12,6 Mrd. €.


Foto: Metav

Anlässlich der heutigen Jahrespressekonferenz des Verbands weist der Vorsitzende Heinz-Jürgen Prokop darauf hin, dass eine bessere Stimmung in der Wirtschaft die Investitionsbereitschaft fördert. „Nach zwei Jahren mit großer Zurückhaltung besteht Nachholbedarf“, sagt er. Sowohl der weltweite Einkaufsmanagerindex als auch das deutsche ifo-Geschäftsklima für die Investitionsgüterindustrie lägen auf Wachstumskurs.

Ende der Pandemie ist entscheidend

China übernimmt laut VDW die Rolle des Treibers für die Weltwirtschaft. Auch die USA sorgten nach dem Wahlsieg von US-Präsident Biden für Schub. „Voraussetzung dafür, dass Unternehmen wieder Vertrauen schöpfen und investieren, ist jedoch der Sieg über die Corona-Pandemie und verlässliche Perspektiven, wie der Lockdown sukzessive zurückgefahren werden kann“, so Prokop.

China ist das Zugpferd

Insbesondere die Automobilindustrie, größter Abnehmer von Werkzeugmaschinen, profitiert nach Ansicht des VDW vom Aufschwung in China. Elektronik, Nahrungsmittelverarbeitung, Logistik und Teile der Medizintechnik hätten in der Krise ohnehin gute Geschäfte gemacht. Das setze sich fort. Auch in Europa sollen demnach die Investitionen nach hartem Einbruch wieder um 10 % steigen. Nach zwei, aus vielerlei Gründen sehr schwierigen Jahren, wirke sich das positiv auf die Werkzeugmaschinenindustrie aus.

Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, stellt für 2021 einen kräftigen Auftragszuwachs von 35 % in Aussicht. Anhaltspunkte dafür gab es bereits im November und Dezember. „Gleichwohl haben wir einen schwierigen Weg bis zum Vor-Corona-Niveau vor uns“, weiß Heinz-Jürgen Prokop.

2020 in schwierigem Fahrwasser

2020 waren die Aufträge bedingt durch die Corona-Krise um 30 % gefallen, nach einem Rückgang gleicher Größenordnung schon ein Jahr zuvor. Auch alle anderen Kennzahlen sind 2020 tief ins Minus gerutscht: Produktion -31 % , Export -29 %, Inlandsabsatz -33 %. Die erhoffte Aufwärtsbewegung für das aktuelle Jahr startet also von niedrigem Niveau aus.

Kapazitätsauslastung gesunken

2019 lag die Kapazitätsauslastung noch bei mehr als 88 %. Durch den Auftragsmangel fiel sie 2020 auf knapp 72 %. Das ist vergleichbar mit dem Niveau der Finanzkrise 2009. Die Zahl der Beschäftigten sank im Jahresdurchschnitt 2020 um 4,5 % auf 70 000 Frauen und Männer. „Betrachtet man jedoch den enormen Rückgang in der Produktion wird deutlich, dass die Firmen ihre gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so lange wie möglich halten wollen. Dafür ist das Instrument der Kurzarbeit nach wie vor hilfreich und notwendig“, sagt Prokop.

International wacker geschlagen

Trotz der hohen Verluste haben sich die deutschen Hersteller im internationalen Wettbewerb gut geschlagen. In der Produktion belegt die Branche mit einem Anteil von 16 % nach China und vor Japan Platz 2. Im Export ist sie mit 20 % Anteil Exportweltmeister geblieben, vor Japan und China.

