Studie zu Gehältern und Tarifen 11. Nov 2020 Von Peter Steinmüller

Für jeden zweiten Beschäftigten gibt es Weihnachtsgeld

Etwas mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland erhält aktuell Weihnachtsgeld. Laut einer neuen Auswertung des Internetportals Lohnspiegel.de bekommen 53 % aller Beschäftigten diese Jahressonderzahlung.

Beschäftigte in der Chemieindustrie haben gut lachen: Im nächsten Jahr bekommen sie ein komplettes Monatsgehalt als Weihnachtsgeld.
Foto: panthermedia.net/Wavebreakmedia ltd

Zwischen Anfang November 2019 und Ende Oktober 2020 haben sich fast 50 000 Beschäftigte an der Onlinebefragung beteiligt, die vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt wird.

„Am höchsten stehen die Chancen auf ein Weihnachtsgeld, wenn das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist, das gilt auch und gerade in diesem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. Mit Tarifvertrag bekommen nach den Daten von Lohnspiegel.de 77 % der Beschäftigten Weihnachtsgeld, verglichen mit nur 41 % in Betrieben ohne Tarifvertrag. „Angesichts von Einkommenseinbußen in der Krise ist das Weihnachtsgeld besonders wichtig. Millionen von Beschäftigten waren oder sind in Kurzarbeit, da ist das Weihnachtsgeld als Beitrag zur Stabilisierung der Einkommen von großer Bedeutung“, so Schulten. „In Krisensituationen schützen bindende tarifliche Regelungen zudem am besten davor, dass der Arbeitgeber die Sonderzahlung ersatzlos streicht.“ In einigen Tarifbranchen wie z.B. der Metall- und Elektroindustrie wurde in diesem Jahr die Möglichkeit eröffnet, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld anteilig auf die monatlichen Einkommen zu übertragen, um im Fall von Kurzarbeit ein höheres Kurzarbeitergeld zu erhalten.

Niedrigere Tarifbindung in Ostdeutschland

Die Auswertung zeigt einige weitere Merkmale, die die Zahlung von Weihnachtsgeld erklären: So erhalten in Westdeutschland 55 % der Befragten, in Ostdeutschland nur 42 % Weihnachtsgeld. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Tarifbindung in den neuen Bundesländern deutlich niedriger ist als im Westen.

Zudem erhalten Frauen, befristet Beschäftigte und Teilzeitarbeitende seltener Weihnachtsgeld. In den meisten Wirtschaftszweigen sehen die Tarifverträge Weihnachtsgeld vor. Dies zeigt die aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs von 23 großen Branchen. Das tarifliche Weihnachtsgeld wird überwiegend als fester Prozentsatz vom Monatseinkommen berechnet. Die in den einzelnen Tarifverträgen festgelegten Prozentsätze haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. In den Branchen, in denen in diesem Jahr Lohnerhöhungen vereinbart wurden, sind auch die tariflichen Weihnachtsgelder entsprechend gestiegen.

Hohes Weihachtsgeld für Banker

Ein vergleichsweise hohes Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der chemischen Industrie, bei der Deutschen Bahn, in der Druckindustrie, in der Papier und Pappe verarbeitenden Industrie sowie in der Textilindustrie (Westfalen), bei denen die Jahressonderzahlung zwischen 95 % bis 100 % eines Monatseinkommens liegt. Es folgen Versicherungen (80 %), Einzelhandel (West: vorwiegend 62,5 %) sowie Metallindustrie (überwiegend 55 %). In der Eisen- und Stahlindustrie und im öffentlichen Dienst sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu einer Gesamtjahressonderzahlung zusammengefasst, die im November gezahlt wird. Diese beträgt in der Eisen- und Stahlindustrie 110 % eines Monatsgehalts, im öffentlichen Dienst (Gemeinden) je nach Vergütungsgruppe zwischen 52 % und 80 % in Westdeutschland und zwischen 46 % und 70 % in Ostdeutschland. Unter den großen Tarifbranchen wird lediglich im Gebäudereinigerhandwerk kein Weihnachtsgeld gezahlt.

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