China bleibt mit einem Verbrauch von 18 Mrd. € weltgrößter Markt und mit einem Einfuhrvolumen von 5,4 Mrd. € trotz zweistelliger Verluste der weltgrößte Importeur. Allerdings könnten die Geschäfte in Zukunft schwieriger werden. „Schon jetzt berichten die Unternehmen von großem Preis- und Zeitdruck seitens chinesischer Auftraggeber“, erläutert Prokop. Außerdem soll der innerasiatische Handel mit dem jüngst geschlossenen RCEP-Abkommen durchlässiger werden. Das intensiviert den Wettbewerb mit Japan und Südkorea im chinesischen Markt. Schließlich strebt die chinesische Regierung mehr Unabhängigkeit von Technologieimporten an und es wird heftig spekuliert, ob dies mittelfristig gelingen kann. Viele VDW-Mitglieder haben frühzeitig in China Niederlassungen gegründet und bauen sie weiter aus, um von wirtschaftspolitischen Strategien der Regierung ein Stück weit unabhängiger zu sein.

„Quasi Verbot des Verbrennungsmotors“

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie sieht große Chancen im Green Deal und den Klimaschutzzielen bis 2050. Mit der Euro-7-Norm plant die EU-Kommission nun, den Grenzwert für Emissionen von Pkw und Lkw bis 2025 auf null zu setzen. „Damit verbietet sie quasi den Verbrennungsmotor und setzt voll auf Elektromobilität. Der Verbrenner wird nach Einschätzung von Experten bis 2025 technisch kein Zero-Emission-Ergebnis erzielen oder nur unter sehr hohen Kosten“, kommentiert Prokop das Vorhaben. Tatsächlich seien moderne Verbrennungsmotoren mittelfristig unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen. Sie gewährleisten bereits heute schon Emissionswerte, die 50 % unter den gesetzlichen Vorgaben liegen. Durch die Verwendung von E-Fuels, die auf Wasserstoffbasis mit regenerativen Energien erzeugt werden, kann zudem der Emissionsausstoß vor allem im Fahrzeugbestand sehr schnell weiter gesenkt werden. Der Schwerlastverkehr, mobile Land- und Baumaschinen, die Feuerwehr oder Schiffe werden zudem noch länger auf Verbrenner angewiesen sein, weil eine direkte Elektrifizierung auf technische Grenzen stößt.

Eine halbe Million Arbeitsplätze gefährdet

Mehr Klimafreundlichkeit in diesen Einsatzfeldern ist nur zu gewährleisten mit einer funktionierenden Forschungslandschaft und Wertschöpfungskette rund um die Motorentechnologie. „Ein abruptes Ende des Verbrennungsmotors würde den technischen Fortschritt ausbremsen, weil mit Euro 7 niemand mehr in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren investieren wird“, erläutert Prokop. Es würde einfach das Geld fehlen. Käme das Aus für den Verbrenner, befürchten Experten, dass eine halbe Million Arbeitsplätze allein in Deutschland gefährdet wären.

VDW und VDMA gehen Hand in Hand

Daher unterstützt der VDW ein Positionspapier des VDMA, das in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Darin wird eine Technologieoffensive für umweltfreundliche Mobilität gefordert. Ziel ist es, gemeinsam mit der Industrie Klimaneutralität zu erreichen und die Stärken der Unternehmen bei der Entwicklung neuer Technologien zu fördern. Deshalb sollten Abgas- und CO2-Emissionen durch viele verschiedene Technologien reduziert werden. Die Nutzung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen für künftige Fahrzeuge gehört ebenso dazu, wie eine weitere Optimierung des Verbrennungsmotors, die Nutzung der Brennstoffzellentechnologie und eine wachsende Zahl von batteriebetriebenen Fahrzeugen. Allein auf 100 % Elektromobilität zu setzen, führe zu einem extremen Anstieg des Strombedarfs, der aktuell nicht über erneuerbare Energie zu decken sei, so Prokop.

„Die EU ist gefordert“

„Die EU ist gefordert, eine solche breit angelegte Modernisierung auf den Weg zu bringen und den Rahmen dafür zu setzen“, fordert er abschließend. Das würde neben der Autoindustrie auch Anwenderbranchen wie Bau- und Landmaschinenhersteller in ihrem Transformationsprozess voranbringen.

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